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Es ist heiss, nicht einfach so heiss, sondern siedend heiss. Auch die hiesige Bevölkerung schwitzt ohne Ende. Es ist Mittwoch, der 21. Mai und ich habe noch eine Exkursion aufm Programm. Trotz einer langen Nacht bin ich am Morgen müde, es sind in diesem Fall aber die Kollateralschäden der Hitze. Ich will aber relativ früh raus, denn in der Stadt wo ich für $ 5 per Nacht übernachte (Kokand), will ich im Morgenlicht den Palast des Khans fotografieren. Den Palast hatte ich bereits am Vortag besucht. Dieser Khan, hat der lustig gelebt! Der Islam genehmigt einem Mann „nur“ vier Frauen. Der Khan aber fand 4 zu wenig und hatte mit dem Imam der Stadt einen Deal geschlossen: seine insgesamt 44 Frauen wurden ab der fünften Frau (Mädchen, müsste man sagen) nicht mehr verheiratet, sondern jeweils einfach als one-night-stand vom Imam abgesegnet. So konnte der Khan je nach Lust einen Apfel zu seinem Augenapfel werfen – und er hatte dabei also reichlich auswahl. Vom Palast ist nicht mehr viel übrig, denn die Russen hatten in dieser Gegend Anfang des 20. Jahrhunderts viel moslemische Wiederstandskämpfer, sogeannte Bachmachi, zu bekämpfen und hatten kein Problem damit, den einen oder anderen Palast komplett oder teils zu vernichten. Die Räume die aber geschont wurden, sind sehr schön und sind heute ein Museum.

Nach einem Frühstück am Busbahnhof (mein $ 5 Hotel hat sogar fließendes warmes Wasser, aber kein Frühstück) geht es im Sammeltaxi über Bagdad und Boston (keine Lüge!) nach Rishton. Rishton ist eine Stadt südlich von Kokand und liegt an der Grenze zu Kyrgystan. Sie ist bekannt für ihre uralte Keramiktradition. Gewappnet mit dem Lonely Planet und einem zweiten, besseren Reiseführer mache ich mich auf der Suche nach zwei kleinen Werstätten. Ich werde aber sofort zur Keramikfabrik geschickt, die etwa einen Kilometer östlich vom Zentrum liegt. Die Fabrik ist herrlich, denn sie ist alt, schmutzig und „kaputt“, wie ein geschätzter Kollege von mir sagen würde. Für mich also gefundenes Fressen!

Ich werde zuerst zum Portier geführt und kriege einen Begleiter, der mich sofort zu einer kleinen Halle ganz hinten auf dem Gelände bringt. Erst ist aber bald verschwunden. In der Halle kann ich die ersten schönen Porträts machen. In einer dunklen Ecke der Halle machen zwei Frauen und deren Aufsicht Pause und ich werde sofort zum Tee eingeladen. Es ist zum ersticken so heiß in der Halle, die nicht nur von der Sonne, sondern auch von mehrerern Öfen geheizt wird. Der Tee ist also sehr willkommen. Und so fühlt man sich hier auch als Besucher: willkommen! Mir fällt auf, das man häufig mit dem muslemischen Zeichen für Dankbarkeit empfangen wird: man macht mit den Händen eine Bewegung von oben nach unten am Gesicht entlang. Dieses Gebärde sieht man auch, wenn man an einem Friedhof, oder an einer heiligen Stelle vorbei fährt. Nach dem Essen, oder am Ende eines Gebets oder einer Koranlesung macht man dieses Gebärde auch, dann werden zusetzlich nach dem „Streicheln“ des Gesichts die Hände mit den Handpalmen nach oben gehalten, während man „Allah-u-akhbar“ sagt. Vor allem, wenn ich bei Leuten privat zum Essen eingeladen war, oder wenn ich beim Gebet eines Khalifs oder Imams anwesend war, habe ich das aus Respekt auch gemacht. Ich hatte dabei das Gefühl, dass das sehr geschätzt wurde (aber vielleicht kann ein Islamexperte mich da eines Besseres belehren, falls ich daneben liege – Rob?).

Auch wenn die Keramikfabrik eine Fabrik ist, so ist der Herstellungsprozess für 90% Handarbeit. Die Fabrik beschäftigt denn auch eine Menge Arbeiter, darunter viele Kinder! Der Rohstoff wird hier direkt in der Gegend gewonnen und liegt nur einen Meter tief im Boden (ich komme nicht auf das deutsche Wort für „clay“ / „klei“ (EN, NL). Die Keramikproduktion ist hier denn auch tausende von Jahren alt, dabei hat sich nur die Technik der Glasur geändert. Der Rohstoff aus dieser Gegend ist so pur, dass sie nur grob gereinigt werden muss und dann sofort verarbeitet werden kann.

Draussen in der Sonne werden die Rohlinge zum ersten Male getrocknet, bekommen dann eine weisse Lackierung, danach werden sie per Hand gemalt (manchmal aber mit Hilfe von Schablonen) und werden dann zum ersten Male im Ofen (12 Stunden lang) getrocknet (und müssen dann nochmals 12 Stunden kühlen). Dann bekommen sie die endgültige Glasierung und werden dann nochmals 12 Stunden gebacken. Die Fabrik stellt am Tag über 1.000 Stück Keramik her, von kleinen Tellern bis großen Blumentöpfen. In einer Halle entdecke ich einige Sonderstücke für das Hotel der Frau des Presidenten (Hotel Asia in Bukhara).

Dann treffe ich durch Zufall einen „Master“, der im Lonely Planet erwähnt wird. Er lädt mich zu seiner Werkstatt ein. Im Auto fahren wir von ost nach west durch die Stadt. Die Werkstatt ist klein und bietet mir im Gegensatz zur Fabrik keine Fotomotive. Dafür hat die Werkstatt ein kleines aber feines Museum, und eins seiner Schüler spricht gut englisch und zeigt mir den ganzen Prozess nochmals, ohne das es für mich langweilig wird. Ich finde seine Werkstatt aber sehr kommerziell, man ist hier –im Gegensatz zur Keramikfabrik- Touristen mehr als gewohnt. Und genau so wie in der Seidefabrik gilt für mich: je weniger Touristen, um so interessanter wird es. Sollte ich noch mal in dieser Gegend kommen, dann werde ich auch die staatlichen Seidefabriken besuchen. Man kommt ohne Problem herein und ist meist sichtlich erfreut über den ausländischen Besuch.

Den Nachmittag verbringe ich mit Lesen und Kebabs in einer Chaikhana. Die Hitze ist unerträglich und es sieht aus, als würde Regen kommen. Der kommt am Abend, bringt aber keine Abkühlung.

Der Palast vom Khan und seinen Frauen

Auch in der Fabrik wird vieles per Hand gemalt

Blick in einen der Oefen, alles wird per Hand gestapelt

Draussen trocken die Rohlinge in der Sonne (und auch die werden per Hand bemalt)

Auch in dieser Fabrik: viel Spass bei der Arbeit

In der kleinen Werkstatt: Beispiele fuer Keramik aus Rishton

Osh hatte ich auf ein Mal satt. Die Stadt hatte mir zu wenig zu bieten. Am Sonntag habe ich zwar den riesen Bazar besucht, der bot mir aber nicht, was ich mir davon erhofft hatte. Darum habe ich am Sonntag Osh verlassen. Im Taxi ging es zur Grenze. Hier wurden neue Rekorde gesetzt. In weniger als 5 Minuten hatte ich das Ausreisestempel von Kyrgysien im Pass und auch auf der usbekischen Seite verdient das Team einen Orden für schnelle und unkomplizierte Abhandlung! Insgesamt war ich in weniger als 25 Minuten über die Grenze.

Auch die Weiterfahrt nach Andijon ist unkompliziert, die shared taxis warten einfach an der Grenze und die Preise sind fest, somit braucht man nicht verhandeln. Welch ein Genuss, wieder gute Strassen zu fahren! Andijon, wo 2005 ein großes Masaker unter Moslems angerichtet wurde, war leider kein „hit“. Die Stadt wurde vor gut 100 Jahren von einem Erdbeben getroffen und die ehemals historische Altstadt exisitiert bis auf eine Medresse nicht mehr. Alles was man sieht, ist neu. Dazu verpasste ich dummerweise den großen Bazar, der weit ausserhalb vom Zentrum stattfindet. Ich habe den Nachmittag auf den normalen Bazar im Zentrum verbracht. Das Hotel war eins aus der Katogorie „von aussen schön, von innen scheiße“. In Andijon wollte ich meine kostbare Zeit nicht länger vergeuden und so ging es am Montagmorgen superschnell (70 Kilometer in 45 Minuten!!!) von Andijon nach Fergana.

In Fergana habe ich mich bei einer russischen Familie (steht im Lonely Planet) einquartiert. Eine gute Douche – ein gutes Bad, welch ein Segen! Aber Fergana dient nur zur Übernachtung, denn mein Hauptziel hier war die Seidefabrik in Margilon. Im erstickend heissen Marschrutka ging es nach Margilon, dass nur wenige Kilometer nördlich von Fergana liegt. Die Stadt ist zwar uralt, man sieht es aber nicht. Das Fergana Tal wurde öfters von Erdbeben und Erobern heimgesucht und „alte Materie“ sucht man hier in den Städten häufig vergebens. Vieles liegt –wie ich über Karshi bereits schrieb- im Museum oder noch im Boden.

Die Fabrik hatte ich schnell gefunden. Es werden kostenlose Führungen in mehreren Sprachen angeboten. Da es bereits eine Gruppe weiblicher Textilprofessoren (!) aus Amerika (und eine Frau aus Antwerpen, Belgien) gab, wurde ich einfach der Gruppe eingegliedert. Diese Frauen waren aber richtige Freaks und wollten vom Dolmetscher alle Einzelheiten wissen. Als ich ihm sagte, dass ich hauptsächlich an schöne Bilder interessiert bin (ich hatte die wichtigsten Stadien der Seidenherstellung bereits gesehen), ging es auf eigene Faust weiter. Selten habe ich dabei so viel Spaß gehabt wie heute. Denn trotz ur- und uralter Maschinen (diese stammen zum Teil noch aus der Zeit vorm ersten Weltkrieg und sind teils deutsche Maschinen!) haben die Frauen in der Fabrik SPAß! Viele tanzten und sangen in den Pausen. Bei der Weberei musste ich zuerst mit 5 oder 6 hübschen jungen Frauen tanzen, bevor ich fotografieren durfte. Und die Mädels hatten richtig, richtig Spaß! Nicht nur an der Arbeit, sondern auch an dem komischen Typen aus Europa.

Auch in der Halle, wo Seide maschinell hergestellt wird, wurde viel und oft gelacht. Zuerst musste ich Tee trinken, dann alle Frauen fotografieren. Dann wurde ich mit einem jungen Buben (etwa 4 Jahre), ein Stockwerk höher geschickt, auch da freute man sich über den Fotografen.

Während der Führung waren einige Hallen ohne Arbeiter. Darum bin ich zurück gegangen und hatte Glück: ich konnte schon im Bild festhalten, wie die Kokone gekocht werden (dass stinkt übrigens …). Und wer mit der Kuh aus Osh mitleid hatte, der soll bitte mal das Kochen der Kokone (mit den noch lebenden Seideraupen) erleben. Die kokone springen im kochenden Wasser herum. Auch das färben der Seide wollte ich noch mit Mitarbeitern fotografieren. Wiederum hatte ich Glück, zwei Männer waren gerade dabei, frische Seide in kochenden Kesseln zu färben. Dies ist die einzige Aufgabe (bis auf die Wartung der Maschinen sowie die Aufsicht), die von Männern erledigt wird. Es ist aber auch eine langweilige und anstrengende Aufgabe. Nachdem ich den gesamten Prozess fotografiert hatte, wollte ich zurück zu den tanzenden Tapetenweberinnen, denn ich war mit den Bildern nicht zu frieden. Die Frauen wollten alles (einschließlich heiraten, glaube ich), nur nicht an den Webstühlen fotografiert werden. Wieder wurde getanzt, gesungen und viel gelacht. Es war die einzige Halle, wo ich fotografisch nicht richtig zum Zug kam.

Anschließend habe ich noch eine Moschee besucht, die für ihre typische Holzschnitte, wofür diese Gegend bekannt ist, besucht. Auch eine kleine, private Seidenfabrik habe ich noch besucht, aber die war bei weitem nicht so interessant wie die Yodgorlik Silk Factory.

Am Abend habe ich noch einen Spaziergang durch Fergana gemacht. Die Stadt erinnert mich stark an Dushanbe, sie ist grün, angenehm und die Menschen sind wie immer super freundlich. Ich habe das Gefühl, dass man hier noch viel mehr machen kann, aber leider fehlt mir die Zeit. In genau einer Woche werde ich wieder für 60 Stunden die Woche eingesperrt sein (man nennt das auch Arbeiten …) – ich will daran lieber nicht denken, sondern die letzten schönen Tage meiner Reise geniessen! Denn selten habe ich mich so wohl gefühlt, wie in diesen Wochen in Zentral Asien. Einfach nur Reisen, Fotografieren und Schreiben …

Anmerkung: Bilder folgen spaeter, die Internetverbindung hier in Kokand ist katastrophal …

Die Kokons werden gekocht und daraus wird die rauhe Seide gewonnen (links ein wenig zu sehen)

Die Seide wird gefaerbt

In der Seideweberei

Ein Teil der Produktion erfolgt per Hand (dies sind die teuersten Werke)

Und auf diesen uralten Maschinen wird Seide maschinell hergestellt (sehr laut!!!)

Teepause, voruebergehend wird der Maschinenlaerm durch lautes Lachen ersetzt

Zwei der Seidenweberinnen (hier wegen Foto ganz kurz ruhig … )

Das Bild vom Fleischer im vorigen Beitrag habe ich nicht ohne Grund gezeigt. Denn am Dienstag, den 6. Mai hatte es nun auch mich erwischt: Magen-Darm Infekt. Kein Reisender in dieser Gegend bleibt verschont, so habe ich den Eindruck. Und nun war ich also dran. Nichtdestotrotz die Reise nach Dushanbe angefangen, auch wenn ich alles ausser fitt war. Mit den ersten Taxifahrer in Richtung Grenze bekamen wir noch in der Stadt Ärger, er wollte mehr Geld haben. Er hatte Pech, denn ich war relativ schlecht drauf und habe ihn zum Markt zurückgeflucht. Dort wurden wir sofort von mehreren Dutzenden von Taxifahrern umringt, die aber alle den gleichen Preis haben wollten. Da hatte ich in Tortkol mehr Glück, denn dort erzählte ein kleiner Junge, was die Marschrutkas kosten und somit konnten meine tschechischen Freunde für das Taxi Tortkol – Urgench den Preis einer Marschrutka-Fahrt bedingen.

Auch wir kamen von Denau im Marschrutka weg. Wie immer wurde der Preis von vornerein ausgehandelt und festgelegt. Aber wir waren nun doch endlich auf dem Wege zur Grenze. Unterwegs stieg der berühmte Bruder ein, der auch mit zur Grenze fuhr. Unterwegs fürchtetet Rutger schon, dass wir auch die anderen, leeren Sitzen bezahlen müssten. Und er sollte recht bekommen. Ihm bereitete ausserdem Sorgen, dass die Fahrt zur Grenze viel länger dauerte als angenommen. Sowohl er als ich dachten, es seien von Denau bis zur Grenze 20 Kilometer, es waren aber viel mehr. Deshalb haben wir unseren Marschrutka angehalten und nochmals gefragt, ob wir auf dem Wegen zur richtigen Grenzstelle sind. Gerade da zeigte sich, dass wir uns direkt an der Grenze befanden. Nachdem wir gezahlt hatten (und wir mussten also das doppelte Zahlen als ausgehandelt, da es 3 leere Plätze gab) ging es zu Fuß weiter zur Grenze.

Die Grenze war erstaunlich ruhig. Auch hier weit und breit keine Touristen, die kommen hier nur vereinzelt. Das hatte den Vorteil, das wir immer wieder schnell ins Auge gefasst wurden und somit schnell über die Grenze kamen. Auf der usbekischen Seite half ein zivil gekleideter taub-stummer Mann den Grenzbeamten. Der gab eine Show vom Feinsten zum Besten! Ausserdem konnten wir durch mime erstaunlich gut mit ihm kommunizieren. Bei hübschen Mädchen (er hatte uns bereits gefragt, ob wir verheiratet seien), war er einfach super frech! Er zeigte deutlich, ob sie hübsch waren oder ob nicht, und wenn sie hübsch waren … na, die Gebärden kann ein jeder sich wohl denken.

Mich viel, trotz fieber, auf, wie rau der Umgang mit den örtlichen Bewohnern war. Manch eine (es waren fast nur Frauen, die die Grenze überquerten) wurde barsch zurück geschickt. Uns gegenüber war man freundlich und neugierig. Das Ausreiseverfahren ging schnell und umkompliziert. Rutger war dabei immer positiv und optimistisch, er hat dafür auch genug Reiseerfahrung um sowas einschätzen zu können. Seine Einstellung machte es für mich viel erträglicher diese –wenn auch kurze- Reise zu machen. Alleine wäre ich bestimmt noch einen Tag in Denau geblieben.

Zu Fuß ging es weiter zur Einreise in Tajikistan. Auch hier ging alles schnell und wir wurden als ausländische Touristen an die wartenden vorbei geschickt. Wir wurden an einen Grenzbeamten verwiesen, der in aller Ruhe „America’s funniest home videos“ im Fernsehen guckte. Das die Atmosphere dementsprechend entspannt war, versteht sich. Nachdem der Einreisestemple im Pass stand, gab es noch eine weitere Kontrolle (Gepäck), der aber sehr locker war. Und dann waren wir in Tajikistan!

Für $ 20 fanden wir schnell ein Daewoo Nexia, der uns nach Dushanbe brachte. Da ich mich nicht wohl fühlte, wollte ich nicht im kleinen Lada die 66 Kilometer zurücklegen. Was sofort auffiel: das Land ist viel grüner als Usbekistan! Dazu ein strahlend blauer Himmel und im Hintergrund die ersten 3000’er Bergen (das eigentliche Hissargebirge). Der Anfang konnte nicht schöner sein. Schon an der Grenze hatten wir viele Hammer und Sichel gesehen. Unterwegs kamen dazu noch viele tajikische Fahnen. Das Land ist eine bunte Mischung aus alt (= sozialistisch) und neu. Es sieht wohl so aus, als können man sich nicht von der Sovjet Ära verabschieden. Die Polizeimützen sind hier auch noch nach Sovjetmuster (= groß!) gemacht.

In Dushanbe haben wir uns im gleichnahmigen Hotel eingecheckt. Das war etwas kompliziert, denn ich wollte unbedingt ein Zimmer für mich selber haben. Nach ein wenig hin und her bekamen wir es aber genau so, wie wir es gerne haben wollten. Die Frau an der Rezeption (über die ich im Internet gelesen hatte), ist aber wirklich fabelhaft hilfreich und bleibt immer freundlich! Die Jungs machten sich vom Acker, ich habe mich dann schlafen gelegt. Dieser Tag war für mich gelaufen, ich war leer und KO. Ich denke, dass mein Reisetempo (zu hoch) und die Temperaturen (auch hoch, heute waren es hier weit über 35 °C) auch einiges dazu beigetragen haben.

Nach 20 Stunden Schlaf fühlte ich mich heute, Mittwoch, den 7. Mai, schon deutlich besser als gestern. Der Darmtrakt ist zwar immer noch etwas unruhig, aber ich war wieder auf Achse, sei es mit halber Geschwindigkeit. Am Flughafen wollte ich mir das Ticket für Samstag (nach Khorog) besorgen, aber die werden erst am Vortag verkauft. Danach bin ich in aller Ruhe durch die Stadt geschlendert. Die ist herrlich grün, hat viele große Bäume (das sieht man in Usbekistan so gut wie nicht). Sie hat aber keine richtige Altstadt. Dushanbe (Betonung übrigens auf die letzte Silbe!) war bis vor 80 Jahren nur ein armes Dorf, wurde dann aber Dank Stalin plötzlich zur Hauptstadt. Somit ist sie nicht hübsch, brummt aber vor Aktivitäten. Die Menschen hier sind dazu kunterbunt. Mal fühlt man sich wie in Pakistan (Kopftücher) , dann wie in Moskau (Minirock), dann irgenwo auf dem Land (traditionelle Kleidung). Heute habe ich mit einem afghanischen Flüchtling gegessen (ich hatte wieder Hunger!). Davon gibt es hier viele. Langsam verstehe ich auch, warum man hier so viele UN und andere NGO Fahrzeuge sieht. A propos Autos. War Usbekistan deutlich Lada und Daewoo Land, hier sind man überraschend viele Opels und andere europäische Autos. Und dass, obwohl dieses Land das ärmste der GUS Staaten ist. Ich schätze, dass das durchschnittliche Monatseinkommen hier gerade mal $ 50 beträgt (Usbekistan: $ 100). Man spürt übrigens, dass die Stadt dem 9. Mai (Nationalfeiertag) entgegenfiebert. Überall hangen große Plakate, die auf 63 Jahr Freiheit hinweisen, dazu sieht man oft dekorierte Veteranen rumlaufen. Ich habe mich deshalb dafür entschieden, den 9. Mai wegen der Parade in Dushanbe zu verbringen. Am Samstag geht es dann (hoffentlich) per Flieger weiter nach Khorog.

Blick auf die Berge (vom Hotel aus fotografiert)

Was haben Reichstag und in China hergestellte Schuhe mit einander zu tun ???

Das Kriegsdenkmal (aber man fahrt sehr gerne Mercedes und Opel)

Auch einige Schulen werden fuer den 9. Mai geschmuckt

In Tajikistan noch all gegenwaertig: Hammer und Sichel

Neue Denkmaeler mit neuen Nationalhelden fuer ein armes Land

Mein Research und mein selbstgebastelter Stadtplan zeigten am Morgen unserer Abfahrt aus Karshi ihre Nutzen. Schnell wurde wir vom Taxifahrer beim richtigen Busbahnhof abgeliefert und in wenigen Minuten hatten wir ein shared taxi nach Denau gefunden. Das Taxi kostete insgesamt $ 60, dies wird normalerweise von 4 Reisenden bezahlt. Damit wir allerdings das Taxi für uns dreien hatten, bezahlten wir auch den vierten Platz. Ausserdem konnten wir in Som zahlen, was noch etwas günstiger war.

Kaum hat man Karshi verlassen und man erreicht den Ausläufer vom Hissar-Gebirge. Herrlich, um nach 2 Wochen flaches, dürres Land endlich entlang grünen Bergwiesen zu fahren. Die Landschaft wurde immer schöner und wilder. Zum Glück war die Straße wirklich im topp Zustand, dadurch kamen wir gut voran. Leider hatten wir unterwegs ein wenig Regen, dadurch haben wir die „Iron Gates“ verpasst (altes Denkmal). Dafür bekam ich allerdings eine große Überraschung. Es wurde eine neue Bahnstrecke von Karshi nach Termez gebaut (gerade erst fertig gestellt). Mitten im Gebirge steht auf dem Zipfel eines Berges eine kleine Dampflok als Denkmal. Keine Angst, ich schreiben nach Rückkehr einen Sondernbeitrag in einem Eisenbahnforum über die Bahnstrecke (die übrigens genau so spektakulär ist als manche Bahnstrecke in der Schweiz!!).

In gut drei Stunden hatten wir Denau erreicht, ich hatte nicht damit gerechnet so schnell da zu sein. Die Stadt fand ich auf Anhieb interessant. Am westlichen Stadtrand wurden wir aus dem Taxi rausgesetzt. Mit einem anderen Taxi ging es weiter auf der Suche nach einem Hotel. Der wurde, trotz Kommunkationsschwierigkeiten schnell gefunden. Was für ein Hotel! Wie aus einem Kustorica Film! Das Hotel war ausserdem spott billig, wir zahlten 10.000 Som pro Nase, dass sind etwa 5 euro. Dazu hatten wir das Glück, ein eigens Badezimmer zu haben. Nicht, dass alles da funktionierte, es war aber gerade ein gaaaanz klein wenig besser als die „shard bathrooms“. Na gut, für 5 euro sollte man seine Ansprüche vielleicht nach unten korrigieren …

Dann ging es ab in die Stadt, denn Denau hat einen schönen und sehr großen Bazar. Und da wollte ich in aller Ruhe mal umherlaufen und fotografieren. Da Denau eine Grenzstadt ist, kommen hier auch viele Tajiken von „drüben“. Die Usbeken die hier wohnen sind bis auf wenige Ausnahmen etnisch auber auch Tajiken. Das ist hier in dieser Gegend sehr kompliziert, was wir Stalin zu verdanken haben. Der wollte keine etnisch homogene Länder und hat die Grenzen deshalb mit absicht so gezogen, dass es überall Minderkeiten gibt. Etnisch gesehen leben die Tajiken, ausser in Tajikistan, auch in Usbekistan (ganz viele, Samarkand und Bukhara sind historisch tajikische Städte), Afghanistan, Kyrgystan und sogar in China. Das gleiche gilt natürlich auch für Usbeken und Kyrgysen, die man auch in Tajikistan findet.

Der Bazar war ein Traum. Hier gibt es wirklich kaum oder vielleicht gar keine Touristen. Somit waren wir drei Weißhäute die große Attraktion. Menno und Rutger hatte ich bereits gesagt, nicht auf mich zu warten, da ich mir Zeit zum fotografieren nehme. Und Kinders, war dieser Markt fotogen! Plötzlich wurde ich in ein Hinterhof geführt. Zuerst sah ich im dunklen Schuppen nichts, dann entdeckte ich einen Töpfer. Es zeigte sich, dass dies ein kleines Museum war, wo nach alter traditioneller Art Keramik hergestellt wird. Das Museum wird von der schweizerischen Botschaft in Tashkent finanziert. Nach einer Führung durch das mini Museum wurde ich zum Essen eingeladen. Im zweiten Innenhof wurden Salate, frittierte Kartoffel, frische Erdberen und natürlich Tee serviert. Ein örtlicher Polizist kam zufälligerweise vorbei und so wurde das Essen ein fröhliches interkulturelles Ereignis. Da der Polizist im Dienst war, durfte ich ihn leider nicht fotografieren. Schade, denn es sah so schön aus, wie er es sich auf dem Teppich mit dem leckeren Essen bequem gemacht hatte! Nach dem Essen bekam ich noch einen Kerzenuntersatz geschenkt und dann ging es zurück zum Markt. Dort wurde ich ständig zum Tee trinken eingeladen, was ich –auch wenn man damit gegen die hiesigen Richtlinien der Höflichkeit und Gastfreundlichkeit verstößt- abgelehnt habe. Sonst wäre ich nie vom Markt weggekommen, ausserdem hatte ich schon reichlich Tee gehabt.

Den Nachmittag habe ich für einen ausführlichen Spaziergang durch das Städtchen benutzt. Nach 17:00 wurden alle Ziegen, Schafe und Kühe zu den Häusern zurück geführt, was zu einem interessanten Straßenbild führte. Auch hier wurde ich unterwegs zum Tee trinken eingeladen und lernte dabei zufälligerweise den Bruder vom Hotelinhaber kennen.

Abends mit Menno und Rutger noch mal Shashlik gegessen. In dieser Gaststätte war ich wegen meines Namens (man dachte, ich hiesse „Cha“, was auf usbekisch „ja“ bedeutet) der Mittelpunkt aller Aufmerksamkeit. Im Hotel noch ein „Kehlsänger“ kennengelernt, der sich selber auf seiner zwei saitigen Gitarre begleitete und singend die bizarren Obertöne zum klingen brachte. Nicht schön, dafür faszinierend. So ging ein wunderschöner Tag zu Ende!

Die kleine Denkmallok in den Bergen

Fotostop in den Bergen, die Strasse ist wenig befahren

Auf dem Bazar von Denau (Денов)

Der Toepfer

Die Familie, wo ich zum Essen eingeladen wurde (der Chef der Toepferwerkstatt)

Lecker Fleisch!

Überall in der Stadt hangen große Plakate: Karshi, die 2700 Jahr alte Stadt. Hier gab es alles, von Arabern, Chinesen, Mongolen (Dzenghis Khan!), Amur Timur (Timerlane), Buddhisten, Feuerpriester (Zoroastroism oder so ähnlich). Die Altstadt gibt aber nicht viel her. Ich entdecke aber ausser den bereits erwähnten 4 Medressen durch Zufall ein altes Badhaus (Hammom). Die Medressen sind traurig, kommen heute doch kaum noch welche Touristen nach Karshi. Aus einer gerade 40 Quadratmeter großen Medresse, einer der beiden Museen in der „Altstadt“ (die aber keine mehr ist), komme ich nicht weg. Ich muss alles sehen. Von den Urlaubsbildern der Museumsfamilie bis hin zu 3 niederländischen Kinderbüchern, die es im Museum gibt. Wo aber finde ich die Altstadt? Wo sind die geheimnisvollen Gäßchen? Wo finde ich die 2700 Jahre Geschichte dieser einst oh so wichtigen Stadt (der zweit wichtigste Stadt im Khanat Bukhara). Vieles liegt im Museum im Tashkent, vieles einfach noch im Boden, und vieles findet man an archäologischen Stellen ausserhalb der Stadt.

Auch der Bazar hat mir leider nicht viel zu bieten, zwar sind die Leute neugierig, aber alles ist hier neu. Wie in der ganzen Stadt. Die Stadt lebt wortwörtlich nach einer Aussprache für diese Stadt (in einem Buch im Hotel gelesen): „More beauty every day“. Altes gibt es hier nichts, aber auch wirklicht nichts. Dafür viele Raffinerien und Armeebasen (es gibt hier anscheinend auch ein US Stutzpunkt). Am Bazar esse ich irgendwelche getrocknete Blumen, die ein alter Mann verkauft. Sie schmecken gar nicht schlecht. Er möchte die Bilder haben, die ich von ihm gemacht hatte und schenkt mir dazu eine Kopie seines Ausweises … Postleitzahl oder Hausnummer kennt er nicht.

In Karhsi ist also ein Plan B gefragt. Und der Plan ist schnell gefunden. Die Stadt hat immernoch einen sehr stark sozialistisch-russisch geprägten Still. Also nichts wie los und das alles im Bilde festhalten! Fröhlich fahre ich in der gleißenden Hitze per Marschrutka hin und her. Mittlerweile macht es spaß, die Fahrer zu fragen, ob ich bei Linie 17 oder 23 sein muss. Es gibt aber vorerst noch ein wirkliches Problem zu lösen. Ich brauche nämlich keinen Reiseführer, ich brauche bloß einen Stadtplan. Da Karshi 10 Touristen pro Jahr sieht, lohnt es sich nicht, Stadtpläne zu drucken. Auch nach intensivstem Suchen (ich war sogar bei einem Verleger) kam ich zum Schluß: es gibt keinen Stadtplan. Darum selber einen gebastelt und immer wieder Leute um ergänzende Infos gebeten (wo ist das Kriegsdenkmal, wo der Busbahnhof für Busse und Taxis nach Termez usw). Mit diesem meinem eigenen Stadtplan komme ich ganz gut zurecht.

Ich fotografiere ein großes, bronzernes Denkmal. Zuerst pfeift die Sicherheitstruppe mich weg, wenn ich aber klar mache, dass ich bloß das Denkmal fotografiere, ist alles in Ordnung. Man sieht als Ausländer nicht gut, welche Gebäude der Polizei oder Sicherheitsdienste gehören, was es hier etwas schwieriger macht, frei zu fotografieren. Mittlerweile störe ich mich daran nicht länger und fotografiere wo ich will. Es gibt aber keine Probleme. Nur bei Armeegebäuden bin ich sehr vorsichtig, diese sind aber eindeutig gekennzeichnet.

Nun galt es, das gigantische Kriegsdenkmal zu finden. Laut Reiseführer noch mit Rotem Stern. Leider hat sich in 4 Jahr viel geändert und den Roten Stern gibt es nicht mehr. Auch die kleinen Denkmäler (für die Schlachten bei Stalingrad, Wolgograd usw.) sind verschwunden, nur die Sockel stehen noch da. Sehr schön sind dafür die bunten Fenster, die ich ausgiebig fotografiere. Und ich gehe auf die Aussichtsplatform, die mir eine gute Aussicht über die Stadt bietet. Ich entdecke dort noch eine Moschee und lauf dort vorbei. Unterwegs kriege ich wieder die Himbeer ähnliche, weisse und honigsüßen Früchte angeboten.

Diesen Tag lasse ich etwas früher zu Ende gehen. Ich trinke am Nachmittag im Hotel ein Bierchen und lege mich schlafen. Um 18:00 werde ich geweckt, Rutger und Menno sind da. Sie waren bereits um 13:00 in Karshi angekommen und hatten eine sehr gute Fahrt von Samarkand gehabt. Wir essen in der Nähe vom Hotel für wenig Geld Hänchenkeule. Da Menno leider nicht ganz fitt ist, machen wir es nicht spät. Denn schließlich geht es am nächsten Tag in aller früh nach Denau!

Karshi war sicherlich nicht Höhepunkt dieser Reise, aber die Zugfahrt und die sozialistische Stadt mit ihren breiten Alleen, Denkmälern und großen Parks waren ganz OK.

Baumwolle

Freizeitpark im Zentrum von Karshi (mit Flugzeug):

Das bronzerne Denkmal

Im Kriegsdenkmal: schoene Fenster

Samstag, der 3. Mai. Morgensfrüh habe ich in Bukhara noch ein wenig Zeit, denn mein Zug fährt erst um 13.30. Ich weiss aber, dass ich rechtzeitig am Bahnhof sein muss. Nicht nur, um mir irgendwie eine Fahrkarte zu besorgen, sondern auch, weil die Züge schon lange Zeit vor der Abfahrt proppevoll sind. Im Hostel warte ich noch auf den Chef, da ich noch ein paar Dollar von ihm zurück haben möchte. Er ist aber plötzlich „verschwunden“. Ach, diese paar Dollar, darauf kommt es auch nicht an.

Ich verlasse Bukhara mit dem Gefühl, hier nie wieder zu kommen. Die Stadt war net, aber sicherlich nicht aufregend. In 20 Minuten bin ich in Kogon (auch Kagan geschrieben) am Bahnhof und bekomme diesmal am Schalter eine Fahrkarte für 1100 Som (das sind umgerechnet weniger als EUR 0,50), für eine Fahrt von etwa 4 Stunden. Eine halbe Stunde vor Abfahrt gehe ich zum Zug, der wirklich schon komplett voll ist. Eine Familie ruft mich und ich bekomme einen Sitzplatz am Fenster. Die Geschichte dieser Familie verstehe ich nicht ganz. Der Mann geht, wie so viele andere, auch nach Russland (Tomsk), um dort zu arbeiten. Er wohnt aber in Bukhara und verreist mit seiner Frau und 4 hübschen Töchterlein nach Karshi. Warum sie aber nach Karshi fahren, kriege ich nicht raus.

Im Zug ist es glühend heiß, alle schwitzen, auch die Einheimischen. Erst wenn der Zug sich in Bewegung setzt, kommt endlich etwas frische Luft. Unsere Diesellok qualmt wie eine Dampflokomotive, ich bin begeistert über den Lärm dieser riesen Loks. Unterwegs sehe ich Dromedare, die offensichtlich auf eigene Faust durch die Wüste spazieren.

Im Zug verreist diesmal eindeutig die usbekische Unterschicht. Die allerarmsten schlafen auf dem Boden bei den Türen. Die etnische Vielfalt ist erstaunlich, leider kann ich sie nicht im geringsten unterscheiden. Die kleinste Tochter meiner Familie ist gerade fünf Monate alt und hat Magenschmerzen. Die kleine wird von der Mutter im Abteil gestillt, was offensichtlich ganz normal ist. Das Baby kriegt zerbröckelte Pillen, die mit Muttermilch verdünnt werden. Ich komme nicht aus dem Staunen heraus. Die drei anderen Töchter (etwa 4, 6 und 8 Jahre alt) sind ganz neugierig, dürfen von den Eltern aber nichts. Nicht mal mein Reiseführer, der auf dem Tisch liegt, dürfen sie anfassen, bis ich es ausdrücklich erlaube. Mal sind die Eltern zu ihren 3 Töchtern ganz lieb, dann werden sie aber wieder getreten und geschlagen. Vor allem, als eine Tochter aus Versehen ein wenig kalten Tee kleckert, gibt es reichlich prügel. Man will sich vor dem westlichen Gast offensichtlich als tüchtige Eltern zeigen, was bei mir aber genau den Gegenteil bewirkt. Die 3 Mädchen tragen alle die gleichen Kleider, von denen ich vermute, dass die Muter sie selber genäht hat. Im Zug wird ein für allemal wieder klar, dass in den traditionellen Familien die Frauen nur 3 Aufgaben haben: putzen, Kinder gebären und kochen. Die Männer zeigen sich gerne als der Herrscher der Familie, sind oft kleine Despote. Nichtdestotrotz sieht man häufig Väter, die ganz liebevoll mit ihren Kindern umgehen. Zwischen Verheirateten habe ich aber bislang nicht einmal öffentliche Zärtlichkeit oder Zuneigung gesehen (bei Pärchen schon). Auch mit anderen Reisenden hatte ich mich schon über dieses Thema unterhalten. Hoffentlich geht es zwischen den heimischen 4 Wänden zärtlicher zu als im öffentlichen Leben.

Unterwegs steigen unmengen an neue Reisenden ein, der Zug platzt aus allen Nähten. Da auch dieser Zug zum Teil aus Platzkartny = Liegeplätzen besteht, liegen auch viele Reisende auf den oberen Betten und schlafen. Es ist das Beste, was man bei dieser Hitze tun kann.

Die Atmosphere im Zug finde ich hochinteressant, möchte aber nicht fotografieren. So manches kann man einfach nicht in Bildern fassen, sondern kann man nur erleben. So auch diese Zugfahrt.

Mit ein wenig Verspätung treffe ich um 17:30 in Karshi ein. Ich habe keinen Stadtplan und bloß eine ganz grobe Beschreibung im zweiten Reiseführer. Ich fahre auf gut Glück mit Marschrutka in die Altstadt, finde aber bis auf 4 Medressen eine leere Fläche vor. Sofort werde ich angesprochen und plötzlich habe ich eine, ein paar Brocken Englisch sprechende, Frau am Telefon. Da mir das nicht weiter bringt, lasse ich mich im Taxi zum Hotel Tong fahren, dass „beste ex-kommunistische Hotel der Stadt“. Da ich wie immer als Einzelreisender 2 Betten zahlen muss, bestehe ich darauf, den Zimmerpreis runter zu kriegen. USD 40 sind mir für diese Bude (pro Nacht) zu viel. Die Dame an der Rezeption kriege ich so weit, zu glauben, ich sei Student und kann mir die USD 40 pro Nacht nicht leisten. Darauf ruft sie den Direktor an, der den Rabatt ausnahmsweise genehmigt.

Nach dem x-ten Schashlik dieser Reise leiste ich mich noch ein Bier und lege mich früh schlafen. Die anstrengende Fahrt und viel mehr noch, die vielen intensiven Eindrücke der letzten Zeit besorgen mir einen tiefen, tiefen Schlaf. Ich habe es nun aber bereits bis Karshi geschafft!

Die Stadt gefiel mir vom ersten Augenblick an nicht. Es gibt auch hier viele schoene Gebaeude, unzaehlige Medressen und Moscheen, dafuer aber zu viele Touristen. Das alte Zentrum ist ausserdem sehr kommerziell (und aufdringlich). Darum habe ich die standard Bilder im Zentrum gemacht und bin danach dort nicht mehr gewesen.l

Gestern (Freitag, den 2. Mai) habe ich einen Ausflug per Bahn gemacht. Das war ein interessantes Erlebnis. Am Bahnhof von Bukhara (der eigentlich in Kogon liegt, etwa 15 Kilometer oestlich von Bukhara) hatte ich zum ersten Male ein wenig Aerger wegen fotografieren. Ich musste aber keine Bilder loeschen. Dann ging es um 07.20 (ja, fuer mich viel zu frueh) los. Dritte Klasse, Holzbaenke und einen Haufen neugieriger Leute. Ein Auslaender in der Holzklasse sieht man hier nicht jeden Tag.  Dieser Zug fuhr bis Alat, wo ich mich kurz haette umschauen wollen. Aber es kam anders. Da nicht alle Bahnhoefe ordentlich ausgeschildert sind und die Namen nicht gerufen werden, verpasste ich Alat. stattdessen stand ich ploetzlich an der Grenze mit Turkmenistan. Als ich am Bahnsteig in aller Ruhe eine Zigarette rauchte, wurde ich sofort von Grenzbeamten mit zum Chef gebracht. Nach einer freundlich-distantzierten Befragung von etwa 10 Minuten durfte ich zum Zug zurueck gehen.

Auf der Rueckfahrt fuhr ich im Platzkartny Abteil. Das sind Liegewagen, die Platz bieten an 81 Menschen. Diese Fahrt wurde eine sehr lustige. Mit Haenden und Fuessen und viel Improvisation habe ich mehrere Stunden geplaudert. Es wurde wieder viel Tee getrunken und am Ende musste ich Bilder machen. Hier wurde zum ersten Male klar gemacht, dass es kein Problem waere, zuerst mit 2 Frauen etwas zu essen und uns danach zu „erholen“. Da muss meine micht-existierende Partnerin aus Amsterdam immer herhalten. Alles schoen und gut, die Ehrensache wird hier immer noch gross geschrieben.

In welcher Grossstadt (und das ist Bukhara) wird man morgens frueh um 6 Uhr von einem kraehenden Hahn geweckt? Und in welcher Grossstadt sieht man so viele Esel? Das gibt es wirklich alles hier in Bukhara. Man findet auch haeufig Kuehe, Schafe und Ziegen mitten in der Altstadt. Auch hier ist fliessendes Wasser ein Problem. Vielleicht, dass auch deshalb die Feuerwehr erst nach 2 Stunden auftauchte, als bei mir um die Ecke ein Gebaeude in Flammen stand (dadurch hatten wir einen Tag keine Gas und Strom …).

Nichtdestotrotz bin ich auch hier vielen interessanten Menschen begegnet, und auch fotografisch hat sich Bukhara gelohnt. In 2 Stunden fahre ich per Bahn (ja, wieder Holzklasse, vermute ich) nach Qarshi. Dort treffe ich mit Rutger und Menno aus Groningen, die ich bereits hier in Bukhara kennengelernt habe. Zu dritt fahren wir dan ueber Denau (Grenzstadt) weiter nach Dushanbe. Die beiden fliegen von Dushanbe aus zurueck in die Heimat.

In den naechsten Tagen wird es vermutlich keine neuen Beitraege hier geben. Ich hoffe, am 6. oder 7. Mai in Dushanbe dafuer wieder Zeit und Moeglichkeit zu haben. Nun geht es nach Qarshi!

Dienstagmorgen, den 29. April. Im Hostel in Khiva frühstücke ich mit 2 älteren, vermutlich pensionierten, Deutschen aus Kölln. Bereiste Leute, mit denen ich mich gerne unterhalte. Auch sie reisen auf eigene Faust – respekt! Wenn Sie dies durch Zufall lesen: liebe Grüße an Euch in Kölln! Ich denke gerne an unseren netten und interessanten Gesprächen zurück!

Heute steht eine etwas kompliziertere Reise an. Der Plan: von Khiva nach Urgench mit Sammeltaxi oder Marschrutka. Dort weiter zum Busbahnhof. Da entweder Bus oder Sammeltaxi nach Bukhara organisieren. Am nördlichen Stadttor finde ich schnell ein Taxi. Da ich der erste Reisende bin, muss ich Geduld haben. Das Taxi fährt entweder wenn ich denn vollen Betrag zahle (= für 4 Reisende), oder wenn sich noch 3 andere Reisende finden. Deshalb auch der Begriff „Sammeltaxi“. Wir fahren mit nur einer anderen Person weg, aber holen unterwegs noch einige andere Reisenden ab. Unterwegs fragt der Fahrer mich, ob ich nach Bukhara fahre (sie kennen die Touristen natürlich gut). Dann macht er klar, dass „sein Bruder“ auch Taxifahrer ist und nur Urgench – Bukhara fährt. Wir verhandeln über den Preis und einigen uns auf 30 USD für die gesamte Strecke von Khiva bisnach Bukhara. Ich werde beim Haus vom Bruder abgesetzt, irgendwie muss er durch Zeichensprache (denn Handy hat er unterwegs nicht benutzt) über Kollegen bereits angedeutet haben, dass er „eine Fracht für Bukhara“ hat.

Dann geht es los. Wir sind zu fünft, der Fahrer inklusive. Ich sitze eingepfercht zwischen 2 Usbeken, die beide breitbeinig links und rechts von mir sitzen. Ich habe kein Wasser bei. Ich hoffe, das die Fahrt wirklich nur 4 Stunden dauert, wie andere Reisende berichtet haben. Der Anfang der Strecke ist noch grün. Wir sehen schon die ersten grünen Weizenfelder, die Baumwollenpflanzen sind gerade vor einer Woche gesäht worden. Wenn wir einen kleinen Kanal überqueren, fängt auf ein Mal, für mich unerwartet, die Wüste an.

Die Männer fangen das übliche „Ausländer ausfragen“ Spielchen an. Der Beifahrer sieht unangenehm aus. Häßliche Zähne, redet sehr laut, nein, er brüllt seine Worte ins Auto. Da er lange Monologe über Amir Timur, Dzengis Khan und die Kyzylkumwüste führt, und da er ein sehr düsteres Aussehen hat (trotz weisser Kleidung) benenne ich ihn im Gedanken zum Moslimterroristen. Ich weiss, das ist nicht nett von mir. Ich hoffe immer noch, dass die Fahrt nur 4 Stunden dauern wird.

Ich habe kein Wasser und es ist warm. Ich habe die Hoffnung noch nicht aufgegeben, dass die Fahrt nur 4 Stunden dauern wird. Dann halten wir an und kaufen das begehrteste Gut der Wüste: WASSER! Und es ist eis- und eiskalt. Ich lerne die russischen Wörter für kalt und warm und habe sie in der Hitze nach 2 Minuten wieder vergessen.

Die Straße ist ruhig. Was sage ich? Straße? Es gibt auf der insgesamt 500 Kilometer langen Strecke einige Abschnitte die gerade neu asfaltiert worden sind. Da kommen wir gut voran. Abgesehen von einigen Eseln, Kühen und Schafen, die wie versteinert mitten auf der Straße stehen bleiben. An vielen Stellen wird gearbeitet, die Straße braucht aber dringend eine Generalreperatur. Mal fahren wir über Schotterpisten, mal gibt es Sandverwehungen, mal denke ich, dass es die Straße überhaupt nicht mehr gibt. Und die Schlaglöcher brauche ich nicht erwähnen, die sieht man im Gedanken doch schon? Ich habe Angst um meinen Rechner, denn mein Laptop schläft, ich habe vergessen ihn auszuschalten.

Es ist nicht mehr warm im Auto, es ist kochend heiß geworden. Mein Wasser ist schon wärmer als meine Körpertemperatur. Ich schwitze und schwitze. Das Auto hat keine Klimaanlage. Ich hoffe immer noch, dass die Fahrt nur 4 Stunden dauert. Da ich keinen Bock mehr habe, dass Usbeken mit meinem Handy rumspielen, habe ich es im Gepäck eingepackt, welches im Kofferraum liegt. Deshalb weiss ich nicht, wie spät es ist. An Fotografieren denke ich nicht. Die Wüste ist ziemlich langweilig, außerdem brauchen diese Männer meine große Kamera nicht sehen.

Die Wüste ist zwar langweilig, aber nicht leer. Ich sehe verschiedene Nomaden, ein Paar kleine Siedlungen und natürlich ein paar Gaststätten. Ich komme mir vor wie in einem schlechten Roadmovie. Route 66, nun aber auf usbekisch. Meine Mitreisenden machen mir klar, dass es draussen zwischen 40 und 50 °C ist, es im Hochsommer aber locker 60 werden können. Es gibt nur wenige, sehr wenige Straßenschilder. Irgendwann sehe ich, dass Bukhara nur noch 300 und etwas Kilometer sind. Ich hoffe mittlerweile nur noch, dass das Auto nicht liegen bleibt. Mein Wasser reicht noch, aber bis Bukhara ist es noch weit.

Etwa auf der Hälfte der Strecke wird in einem Restaurant gegessen. Es ist eine einfache aber leckere Suppe. Ich esse nur mit dem Fahrer, die anderen Männer kaufen sich nur ein Brot und trinken Wasser. Man versucht mich Wodka trinken zu lassen. Das finde ich bei diesen Temperaturen eine nicht so tolle Idee. Ich trinke lieber Tee (und freue mich auf das erste Bier in Bukhara …).

Mein Moslimterrorist ist eigentlich Polizist und verdient gerade mal 100 Euro im Monat. Langsam schlafen die Reisenden ein, herrlich. Ruhe. Mir tun die Augen weh, denn die Fenster sind offen und die heiße Luft und das viele Staub eifern um die Wette, wer mehr Schäden anrichten kann. Es wird so heiß, dass ich so gar keine Lust mehr habe zu rauchen.

Unterwegs etliche Polizeikontrollen. Da wird mir klar, dass der Fahrer die Strecke oft zurücklegt. Er begrüße die meisten Polizisten (die den ganzen Tag in der gleißenden Sonne stehen!!!) per Handschlag. An diesen Kontrolpunkten gibt es immer eine Sperre, entweder Schlagbaum oder einen „rollenden Zaun“. Da ich an keiner der Kontrolpunkten „Action“ sehe, verstehe ich den Sinn und Zweck jener Roadblocks nicht.

Endlich wieder ein Straßenschild: Bukhara 244 Kilometer. Ich nehme mir vor, die nächsten Stunden nur zu denken: „Bukhara, Bier, noch 2 Stunden“. Dann aber geht es schnell. Etwa 40 Kilometer vor Bukhara wird die Landschaft wieder grün. Weißt Du, lieber Leser, wie froh man sein kann, wieder Bäume und Pflanzen und Häuser zu sehen? Nein? Dann fahre mal mit 4 Usbeken in einem Auto ohne Klimaanlage durch die Kyzylkumwüste.

Gegen 17 Uhr sind wir am Ziel. An einen Busbahnhof werden wird „entlassen“. Ich fahre im Marschrutka in Richtung Innenstadt. Ich habe keine Ahnung, wo ich bin. Der Busfahrer hält an einer Kreuzung an, deutet nach rechts und sagt etwas wie „Jabichaus“.

Ich suche wie verrückt auf der kleinen Karte, wo ich mich befinde. Viele Straßen sind hier aber umbenannt worden und Usbeken können grundsetzlich keine Karten lesen. Dann aber finde ich einen Anhaltspunkt (ein Stadion) und bin dann in wenigen Minunten in der Altstadt. Dort treffe ich sofort Sabine. Ich quartiere mich im gleichen Hostel ein. Ich dusche das Staub und der Hitze von mir und fühle mich langsam wieder ein Mensch. Den Abend verbringe ich mit Claus und Sabine – und lass es mir gut gehen. Nach drei oder vier Bier stütze ich totmüde ins Bett. Ich habe die Wüste durchquert und bin in Bukhara.

An einer der Schulen in Khiva bin ich sofort von Kindern umringt. Alle wollen fotografiert werden. Ich mache ein Paar Bilder, weil die Kinder sich immer darüber freuen, das Bild auf dem Kameradisplay zu sehen. Die meisten solcher Bilder lösche ich mittlerweile, da sie einfach langweilig sind. Ich laufe von der Schule weg und werde auf Englisch angesprochen „hello, how are you doing?“. Neben mir läuft plötzlich ein etwa 16 jähriges Mädchen. Wie immer die schwarz-weiß Schulkleidung. Und kaum 1,50 groß. Eine große Sonnebrille verdeckt ihre mandelförmige dunkle Augen. Wo ich herkomme, und wie ich heisse, und wie ich Khiva finde. Sie spricht für eine Schülerin gut Englisch. Sie heißt Jamile („Dschamila“, wie aus dem Roman). Lachend setzt sie die Sonnenbrille ab als wir an ihrem Haus angekommen sind. Wir schütteln Hände, sagen „bye bye“ und dann verschwindet sie in ihr Haus.

Am späten Nachmittag durchquere ich wieder die vorstädtischen Gäßchen, denn dort finde ich die schönsten Motive. Ich sehe, dass das Licht richtig steht, um einen Minaret schön fotografieren zu können. Als die Bilder im Kasten sind, geht eine Tür auf und … Jamila kommt in traditioneller Kleidung aus dem Haus. Da sie in dem dunkelroten Kleid hübsch aussieht, frage ich, ob ich sie fotografieren darf. Ich habe schön längst die Erfahrung gemacht, dass man hier immer erst fragen muss. Sie stimmt zu und ich fotografiere sie mit ihrer kleineren Schwester. Das sehen einige Frauen, die im Schatten auf einer Bank sitzen. Nun wollen auch sie fotografiert werden. Dann fragt Jamila mich etwas, dass ich nicht verstehe. Ihre jüngere Schwester ist clever, deutet auf meine Kamera, dann auf Jamila und dann auf mich. Jetzt verstehe ich, Jamila will mit mir aufs Foto! Jamila kriegt von einer der Frauen noch ein weinendes Kind in die Arme gedrückt. Ihre Schwester erkläre ich kurz, wie die Kamera funktioniert und mit einem Klick hat sie ein gutes Bild hingekriegt. Ich muss die Adresse aufschreiben und versprechen, die Bilder zu schicken. Mit diesem Versprechen verabschiede ich mich endgültig von Jamila, die Schöne von Khiva, und ihrer Familie.

Leider nur ein Bild, da die Internetverbindung schwach ist, Ger & Jamila

Ich sitze mit einer Flasche Sarbast Bier (schmeckt gut!) auf dem Dach meines Hostels. Ganz alleine sitze ich da und geniesse die zurückgekehrte Stille. Nur der nie fertiggestellte Minaret wird angestrahlt, ansonsten ist die Altstadt stock und stock finster. Die Aussicht vom Dach ist atemberaubend schön, rings um mich herum die alte Stadtmauer, die vollständig aus Leem gebaut wurde (sowie die meisten Häuser in Khiva). Über mir ein freudenstrahlender Sternenhimmel, schöner als man es je an einer Decke anmalen könnte. Ich sitze auf dem Dach und geniesse Khiva in vollen Zügen.

Die eigentliche Altstadt von Khiva ist klein. Auf Basis von der Karte im Lonely Planet berechne ich, dass die Altstadt von Süden nach Norden gerade 800 Meter lang und Ost-West nur 400 Meter groß ist. Die wirklich interessanten Gebäuden befinden sich auf einem noch kleineren Areal innerhalb der Altstadt (auf niederländisch würde man sagen: mann könnte drüber pinkeln). Dort befinden sich 99% aller Touristen, hauptsächlich französiche, italienische und israelische Reisegruppen. Es gibt gerade eine Hand voller Backpacker, die sind hier aber wirklich stark in der Minderheit.

Die wenigen Quadratmeter, wo die Touristen sich aufhalten, habe ich in weniger als eine Stunde gesehen. Dennoch ist Khiva bezaubernd. Die historische Stadt ist nahezu vollständig erhalten geblieben. Die Russen haben im letzen Jahrhundert daraus ein gigantisches Freilichtmuseum gemacht, wo faktisch keine Menschen mehr wohnten. Da dies zu statisch wirkte, wurde der südliche und nördliche Teil der alten Innenstadt langsam wieder mit „normalen Usbeken“ besiedelt. Und die leben –mit Ausnahme von Auto, Handy und Satelitschüssel- noch wie anno dazumals. Es sind vor allem diese Bereiche, sowie die Gäßchen die direkt ausserhalb der inneren Stadtmauer (es gibt noch eine zweite, von der aber nur noch ein kleiner Teil existiert) liegen. Hier begegne ich ganz liebe und nette Menschen, werde eingeladen beim Brotbacken zuzuschauen und das ofenfrische Brot (hier „Non“ genannt) zu kosten. Dabei lerne ich Natascha aus Moskau kennen, die hier für einen Masterclass Fotografie unterwegs ist. Sie ist ziemlich frech beim Fotografieren, aber ist trotzdem nicht aufdringlich. Wir werden zu zweit zum Tee trinken eingeladen. Natasha bekommt ein traditionelles Kopftuch geschenkt, mir wird ein traditionell handgeschnitzer Holzrahmen geschenkt. Geld oder irgendeine Gegenleistung wird nicht angenommen.

Khiva hat ein interessantes Wassersystem. Erst hier wird mir bewusst, dass viele Menschen kein fließendes Wasser haben. Deshalb sind sie auf Quellen in der Stadt angewiesen, oder zapfen das Wasser illegal aus öffentlichen Röhren ab. Das liefert mir ein paar interessante Bilder.

Die Kinder kennen in Khiva die Touristen bereits gut und betteln jeden Fotografen an fotografiert zu werden. Sie hoffen auf eine Belohnung in Form eines Kugelschreibers oder Bonbons. Auch ohne Foto fragen sie übrigens darum.

Am zweiten Abend in der Stadt habe ich endlich die perfekte Fotostelle für Gegenlichaufnahmen gefunden: ich darf den Minaret eines Moschees besteigen (kein Museum!). Da sitze ich in aller Ruhe und schaue mir das städtische Leben weit unter mir an. Auch dieser Minaret hat furchtbare Stufen, da es im Turm ausserdem stockdunkel ist, muss ich wirklich klettern statt laufen. Manche Stufen sind auch in diesem Minaret 40 – 50 Zentimer hoch!! Die Sonne verschwindet leider irgendwann in einem Wolkenband; DAS perfekte Bild ist nicht gemacht worden, aber die Erfahrung in aller Ruhe ganz oben in diesem Minaret zu sitzen ist unvergeßlich. Nachher schaue ich mir die Blaue Stunde von der Stadtmauer an. Auch hier ganz normale Alltagsszenen: Müll wird verbrannt (dieses Land kennt keinen Müllabfuhr), ein Mann (Schwiegersohn? Denn die Tochter des Hauses wird immer wieder weggeschickt) streitet sich mit seiner Familie. Ich spiele zwischendurch Fußball mit ein paar kleinen Jungs. Da die Hitze sich langsam vom Tage verabschiedet, aber versprochen hat, morgen wieder zurück zu kommen, füllen sich die Straßen wieder mit Menschen. Frauen mit Frauen zusammen, Männer mit Männern zusammen. Es wird gelacht, getrunken, ein wenig gespielt. Ich mache noch 2 schöne Aufnahem in der Blauen Stunde im Kern der Alstadt, die jetzt ganz verlassen ist und kehre ins Hostel zurück.

Dort esse ich Lagman, eine Nudelspezialität aus der Wüste. Dazu reichlich Salate, Nüsse, Non (das leckere Brot mit den schönen Mustern), Wasser, Tee, Korinten und Rosinen. Und so etwas wie getrocknete Datteln, da bin ich mir nicht sicher. Schmeckt alles fantastisch gut! Das Essen wird von der Tochter serviert, die ganz süß schielt.

Mit meinem Bier gehe ich zum Dach und weiß: trotz vieler Touristengruppen ist diese Wüstenstadt mit seinen unvorstellbar gastfreundlichen Menschen unvergeßlich.

Der grosse Minaret in Khiva

Der Blick vom Dach des Hostels

Am naechsten Tag: Sonnenuntergang ueber Khiva

Blaue Stunde in Khiva, nun wird es ruhig in der Stadt