You are currently browsing the category archive for the 'Kyrgysien' category.
Als ich am Morgen aufwache, spüre ich, dass ich müde bin. Dass kann nur eins bedeuten und ein Toiletbesuch bestätigt meine Vermutung: schon wieder Durchfall. War es doch das Essen beim Kasgar von gestern? Ich komme deshalb nur langsam in Schwung und möchte an diesem Morgen zuerst meine OVIR Registrierung organisieren. OVIR steht für Office for Visa and Immigration Regulation und ist das gleiche, was es früher auch in der DDR gab (polizeiliche Anmeldung). Zum Glück wohne ich laut Lonely Planet direkt in der Nähe des OVIR Büros und so mache ich mich auf dem Wege. Bei der riesigen Leninstatue angekommen, sehe ich eine ganze Menge Militärs auf der Straße. Das macht mich neugierig und ich mache vorsichtig ein paar Bilder. Als ich erfahre, dass die Parade gleich losgeht, bleibe ich beim Kriegsdenkmal, denn dort wird irgendetwas passieren. Es sind verschiedene Militärs da, welche in blauen Uniformen und welche in grünen. Und natürlich gibt es viele große Mützen und viele Ehrenzeichen. Dann erfahre ich von einem Militär, der ein wenig englisch spricht, dass es sich um ein besonderes Treffen handelt. Wegen meiner großen Kamera werde ich für einen Fotoreporter aus dem fernen Westen gehalten und ich darf überall mit der Nase vorne fotografieren! Die Chance lasse ich nicht ungenützt und so stehe ich mit russichen, tajikischen, kyrgysischen und usbekisischen Kamerateams wortwörtlich mitten im Geschehen. Ich verstehe nur das Wort „Druschba“ (Freundschaft) in den Speeches. Es sind auch einige Kriegsveteranen da, wenn ich es richtig verstehe auch einige aus dem Afghanistankrieg! Dann werden sozialistisch rote Kränze beim Denkmal gelegt und es werden Ehrenschüsse mit AK-47 gefeuert. Machen die aber ein Lärm! Ich erschrecke dermassen (ich sitze 4 Meter vor den Schützen!!!), dass ich von den Ehrenschüssen kein gutes Bild machen konnte. Dann kommt der fotografische Höhepunkt, die Militärs marschieren an der großen Leninstatue vorbei, drehen dort um und stampfen am Kriegsdenkmal vorbei. Es liefert mir in 30 Minuten über 300 Bilder, die unwiederbringlich sind! Am Ende wird nach altem Brauch Brot gegessen, das von einer Frau in traditioneller Kleidung serviert wird. Dann ist die Parade vorbei und ich mache mich auf der Suche nach dem OVIR Büro.
Die OVIR Registrierung kostet mir viel Zeit, denn ich werde immer wieder in eine andere Richtung geschickt. Am Ende setzt jemand mich in ein Taxi, das mir zur richtigen Polizeistelle führt. Dort wird mir gesagt, dass ich zuerst bei der Bank zahlen muss. Also auf der Suche nach der richtigen Bank, die in 30 Minuten Feierabend hat. In der Bank muss ich lange warten, alle drängeln und da ich nicht fitt bin, dauert es, bevor ich mich selber nach vorne drängele und meine Bestätigung kriege. Zurück bei der Polizei geht alles ruckzuck und in wenigen Minuten habe ich für insgesamt EUR 2 das begehrte Stempel im Reisepass. So spare ich mich im Gegensatz zu Tajikistan hoffentlich eine Menge Ärger.
Nun sind die Formalitäten erledigt und ich mache in aller Ruhe einen Stadtbummel. Beim großen Bazar (den ich am Sonntag länger besuchen werde, da dann der größte Markt von ganz Zentral Asien hier statt findet) esse ich einen Happen, denn ich habe doch wieder Hunger bekommen. Ein Obdachloser ißt die Reste von Gästen und trinkt deren Tee aus. Ich fahre mit einem Taxi für wenig Geld nach Hause, lasse mich aber an der Hauptstraße absetzen.
In meiner Straße angekommen, sehe ich, wie ein gerade geschlachtetes Schaf an einem Baum hängt und von den Schlächtern „auseinander genommen“ wird. Das macht mich neugierig und nach einer kurzen Vorstellungsrunde darf ich das Geschehen fotografieren. Daraufhin werde ich in den Innenhof geführt, wo ich Tee trinken muss. Und ich soll doch bitte alles fotografieren. So kann ich wieder drei Babuschkas meiner Fotosammlung hinzufügen. Auch die Essenszubereitung muss ich fotografieren. Der Anlass fuer diese Aktivitaeten ist der einjaehrige Todestag vom Vater des Hauses. Wenn ich gehen will, wird mir gesagt, dass ich, wenn ich möchte, auch das Schlachten der Kuh fotografieren darf. Zuerst zweifele ich, stimme dann aber zu. Die Kuh wird in den Vorgarten geführt, die Beine werden zusammengebunden und dann wird Allah gedankt. Dann geht es schnell, die haarscharfen Messer haben in Sekunden den Hals durchschnitten. Das Blut fließt in einer Grube, die man zuvor gegraben hat. Es ist merkwürdig zuzuschauen, wie ein Tier geschlachtet wird. Was mich dabei am meisten erstaunt, ist dass das Tier noch lange weiter lebt und wild mit den Beinen zappelt. Nach etwa 5 Minuten ist das Tier aber wirklich tot, dass Fell ist dann aber schon längst vom Körper getrennt. Hunde laufen vorbei und trinken das noch warme Blut aus einer große Schale. Die Kinder stehen ganz vorne und helfen beim aussschlachten fleißig mit. Für sie ist es eine große Ehre, eine der vier Beine festhalten zu dürfen. Wenn ich mich verabschiede läuft eine Hirtin mit 4 Schafen an der Szene vorbei. Unvorstellbar, dass ich mich hier im Zentrum (!!) der zweitgrößten Stadt des Landes befinde …
Ein General
Beim Kriegsdenkmal werden Kraenze gelegt
Die Parade faengt an, und ich stehe ganz vorne!
Am Ende der Veranstaltung wird traditionell Brot gegessen
Kaum 20 Minuten nach dem Gebet sieht die Kuh bereits so aus. Achte auf die Jungs!
Der zentrale Ort in Badakhshan ist Murghab. Ursprünglich war es nicht mehr als ein klitzekleines kyrgyschisches Dorf (im östlichen Teil von Badakhshan sind über 70% der Bewohner kyrgysisch, die Grenzen wurden damals nicht nach etnischen sondern nach politischen Kriterien gezogen). Heute ist es das administrative Zentrum der Provinz. Ich bekam dort Ärger mit der Polizei, denn ich hatte mich in Khorog nicht offiziell angemeldet. Es war nur meinem hiesigen Reiseveranstalter zu verdanken, dass ich gut davon kam. Die Anmeldungen in Tajikistan sind überhaupt katastrophal und kosten ausserdem viel Geld. Aber ich hatte nun doch meine polizeiliche Anmeldung, sei es nur für Murghab und also nicht für Khorog (in Dushanbe konnte ich mich einfach im Hotel selber registrieren lassen).
Am Donnerstag, den 15. Mai ging meine Reise weiter nach Kyrgysien. Am Morgen hatte ich in Karakul noch herrlich fotografiert. Denn jeden Morgen verlassen die Yak-, Schaf- und Ziegenherden das Dorf und ziehen in die umliegenden Berge. Nach einem ausgiebigen Frühstück ging es Richtung Grenze. Am Vortag war ich bereits über einen 4.655 Meter hohen Bergpass gekommen und hatte sogar auf der Höhe keinen Altitude Sickness. Jener Pass war hoch, aber nicht spektakulär. Dass änderte sich an der Grenze. Die war ein richtiges Problem, denn nach der Polizei und Zollkontrolle musste ich noch durch die Militärkontrolle. Die dauerte nicht nur ewig, sonder wurde wegen meiner fehlenden Anmeldung aus Khorog zum Drama. Selten ein so irritanten Typen erlebt wie dort bei der Ausreise aus Tajikistan. Welch ein Unterschied zur Einreise, etwa eine Woche vorher! Nachdem endlich das ersehnte Ausreisestempel im Pass stand, gab es noch eine nerventötende Gepäckkontrolle. Da verschwand ab und an mein freundliches Lächeln (denn lächelen und den dummen Tourist spielen half auch hier). Nach gut 2 Stunden war ich aus Tajikistan entlassen, war aber noch nicht in Kyrgysien. Denn eine neutrale Zone von etwa 15 Kilometer trennt beide Grenzposten. Und der Weg zwischen diesen beiden Grenzposten … Weg? Nein, der war komplett weggespült worden, durch einen reissenden roten (!) Fluss. Manchmal war nicht klar, ob wir durch den Fluss fuhren (zum Glück in einem ex-armee Jeep), oder ob der Fluss sich einfach auf die Straße verlegt hatte. Es war auf jeden Fall: spannend. Und ein großes Lob für meinen neuen Fahrer (in Murghab hatte ich Auto und Fahrer gewechselt), wie der fahren konnte, alle Achtung!
Der kyrgysische Seite. Neue Gebäude im Gegensatz zu den maroden Container in Tajikistan. Freundlicher Empfang, ich rauche eine Zigarette mit dem Chef. Der ist als Doktor in der Chemie (warum arbeitet er dann an der Grenze, frage ich mich, aber nicht ihn) interessiert in meinen Tabak. So unterhalten wir uns und er gibt seinen Angestellten deutlich zu verstehen, diesen Tourist schnell einreisen zu lassen. Der Aufenthalt hier, auch wenn es keine anderen Autos gibt, dauert nicht mal eine Halbe Stunde. Das Pamirgebirge verabschiedet sich auf der kyrgysischen Seite leider im Nebel, aber immer noch äußert imposant!
Über die weitere Strecke nach Osh mache ich mich keine Sorgen. Es sind nur noch 180 Kilometer und die Berge sind hier kleiner. Es sollte anders kommen als erwartet. Der erste Pass in Kyrgysien ist zwar nur 3700 Meter hoch, aber mit Abstand der atemberaubendste, den ich je gefahren bin … Viele LKWs aus China (seit einigen Jahren gibt es in dieser Ecke von Kyrgysien einen neuen Grenzposten mit China, der für viel LKW Verkehr sorgt) habe die Sandstraße komplett kaputt gefahren, und bis Osh werde ich bis auf einige „Teststellen“ kein Asfalt mehr sehen. Dafür Schlaglöcher ohne Ende. Auch hier galt ein großes Lob für meinen Fahrer und sein Auto, denn wer hier im –vom Drogenhandel finanzierten- Mercedes oder BMW rumfährt kommt nur schleppend voran. Wir jagten zum Teil mit ganzen 70 km/h über die Piste.
Nach dem steilsten Bergpass meines Lebens fiel mir etwas auf: es gab plötzlich wieder Sträucher, dann sogar Bäume! Nun wusste ich, was mir im östlichen Pamir nicht gefallen hatte: im Hochgebirge gibt es wirklich nur Berge und Benteker (Mini-Sträucher, die man neben Yakscheiß zum heizen benutzt). Und jene baumfreie Umwelt, wie schön sie auch ist, wurde langweilig. Die Berglandschaft im südlichen Kyrgysien (ich werde nur einen Bruchteil vom Land sehen) ist meiner Meinung nach viel schöner als im östlichen Pamirgebirge. Dazu unmengen an wilden Pferden, Yurten, komische Mützen und natürlich Bergmarmotten. Herrlich.
Nach insgesamt 10 Stunden Fahrt für eine Strecke von etwa 220 Kilometer erreichen wir am späten Abend endlich Osh. Zwar werden die letzten 100 Kilomter von Chinesen ausgebaut, Asfalt gibt es trotzdem nicht. Ich fühle mich schmutzig, denn ich habe schon seit Tagen keine Douche mehr gesehen. Nach einem Abendessen (das heute wiederum zu Durchfall führt) und einer warmen Douche schlafe ich in wenigen Minuten ein.
Karakul (4.000 Meter hoch gelegen): morgensfrueh um 7, die yaks werden „aufs Feld“ geschickt:
Am Karakulsee. Der ist zugefroren, obwohl es ein Salzsee ist! Der Berg links vom Maedchen ist Pik Lenin (ca 7.100 Meter hoch):
Tschuess Tajikistan, Tschuess Badakhshan! Ein Bild von der tajikischen Grenze. Oh ja, der Sand links im Bild ist der so genannte „Pamir Highway“ …
Der Taldyk Pass in Krgysien, nahe Sary Tash. Nicht der hoechste (nur 3.615 Meter), aber mit Abstand der spektakulaerste Pass …
Irgendwo zwischen Sary Tash und Osh. Ja, das links ist wiederum unser Weg!
Da habe ich doch glatt vergessen, meine neuesten Beitraege auf den USB Stick zu kopiieren … deshalb versuche ich mal, ein paar Bilder hoch zu laden. Die Kurzfassung der letzten Tage: eine wunderschoene Zeit in den Bergen gehabt, danach nach Kyrgysien gefahren, wo ich seit gestern bin. Heutemorgen durch Zufall eine internationale Armeeparade vor dem riesigen Lenindenkmal fotografiert. Wegen meiner grossen Kamera dachte der Sicherheitsdienst, ich sei ein Auslandskorrespondent. So stand der kleine, dumme Hollaender mit den internationalen Kamerateams GAAANZ vorne und konnte so in 30 Minuten fast 300 echt spektakulaere Bilder machen! Die folgen in Kuerze. Euch allen liebe Gruesse aus Osh, Kyrgysien!










