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Der zentrale Ort in Badakhshan ist Murghab. Ursprünglich war es nicht mehr als ein klitzekleines kyrgyschisches Dorf (im östlichen Teil von Badakhshan sind über 70% der Bewohner kyrgysisch, die Grenzen wurden damals nicht nach etnischen sondern nach politischen Kriterien gezogen). Heute ist es das administrative Zentrum der Provinz. Ich bekam dort Ärger mit der Polizei, denn ich hatte mich in Khorog nicht offiziell angemeldet. Es war nur meinem hiesigen Reiseveranstalter zu verdanken, dass ich gut davon kam. Die Anmeldungen in Tajikistan sind überhaupt katastrophal und kosten ausserdem viel Geld. Aber ich hatte nun doch meine polizeiliche Anmeldung, sei es nur für Murghab und also nicht für Khorog (in Dushanbe konnte ich mich einfach im Hotel selber registrieren lassen).
Am Donnerstag, den 15. Mai ging meine Reise weiter nach Kyrgysien. Am Morgen hatte ich in Karakul noch herrlich fotografiert. Denn jeden Morgen verlassen die Yak-, Schaf- und Ziegenherden das Dorf und ziehen in die umliegenden Berge. Nach einem ausgiebigen Frühstück ging es Richtung Grenze. Am Vortag war ich bereits über einen 4.655 Meter hohen Bergpass gekommen und hatte sogar auf der Höhe keinen Altitude Sickness. Jener Pass war hoch, aber nicht spektakulär. Dass änderte sich an der Grenze. Die war ein richtiges Problem, denn nach der Polizei und Zollkontrolle musste ich noch durch die Militärkontrolle. Die dauerte nicht nur ewig, sonder wurde wegen meiner fehlenden Anmeldung aus Khorog zum Drama. Selten ein so irritanten Typen erlebt wie dort bei der Ausreise aus Tajikistan. Welch ein Unterschied zur Einreise, etwa eine Woche vorher! Nachdem endlich das ersehnte Ausreisestempel im Pass stand, gab es noch eine nerventötende Gepäckkontrolle. Da verschwand ab und an mein freundliches Lächeln (denn lächelen und den dummen Tourist spielen half auch hier). Nach gut 2 Stunden war ich aus Tajikistan entlassen, war aber noch nicht in Kyrgysien. Denn eine neutrale Zone von etwa 15 Kilometer trennt beide Grenzposten. Und der Weg zwischen diesen beiden Grenzposten … Weg? Nein, der war komplett weggespült worden, durch einen reissenden roten (!) Fluss. Manchmal war nicht klar, ob wir durch den Fluss fuhren (zum Glück in einem ex-armee Jeep), oder ob der Fluss sich einfach auf die Straße verlegt hatte. Es war auf jeden Fall: spannend. Und ein großes Lob für meinen neuen Fahrer (in Murghab hatte ich Auto und Fahrer gewechselt), wie der fahren konnte, alle Achtung!
Der kyrgysische Seite. Neue Gebäude im Gegensatz zu den maroden Container in Tajikistan. Freundlicher Empfang, ich rauche eine Zigarette mit dem Chef. Der ist als Doktor in der Chemie (warum arbeitet er dann an der Grenze, frage ich mich, aber nicht ihn) interessiert in meinen Tabak. So unterhalten wir uns und er gibt seinen Angestellten deutlich zu verstehen, diesen Tourist schnell einreisen zu lassen. Der Aufenthalt hier, auch wenn es keine anderen Autos gibt, dauert nicht mal eine Halbe Stunde. Das Pamirgebirge verabschiedet sich auf der kyrgysischen Seite leider im Nebel, aber immer noch äußert imposant!
Über die weitere Strecke nach Osh mache ich mich keine Sorgen. Es sind nur noch 180 Kilometer und die Berge sind hier kleiner. Es sollte anders kommen als erwartet. Der erste Pass in Kyrgysien ist zwar nur 3700 Meter hoch, aber mit Abstand der atemberaubendste, den ich je gefahren bin … Viele LKWs aus China (seit einigen Jahren gibt es in dieser Ecke von Kyrgysien einen neuen Grenzposten mit China, der für viel LKW Verkehr sorgt) habe die Sandstraße komplett kaputt gefahren, und bis Osh werde ich bis auf einige „Teststellen“ kein Asfalt mehr sehen. Dafür Schlaglöcher ohne Ende. Auch hier galt ein großes Lob für meinen Fahrer und sein Auto, denn wer hier im –vom Drogenhandel finanzierten- Mercedes oder BMW rumfährt kommt nur schleppend voran. Wir jagten zum Teil mit ganzen 70 km/h über die Piste.
Nach dem steilsten Bergpass meines Lebens fiel mir etwas auf: es gab plötzlich wieder Sträucher, dann sogar Bäume! Nun wusste ich, was mir im östlichen Pamir nicht gefallen hatte: im Hochgebirge gibt es wirklich nur Berge und Benteker (Mini-Sträucher, die man neben Yakscheiß zum heizen benutzt). Und jene baumfreie Umwelt, wie schön sie auch ist, wurde langweilig. Die Berglandschaft im südlichen Kyrgysien (ich werde nur einen Bruchteil vom Land sehen) ist meiner Meinung nach viel schöner als im östlichen Pamirgebirge. Dazu unmengen an wilden Pferden, Yurten, komische Mützen und natürlich Bergmarmotten. Herrlich.
Nach insgesamt 10 Stunden Fahrt für eine Strecke von etwa 220 Kilometer erreichen wir am späten Abend endlich Osh. Zwar werden die letzten 100 Kilomter von Chinesen ausgebaut, Asfalt gibt es trotzdem nicht. Ich fühle mich schmutzig, denn ich habe schon seit Tagen keine Douche mehr gesehen. Nach einem Abendessen (das heute wiederum zu Durchfall führt) und einer warmen Douche schlafe ich in wenigen Minuten ein.
Karakul (4.000 Meter hoch gelegen): morgensfrueh um 7, die yaks werden „aufs Feld“ geschickt:
Am Karakulsee. Der ist zugefroren, obwohl es ein Salzsee ist! Der Berg links vom Maedchen ist Pik Lenin (ca 7.100 Meter hoch):
Tschuess Tajikistan, Tschuess Badakhshan! Ein Bild von der tajikischen Grenze. Oh ja, der Sand links im Bild ist der so genannte „Pamir Highway“ …
Der Taldyk Pass in Krgysien, nahe Sary Tash. Nicht der hoechste (nur 3.615 Meter), aber mit Abstand der spektakulaerste Pass …
Irgendwo zwischen Sary Tash und Osh. Ja, das links ist wiederum unser Weg!
In den letzten Tagen war ich im Pamirgebirge in der tajikischen autonomen Provinz Badakhshan unterwegs. Nach dem Adrenalinkick vom Flug (Dushanbe – Khorog) habe ich mit einer netten Dolmetscherin den Nachmittag in Khorog verbracht. Am nächsten Tag ging es in einem chinesischen Minibus (das sind die $ 1000 Wägelchen, die in Europa nicht durch die TÜV-Tests kommen) ins Wakhan Tal. Man fährt die ganze Zeit an der tajikisch-afghanischen Grenze entlang. Die Landschaft ist wirklich atemberaubend schön! Dazu hat die Gegend auch das nötige zu bieten. Ich nenne nur mal die auf englisch „Hot springs“ genannte Warmwasserquellen, die es im südlichen Teil der Provinz reichlich gibt. Männer und Frauen baden getrennt. Manche dieser hot springs sind wunderschön und sind mehr als angenehm. Mann kennt hier keine Douches, deshalb benutzen die Bewohner die hot springs als öffentliche Bäder.
Badakshan hat unter dem Bürgerkrieg der 90’er Jahre des letzten Jahrhunderts stark gelitten. Die Gegend hat ausser Bergen nichts zu bieten und war vollkommen auf Regierungshilfe angewiesen. Alles ausser Wasser musste aus Dushanbe und vorher Moskau eingeflogen werden. Nun müssen die Pamiri, wie die Bevölkerung hier genannt wird, sich selber irgendwie retten. Die Folge: man wahnt sich in Afrika, dann allerdings im Schnee und auf 4.000 Meter Höhe. Die kleinen Felder werden wieder mit Ochsen bestellt und alles andere wird per Hand gemacht. Geld für Sprit hat man hier nicht, deshalb sieht man hier auch keine Traktors mehr. Afghanistan liegt zwar auf der anderen Seite des Flusses, aber es wird da nicht viel anders aussehen als auf der tajikischen Seite.
Die Gastfreundschaft der hiesigen Menschen kennt wortwörtlich keine Grenzen. Wie oft wir hier zum Essen und Tee Trinken eingeladen werden, kann ich schon gar nicht mehr zählen. Es hat auf jeden Fall viele schöne Bilder der Menschen aus dieser Region geführt.
Mit meinem Fahrer hatte ich am Anfang ein Problem. Er arbeitet nicht für die Firma, wo ich meine Tour gebucht hatte und somit war ich für ihn nur ein Taxifahrer, der selber schon wissen sollte, was er sehen möchte. Ich wiederum ging davon aus, dass der Fahrer genau alle wichtigen Orte und Plätze kennen würde. Tat er aber nicht. Zum Glück war sein Neffe mitgekommen, der gut englisch sprach. Da ich eine sehr detaillierte Liste aus dem Internet (mit allen Sehenswürdigkeiten) bei hatte, konnten wir durch Improvisation doch vieles machen. Ich sagte, was ich wo sehen wollte, und der Neffe fragte dann im jeweiligen Dorf nach, wo zum Beispiel die Tempel, Ruinen usw. waren. Ich konnte zwar nicht alles sehen, was auf meiner Liste stand, dafür führte die improvisierte Tour zu Ereignissen, die normale Touristen nie in ihrem Leben erleben würden.
Nach zwei Tagen im Wakhan Tal (immer mit atemberaubenden Blich auf den Hindukush!!!!) kam ich am dritten Tag endlich auf den bekannten Pamir Highway. Der ist wirklich gottverlassen, am „verkehrsdichtesten Tag“ sind uns gerade ganze 4 Autos begegnet. Die Landschaft scheint hier nicht so spektakulär. Man befindet sich aufm Highway durchschnittlich über 3.500 Meter und dann erscheinen die 6.000’er Berge eher klein! Mit der Höhe hatte ich keine Probleme, auch nicht, als ich auf 4.000 Meter übernachtet habe. Das war in Karakul, kurz vor der Grenze mit Kyrgystan. Da konnte ich China vor der Haustür sehen (nur aus 100 Meter Entfernung). Und wenn man sich in Karakul umdreht und über den gleichnamigen See schaut, sieht man in 60 Kilometer Entferung den Pik Lenin, eins der höchsten Berge der Provinz (etwa 7.100 Meter). In Karakul gab es Nachtfrost, hier habe ich meine Winterklamotten dankbar benutzt.
Kurz noch ein Paar Worte zur Tierwelt. Ich war überrascht, dass es auf 4.000 Meter Höhe noch so viele Tiere zu sehen gibt. Ausser den Yaks (leckerer Butter!) und den ewigen Eseln gibt es sogar noch Vögel, wenn auch nur wenige. Im Wakhan Tal habe ich sogar aus nächster Nähe einen Adler fotografieren können, welch ein imposantes Tier! Und am niedlichsten fand ich die Bergmarmotten, die hier etwa einen halben Meter groß werden. Diese Tiere sieht man überall und werden auch (wegen Fell und Öl) gejagt, aber nicht gegessen. Das verbietet der Koran nämlich.
Badakhshan, welch eine bitterarme und zugleich durch die Warmhärzigkeit der Menschen reiche Gegend!
Die Bergen, hier in der Naehe von Khorog. Hier gibt es noch Baeume
Frauen bereiten das Essen in einem typischen Pamiri-Haus vor:
Ein so genannter „hot spring“ (Heisswasserquelle) – SUPER um darin zu baden:
Ein Mazar, davon gibt es ganz viele. Die Hoerner stammen von den Marco Polo Schafen. Es ist ein kleiner heiliger Ort:
Leider habe ich nur wenig Zeit und schreibe diesen Beitrag im Internetcafe in Khorog. Bin froh, aus Dushanbe weg zu sein, die Stadt ist langweilig und heiss.
Im ersten oder zweiten Beitrag (siehe unter April) hatte ich bereits einen Film ueber den Flug von Dushanbe nach Khorog gezeigt. Ich hatte das Glueck, den gleichen Flug machen zu koennen. In den letzten Tagen wurde der Flug staendig wegen schlechten Wetters in den Bergen gecancelled. Dieser Flug ist UN-VOR-STEL-BAR!!!!!!!!!!!! Es ist ein kleiner Yak-40, in dem gerade 18 Reisende Platz haben. Nach einer halben Stunde Flug scheint es, ob der Flieger immer niedriger fliegt. Aber nein! Die Berge werden einfach immer hoeher und hoeher, bis sie schliesslich sogar weit oben dem Flieger zu sehen sind. Es gibt viel turbulenz und sogar der Autofocus meiner Kamera hat damit Schwierigkeiten. Ich nicht, ich bin so was von BAFF ueber diesen Flug, dass ich mich selber darauf ertappe, mit offenem Mund aus dem Fenster zu schauen.
Die Geschichten, die ich gelesen hatte, stimmen wirklich. Man hat das Gefuehl, dass die Fluegel vom FLieger die Berge beruehren, so WAHNSINNIG nah kommt man an den Bergen heran. Es ist das erste Mal im Leben, wo ich eingestehen muss, dass Video das ganze besser zeigt als meine 150 Bilder. Ich habe keine Zeit gehabt, die Bilder auszusuchen. Ich koennte noch Stunden lang ueber diesen Flug schwaermen, dass mache ich aber in einem spaeteren Beitrag (und dann mit ein paar Bildern!).
Bin in den naechsten Tagen in der Wildniss unterwegs und melde mich wieder, wenn ich in Osh (Kyrgyzien) bin. Nun gehe ich wieder 5.000′er Berge fotografieren!
Auch wenn ich kein Morgenmensch bin (das bin ich nämlich überhaupt nicht), werde ich vor allem in Dushanbe immer sehr früh wach. Nachts habe ich die Fenster offen, damit etwas frische Luft in meine russische Bude eintreten kann. Und da es um jene Uhrzeit schon reichlich Straßenverkehr und vor allem viel Vögelgeschwätzer gibt, war ich auch am Donnerstag um 6 Uhr wach, aber noch nicht putz munter. Das war ich allerdings schon um 7, und nach dem Duschen war es höchste Zeit für einen Ausflug. Tagsüber erreichen die Temperaturen hier schon fast die 40°C Marke und dann ist es hier einfach HEIß!
Die Fahrt nach Hissor war völlig unkompliziert. Mittlerweile kostet es keine Mühe mehr, herauszufinden, wo man genau sein muss. In diesem Falle hatte auch der Lonely Planet eine relativ akkurate Beschreibung. Die Fahrt war schön. Unterwegs sah ich zum ersten Male eine Leninstatue. Leider konnte ich nicht fotografieren, dass ist der Nachteil, wenn man im Bus unterwegs ist.
In Hissor umgestiegen auf Sammeltaxi und so war ich bereits um 9 Uhr morgens bei der Kala (Festung). Vor der Burcht stehen zwei Medressen, eine davon wie fast überall in ein Museum umgewandelt. Die Zutrittskarte war genial und ist das Toppstück dieser Reise, denn sie stammt noch aus SSR Zeiten! Die Festung wurde Anfang des 20. Jahrhunderts vernichtet (es hatten sich die Vorfahren der heutigen Muhaddin da drinne verschanzt und die Russen kannten keine Gnade, auch nicht mit der Festung). Im inneren der einst gigantischen Festung werden heute Kühe geweidet. Die Kinder sammeln mit blossen Händen den Kuhscheiß, die von den Muttern zu runden „Keksen“ geformt werden und in der Sonne trocknen. Sie dienen dann als Brennstoff. Nach einer Runde durch das Dorf (die Festung liegt etwa 7 Kilometer ausserhalb von Hissor) ging es im Sammeltaxi nach Hissor und per Marschrutka nach Dushanbe (Betonung auf der letzten Silbe, was merkwürdig klingt). Um die Mittagszeit war ich in der Hauptstadt zurückgekehrt. Ruinen sind nicht so interessant, die sehen alle gleich aus, egal wo man ist.
Nachmittags in aller Ruhe durch die Stadt geschlendert und den russischen sowie den jüdischen Friedhof besucht. Beide sind sehr schön (liegen in einem kleinen Tal und sind wie ein schöner Park), grün und vor allem: extrem groß. Das hatte ich nicht erwartet. Im Jüdischen Friedhof, wo ich wegen der Hitze völlig durchgeschwitzt rumlief, wurde ich vom tajikischen Friedhofsarbeiter auf einen Tee eingeladen. Er sprach sehr langsam russisch, dadurch konnte ich seine Geschichten relativ gut verstehen.
Heuteabend in einem viel zu teurem Restaurant gegessen, wo viele ausländische Geschäftsleute waren. Die Diskrepanz zwischen Gesprächen über die billigsten Nutten, das coolste Bier, meine Tochter ist mit Obama befreundet und den Bettlern in der Stadt war auf dieser Reise noch nie so extrem wie hier. Ich habe das Gefühl, dass mit westlichen Steuergeldern ein paar Geschäftsleute extrem viel Geld verdienen … Mir gefällt dieses Millieu nicht, ich streife lieber durch Altstadtgäßchen, wo die Leute zumindest aufrichtig sind.
Die Festung von Hissar
Im Inneren der Festung laufen Kuehe herum, im Hintergrund das Hissargebirge
Die „Festungskinder“
Das Bild vom Fleischer im vorigen Beitrag habe ich nicht ohne Grund gezeigt. Denn am Dienstag, den 6. Mai hatte es nun auch mich erwischt: Magen-Darm Infekt. Kein Reisender in dieser Gegend bleibt verschont, so habe ich den Eindruck. Und nun war ich also dran. Nichtdestotrotz die Reise nach Dushanbe angefangen, auch wenn ich alles ausser fitt war. Mit den ersten Taxifahrer in Richtung Grenze bekamen wir noch in der Stadt Ärger, er wollte mehr Geld haben. Er hatte Pech, denn ich war relativ schlecht drauf und habe ihn zum Markt zurückgeflucht. Dort wurden wir sofort von mehreren Dutzenden von Taxifahrern umringt, die aber alle den gleichen Preis haben wollten. Da hatte ich in Tortkol mehr Glück, denn dort erzählte ein kleiner Junge, was die Marschrutkas kosten und somit konnten meine tschechischen Freunde für das Taxi Tortkol – Urgench den Preis einer Marschrutka-Fahrt bedingen.
Auch wir kamen von Denau im Marschrutka weg. Wie immer wurde der Preis von vornerein ausgehandelt und festgelegt. Aber wir waren nun doch endlich auf dem Wege zur Grenze. Unterwegs stieg der berühmte Bruder ein, der auch mit zur Grenze fuhr. Unterwegs fürchtetet Rutger schon, dass wir auch die anderen, leeren Sitzen bezahlen müssten. Und er sollte recht bekommen. Ihm bereitete ausserdem Sorgen, dass die Fahrt zur Grenze viel länger dauerte als angenommen. Sowohl er als ich dachten, es seien von Denau bis zur Grenze 20 Kilometer, es waren aber viel mehr. Deshalb haben wir unseren Marschrutka angehalten und nochmals gefragt, ob wir auf dem Wegen zur richtigen Grenzstelle sind. Gerade da zeigte sich, dass wir uns direkt an der Grenze befanden. Nachdem wir gezahlt hatten (und wir mussten also das doppelte Zahlen als ausgehandelt, da es 3 leere Plätze gab) ging es zu Fuß weiter zur Grenze.
Die Grenze war erstaunlich ruhig. Auch hier weit und breit keine Touristen, die kommen hier nur vereinzelt. Das hatte den Vorteil, das wir immer wieder schnell ins Auge gefasst wurden und somit schnell über die Grenze kamen. Auf der usbekischen Seite half ein zivil gekleideter taub-stummer Mann den Grenzbeamten. Der gab eine Show vom Feinsten zum Besten! Ausserdem konnten wir durch mime erstaunlich gut mit ihm kommunizieren. Bei hübschen Mädchen (er hatte uns bereits gefragt, ob wir verheiratet seien), war er einfach super frech! Er zeigte deutlich, ob sie hübsch waren oder ob nicht, und wenn sie hübsch waren … na, die Gebärden kann ein jeder sich wohl denken.
Mich viel, trotz fieber, auf, wie rau der Umgang mit den örtlichen Bewohnern war. Manch eine (es waren fast nur Frauen, die die Grenze überquerten) wurde barsch zurück geschickt. Uns gegenüber war man freundlich und neugierig. Das Ausreiseverfahren ging schnell und umkompliziert. Rutger war dabei immer positiv und optimistisch, er hat dafür auch genug Reiseerfahrung um sowas einschätzen zu können. Seine Einstellung machte es für mich viel erträglicher diese –wenn auch kurze- Reise zu machen. Alleine wäre ich bestimmt noch einen Tag in Denau geblieben.
Zu Fuß ging es weiter zur Einreise in Tajikistan. Auch hier ging alles schnell und wir wurden als ausländische Touristen an die wartenden vorbei geschickt. Wir wurden an einen Grenzbeamten verwiesen, der in aller Ruhe „America’s funniest home videos“ im Fernsehen guckte. Das die Atmosphere dementsprechend entspannt war, versteht sich. Nachdem der Einreisestemple im Pass stand, gab es noch eine weitere Kontrolle (Gepäck), der aber sehr locker war. Und dann waren wir in Tajikistan!
Für $ 20 fanden wir schnell ein Daewoo Nexia, der uns nach Dushanbe brachte. Da ich mich nicht wohl fühlte, wollte ich nicht im kleinen Lada die 66 Kilometer zurücklegen. Was sofort auffiel: das Land ist viel grüner als Usbekistan! Dazu ein strahlend blauer Himmel und im Hintergrund die ersten 3000’er Bergen (das eigentliche Hissargebirge). Der Anfang konnte nicht schöner sein. Schon an der Grenze hatten wir viele Hammer und Sichel gesehen. Unterwegs kamen dazu noch viele tajikische Fahnen. Das Land ist eine bunte Mischung aus alt (= sozialistisch) und neu. Es sieht wohl so aus, als können man sich nicht von der Sovjet Ära verabschieden. Die Polizeimützen sind hier auch noch nach Sovjetmuster (= groß!) gemacht.
In Dushanbe haben wir uns im gleichnahmigen Hotel eingecheckt. Das war etwas kompliziert, denn ich wollte unbedingt ein Zimmer für mich selber haben. Nach ein wenig hin und her bekamen wir es aber genau so, wie wir es gerne haben wollten. Die Frau an der Rezeption (über die ich im Internet gelesen hatte), ist aber wirklich fabelhaft hilfreich und bleibt immer freundlich! Die Jungs machten sich vom Acker, ich habe mich dann schlafen gelegt. Dieser Tag war für mich gelaufen, ich war leer und KO. Ich denke, dass mein Reisetempo (zu hoch) und die Temperaturen (auch hoch, heute waren es hier weit über 35 °C) auch einiges dazu beigetragen haben.
Nach 20 Stunden Schlaf fühlte ich mich heute, Mittwoch, den 7. Mai, schon deutlich besser als gestern. Der Darmtrakt ist zwar immer noch etwas unruhig, aber ich war wieder auf Achse, sei es mit halber Geschwindigkeit. Am Flughafen wollte ich mir das Ticket für Samstag (nach Khorog) besorgen, aber die werden erst am Vortag verkauft. Danach bin ich in aller Ruhe durch die Stadt geschlendert. Die ist herrlich grün, hat viele große Bäume (das sieht man in Usbekistan so gut wie nicht). Sie hat aber keine richtige Altstadt. Dushanbe (Betonung übrigens auf die letzte Silbe!) war bis vor 80 Jahren nur ein armes Dorf, wurde dann aber Dank Stalin plötzlich zur Hauptstadt. Somit ist sie nicht hübsch, brummt aber vor Aktivitäten. Die Menschen hier sind dazu kunterbunt. Mal fühlt man sich wie in Pakistan (Kopftücher) , dann wie in Moskau (Minirock), dann irgenwo auf dem Land (traditionelle Kleidung). Heute habe ich mit einem afghanischen Flüchtling gegessen (ich hatte wieder Hunger!). Davon gibt es hier viele. Langsam verstehe ich auch, warum man hier so viele UN und andere NGO Fahrzeuge sieht. A propos Autos. War Usbekistan deutlich Lada und Daewoo Land, hier sind man überraschend viele Opels und andere europäische Autos. Und dass, obwohl dieses Land das ärmste der GUS Staaten ist. Ich schätze, dass das durchschnittliche Monatseinkommen hier gerade mal $ 50 beträgt (Usbekistan: $ 100). Man spürt übrigens, dass die Stadt dem 9. Mai (Nationalfeiertag) entgegenfiebert. Überall hangen große Plakate, die auf 63 Jahr Freiheit hinweisen, dazu sieht man oft dekorierte Veteranen rumlaufen. Ich habe mich deshalb dafür entschieden, den 9. Mai wegen der Parade in Dushanbe zu verbringen. Am Samstag geht es dann (hoffentlich) per Flieger weiter nach Khorog.
Blick auf die Berge (vom Hotel aus fotografiert)
Was haben Reichstag und in China hergestellte Schuhe mit einander zu tun ???
Das Kriegsdenkmal (aber man fahrt sehr gerne Mercedes und Opel)
Auch einige Schulen werden fuer den 9. Mai geschmuckt
In Tajikistan noch all gegenwaertig: Hammer und Sichel
Neue Denkmaeler mit neuen Nationalhelden fuer ein armes Land


















