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Die letzten Zeile dieser Reise werden in Berlin geschrieben. Am letzten Tag war ich in Tashkent zu beschäftigt um den abschließenden Beitrag schreiben zu können.
Am Donnerstagmorgen, den 22. Mai hatte ich mich in Kokand durch einen Taxifahrer beim Sammelpunkt für die Richtung Tashkent absetzen lassen. Ich hatte mich für die bevorstehende Fahrt auf intensives Preisverhandeln eingestellt. Denn im Lonely Planet hiess es irgendwo, dass diese Strecke verhältnismäßig teuer sei. Alsbald wenn ich am Sammelpunkt angekommen bin, wird mein großer Rucksack bereits zu einem bereitstehenden Auto gebracht. Die Preisverhandlungen finden im Gehen statt und es dauert nicht mal eine Minute bis der Verhandlungsführer und ich uns einig sind (12.000 Som, ca. € 6,- , genau so wie es im LP steht). Ich bin verwundert aber froh. Wir fahren gleich los. Die Strecke führt über einen Bergkamm, die Straßen sind wie fast überall im Fergana Tal gut bis sehr gut. Unterwegs werden sogar die Reisepässe kontroliert, das habe ich in Usbekistan nur wenig erlebt. Unterwegs ist nocht gut die alte Trasse zu sehen, die wesentlich spektakulärer als die neue Strasse war. Dafür kommen wir aber gut voran, sei es seeeeehr langsam. Der Fahrer hat es nicht eilig und plappert ohne Ende mit den anderen Reisenden. Ich fange an, mich darüber zu ärgern, schließlich habe ich in Tashkent noch ein volles Programm! Wenn wir in unserem Daewoo sogar durch ein vollbesetztes Lada überholt werden, gebe ich meinem Ärger Luft und der Fahrer erinnert sich zumindest vorübergehend an die Funktion vom Gaspedal. Nichtdestotrotz brauchen wir mehr als 3 Stunden für die Fahrt von Kokand nach Tashkent.
Rund 13:00 kommen wir endlich in Tashkent an und dort kriege ich Antwort auf 2 Fragen. Im Kofferraum waren unterm normalen Gepäck noch viele technische Geräte (frisch aus China importiert?) versteckt. Auch unter den Fussmatten im ganzen Auto lagern frische Waren aus China. Deshalb wurde so vorsichtig und behutsam gefahren! Und der Gütertransport erklärt auch, warum die Preisverhandlung so flott ging, schließlich hatte der Fahrer die Einkünfte von den üblichen 4 Reisenden und dazu hat er vermutlich noch ein „Beförderungsgeld“ für die Handelsware bekommen. Nachher werde ich vor meinem Hotel abgesetzt und quartiere mich dort ein. Ich übernachte nicht bei Ali, wie am Anfang meiner Reise. Gerne hätte ich mit ihm noch ein Wodka (das wären aber 5 geworden) getrunken, aber ich brauche einen wake up call und dazu mitten in der Nacht ein Taxi zum Flughafen. Beides ist in diesem Hotel schnell organisiert.
Tashkent zeigt sich mir an diesem letzten Tag meiner Reise von ihrer schönsten und wärmsten Seite. Es ist sonnig und heiss. Wegen der Hitze benutze ich die U-Bahn sehr intensiv, die ist nicht nur billig, sondern auch sehr schön. Und Ärger mit der Polizei gibt es keinen.
Als erstes besuche ich das „Crying Mother“ Denkmal. Das Denkmal erinnert an die Opfer, die im Zweiten Weltkrieg gebracht worden sind (400.000 tote Usbeken) und weinende Mütter zurückliessen.

Mein zweiter Programmpunkt befindet sich nicht weit davon entfernt. Um dort zu kommen, muss ich jedoch einen der vielen großen Boulevards überqueren. Und dafür macht man keinen Umweg, sondern überquert die Straße einfach da, wo man gerade ist (dass musste ich mich in Berlin zuerst wieder abgewöhnen!).

Tashkent wurde 1966 von einem schweren Erdbeben getroffen, dabei sind große Teile der Stadt zerstört worden und 300.000 Menschen wurde obdachlos. Die Stadt heutzutage denn auch deutlich in eine Neu- und Altstadt zu trennen, wobei Neustadt wortwörtlich zu nehmen ist. Hier wird noch ohne Ende neugebaut.

Auf dem Wege zur Altstadt suche ich drei Mausoleen, die auf meiner Karte eingezeichnet sind. Nach längerem suchen finde ich sie, sie befinden sich auf dem Gelände der muslemischen Universität. Es brauchte einige Überredungskunste, um auf dem Gelände zu kommen. Leider werden die Gebäude von großen Bäumen umsäumt und können somit kaum fotografiert werden. Das ist anders mit der Juma-Moschee (Freitagsmoschee), die sich am Rande der Altstadt und am Rande des Bazars befindet. Mit ihren silberfarbigen Kupeln mutet sie fremd an.
Nach einer kleinen Stärkung in Form von Kebabs und Softeis mache ich mich auf, in den letzten Stunden vor Sonnenuntergang die Altstadt zu erkunden. Da kleine Wolken nun ab und an die Sonne verdecken, frage ich einen Passanten, wo sich die große Medresse befindet. Er lächelt freundlich und führt mich durch den Wirrwarr von kleinen Gäßchen. Und dann stehe ich im letzten Abendlich vor einem der touristischen Highlights von Tashkent. Die Moschee, die Medresse und 2 oder 3 Mausoleen baden im goldenen Abendlicht. Ich bin glücklich und zufrieden, ich habe alles an diesem Nachmittag geschafft, was ich mir vorgenommen hatte.

Zu meiner Überraschung laufen mitten in der Stadt 2 Störche herum, die ausgiebig von den Einheimischen und von den hier zahlreichen Touristen bestaunt werden. Nicht weit davon entfernt, an einem Springbrunnen, sitzen nochmals 2 Störche. Eine Schafsherde läuft ohne umzuschauen an den beiden Vögeln vorbei. Am Bazar übt ein kleiner Junge Formell Eins fahren mit seinem Esel. Ich geniesse, Tashkent verabschiedet sich von mir in einer Art, von der ich nur träumen kann. Herrlich, so habe ich dieses Land kennen und lieben gelernt!
Abends esse ich noch einmal Hünchen im Boburpark, trinke mein Bier dazu und blicke müde aber glücklich auf 5 unvergesslich schöne Wochen zurück.
–ENDE–
Es ist heiss, nicht einfach so heiss, sondern siedend heiss. Auch die hiesige Bevölkerung schwitzt ohne Ende. Es ist Mittwoch, der 21. Mai und ich habe noch eine Exkursion aufm Programm. Trotz einer langen Nacht bin ich am Morgen müde, es sind in diesem Fall aber die Kollateralschäden der Hitze. Ich will aber relativ früh raus, denn in der Stadt wo ich für $ 5 per Nacht übernachte (Kokand), will ich im Morgenlicht den Palast des Khans fotografieren. Den Palast hatte ich bereits am Vortag besucht. Dieser Khan, hat der lustig gelebt! Der Islam genehmigt einem Mann „nur“ vier Frauen. Der Khan aber fand 4 zu wenig und hatte mit dem Imam der Stadt einen Deal geschlossen: seine insgesamt 44 Frauen wurden ab der fünften Frau (Mädchen, müsste man sagen) nicht mehr verheiratet, sondern jeweils einfach als one-night-stand vom Imam abgesegnet. So konnte der Khan je nach Lust einen Apfel zu seinem Augenapfel werfen – und er hatte dabei also reichlich auswahl. Vom Palast ist nicht mehr viel übrig, denn die Russen hatten in dieser Gegend Anfang des 20. Jahrhunderts viel moslemische Wiederstandskämpfer, sogeannte Bachmachi, zu bekämpfen und hatten kein Problem damit, den einen oder anderen Palast komplett oder teils zu vernichten. Die Räume die aber geschont wurden, sind sehr schön und sind heute ein Museum.
Nach einem Frühstück am Busbahnhof (mein $ 5 Hotel hat sogar fließendes warmes Wasser, aber kein Frühstück) geht es im Sammeltaxi über Bagdad und Boston (keine Lüge!) nach Rishton. Rishton ist eine Stadt südlich von Kokand und liegt an der Grenze zu Kyrgystan. Sie ist bekannt für ihre uralte Keramiktradition. Gewappnet mit dem Lonely Planet und einem zweiten, besseren Reiseführer mache ich mich auf der Suche nach zwei kleinen Werstätten. Ich werde aber sofort zur Keramikfabrik geschickt, die etwa einen Kilometer östlich vom Zentrum liegt. Die Fabrik ist herrlich, denn sie ist alt, schmutzig und „kaputt“, wie ein geschätzter Kollege von mir sagen würde. Für mich also gefundenes Fressen!
Ich werde zuerst zum Portier geführt und kriege einen Begleiter, der mich sofort zu einer kleinen Halle ganz hinten auf dem Gelände bringt. Erst ist aber bald verschwunden. In der Halle kann ich die ersten schönen Porträts machen. In einer dunklen Ecke der Halle machen zwei Frauen und deren Aufsicht Pause und ich werde sofort zum Tee eingeladen. Es ist zum ersticken so heiß in der Halle, die nicht nur von der Sonne, sondern auch von mehrerern Öfen geheizt wird. Der Tee ist also sehr willkommen. Und so fühlt man sich hier auch als Besucher: willkommen! Mir fällt auf, das man häufig mit dem muslemischen Zeichen für Dankbarkeit empfangen wird: man macht mit den Händen eine Bewegung von oben nach unten am Gesicht entlang. Dieses Gebärde sieht man auch, wenn man an einem Friedhof, oder an einer heiligen Stelle vorbei fährt. Nach dem Essen, oder am Ende eines Gebets oder einer Koranlesung macht man dieses Gebärde auch, dann werden zusetzlich nach dem „Streicheln“ des Gesichts die Hände mit den Handpalmen nach oben gehalten, während man „Allah-u-akhbar“ sagt. Vor allem, wenn ich bei Leuten privat zum Essen eingeladen war, oder wenn ich beim Gebet eines Khalifs oder Imams anwesend war, habe ich das aus Respekt auch gemacht. Ich hatte dabei das Gefühl, dass das sehr geschätzt wurde (aber vielleicht kann ein Islamexperte mich da eines Besseres belehren, falls ich daneben liege – Rob?).
Auch wenn die Keramikfabrik eine Fabrik ist, so ist der Herstellungsprozess für 90% Handarbeit. Die Fabrik beschäftigt denn auch eine Menge Arbeiter, darunter viele Kinder! Der Rohstoff wird hier direkt in der Gegend gewonnen und liegt nur einen Meter tief im Boden (ich komme nicht auf das deutsche Wort für „clay“ / „klei“ (EN, NL). Die Keramikproduktion ist hier denn auch tausende von Jahren alt, dabei hat sich nur die Technik der Glasur geändert. Der Rohstoff aus dieser Gegend ist so pur, dass sie nur grob gereinigt werden muss und dann sofort verarbeitet werden kann.
Draussen in der Sonne werden die Rohlinge zum ersten Male getrocknet, bekommen dann eine weisse Lackierung, danach werden sie per Hand gemalt (manchmal aber mit Hilfe von Schablonen) und werden dann zum ersten Male im Ofen (12 Stunden lang) getrocknet (und müssen dann nochmals 12 Stunden kühlen). Dann bekommen sie die endgültige Glasierung und werden dann nochmals 12 Stunden gebacken. Die Fabrik stellt am Tag über 1.000 Stück Keramik her, von kleinen Tellern bis großen Blumentöpfen. In einer Halle entdecke ich einige Sonderstücke für das Hotel der Frau des Presidenten (Hotel Asia in Bukhara).
Dann treffe ich durch Zufall einen „Master“, der im Lonely Planet erwähnt wird. Er lädt mich zu seiner Werkstatt ein. Im Auto fahren wir von ost nach west durch die Stadt. Die Werkstatt ist klein und bietet mir im Gegensatz zur Fabrik keine Fotomotive. Dafür hat die Werkstatt ein kleines aber feines Museum, und eins seiner Schüler spricht gut englisch und zeigt mir den ganzen Prozess nochmals, ohne das es für mich langweilig wird. Ich finde seine Werkstatt aber sehr kommerziell, man ist hier –im Gegensatz zur Keramikfabrik- Touristen mehr als gewohnt. Und genau so wie in der Seidefabrik gilt für mich: je weniger Touristen, um so interessanter wird es. Sollte ich noch mal in dieser Gegend kommen, dann werde ich auch die staatlichen Seidefabriken besuchen. Man kommt ohne Problem herein und ist meist sichtlich erfreut über den ausländischen Besuch.
Den Nachmittag verbringe ich mit Lesen und Kebabs in einer Chaikhana. Die Hitze ist unerträglich und es sieht aus, als würde Regen kommen. Der kommt am Abend, bringt aber keine Abkühlung.
Der Palast vom Khan und seinen Frauen
Auch in der Fabrik wird vieles per Hand gemalt
Blick in einen der Oefen, alles wird per Hand gestapelt
Draussen trocken die Rohlinge in der Sonne (und auch die werden per Hand bemalt)
Auch in dieser Fabrik: viel Spass bei der Arbeit
In der kleinen Werkstatt: Beispiele fuer Keramik aus Rishton
Osh hatte ich auf ein Mal satt. Die Stadt hatte mir zu wenig zu bieten. Am Sonntag habe ich zwar den riesen Bazar besucht, der bot mir aber nicht, was ich mir davon erhofft hatte. Darum habe ich am Sonntag Osh verlassen. Im Taxi ging es zur Grenze. Hier wurden neue Rekorde gesetzt. In weniger als 5 Minuten hatte ich das Ausreisestempel von Kyrgysien im Pass und auch auf der usbekischen Seite verdient das Team einen Orden für schnelle und unkomplizierte Abhandlung! Insgesamt war ich in weniger als 25 Minuten über die Grenze.
Auch die Weiterfahrt nach Andijon ist unkompliziert, die shared taxis warten einfach an der Grenze und die Preise sind fest, somit braucht man nicht verhandeln. Welch ein Genuss, wieder gute Strassen zu fahren! Andijon, wo 2005 ein großes Masaker unter Moslems angerichtet wurde, war leider kein „hit“. Die Stadt wurde vor gut 100 Jahren von einem Erdbeben getroffen und die ehemals historische Altstadt exisitiert bis auf eine Medresse nicht mehr. Alles was man sieht, ist neu. Dazu verpasste ich dummerweise den großen Bazar, der weit ausserhalb vom Zentrum stattfindet. Ich habe den Nachmittag auf den normalen Bazar im Zentrum verbracht. Das Hotel war eins aus der Katogorie „von aussen schön, von innen scheiße“. In Andijon wollte ich meine kostbare Zeit nicht länger vergeuden und so ging es am Montagmorgen superschnell (70 Kilometer in 45 Minuten!!!) von Andijon nach Fergana.
In Fergana habe ich mich bei einer russischen Familie (steht im Lonely Planet) einquartiert. Eine gute Douche – ein gutes Bad, welch ein Segen! Aber Fergana dient nur zur Übernachtung, denn mein Hauptziel hier war die Seidefabrik in Margilon. Im erstickend heissen Marschrutka ging es nach Margilon, dass nur wenige Kilometer nördlich von Fergana liegt. Die Stadt ist zwar uralt, man sieht es aber nicht. Das Fergana Tal wurde öfters von Erdbeben und Erobern heimgesucht und „alte Materie“ sucht man hier in den Städten häufig vergebens. Vieles liegt –wie ich über Karshi bereits schrieb- im Museum oder noch im Boden.
Die Fabrik hatte ich schnell gefunden. Es werden kostenlose Führungen in mehreren Sprachen angeboten. Da es bereits eine Gruppe weiblicher Textilprofessoren (!) aus Amerika (und eine Frau aus Antwerpen, Belgien) gab, wurde ich einfach der Gruppe eingegliedert. Diese Frauen waren aber richtige Freaks und wollten vom Dolmetscher alle Einzelheiten wissen. Als ich ihm sagte, dass ich hauptsächlich an schöne Bilder interessiert bin (ich hatte die wichtigsten Stadien der Seidenherstellung bereits gesehen), ging es auf eigene Faust weiter. Selten habe ich dabei so viel Spaß gehabt wie heute. Denn trotz ur- und uralter Maschinen (diese stammen zum Teil noch aus der Zeit vorm ersten Weltkrieg und sind teils deutsche Maschinen!) haben die Frauen in der Fabrik SPAß! Viele tanzten und sangen in den Pausen. Bei der Weberei musste ich zuerst mit 5 oder 6 hübschen jungen Frauen tanzen, bevor ich fotografieren durfte. Und die Mädels hatten richtig, richtig Spaß! Nicht nur an der Arbeit, sondern auch an dem komischen Typen aus Europa.
Auch in der Halle, wo Seide maschinell hergestellt wird, wurde viel und oft gelacht. Zuerst musste ich Tee trinken, dann alle Frauen fotografieren. Dann wurde ich mit einem jungen Buben (etwa 4 Jahre), ein Stockwerk höher geschickt, auch da freute man sich über den Fotografen.
Während der Führung waren einige Hallen ohne Arbeiter. Darum bin ich zurück gegangen und hatte Glück: ich konnte schon im Bild festhalten, wie die Kokone gekocht werden (dass stinkt übrigens …). Und wer mit der Kuh aus Osh mitleid hatte, der soll bitte mal das Kochen der Kokone (mit den noch lebenden Seideraupen) erleben. Die kokone springen im kochenden Wasser herum. Auch das färben der Seide wollte ich noch mit Mitarbeitern fotografieren. Wiederum hatte ich Glück, zwei Männer waren gerade dabei, frische Seide in kochenden Kesseln zu färben. Dies ist die einzige Aufgabe (bis auf die Wartung der Maschinen sowie die Aufsicht), die von Männern erledigt wird. Es ist aber auch eine langweilige und anstrengende Aufgabe. Nachdem ich den gesamten Prozess fotografiert hatte, wollte ich zurück zu den tanzenden Tapetenweberinnen, denn ich war mit den Bildern nicht zu frieden. Die Frauen wollten alles (einschließlich heiraten, glaube ich), nur nicht an den Webstühlen fotografiert werden. Wieder wurde getanzt, gesungen und viel gelacht. Es war die einzige Halle, wo ich fotografisch nicht richtig zum Zug kam.
Anschließend habe ich noch eine Moschee besucht, die für ihre typische Holzschnitte, wofür diese Gegend bekannt ist, besucht. Auch eine kleine, private Seidenfabrik habe ich noch besucht, aber die war bei weitem nicht so interessant wie die Yodgorlik Silk Factory.
Am Abend habe ich noch einen Spaziergang durch Fergana gemacht. Die Stadt erinnert mich stark an Dushanbe, sie ist grün, angenehm und die Menschen sind wie immer super freundlich. Ich habe das Gefühl, dass man hier noch viel mehr machen kann, aber leider fehlt mir die Zeit. In genau einer Woche werde ich wieder für 60 Stunden die Woche eingesperrt sein (man nennt das auch Arbeiten …) – ich will daran lieber nicht denken, sondern die letzten schönen Tage meiner Reise geniessen! Denn selten habe ich mich so wohl gefühlt, wie in diesen Wochen in Zentral Asien. Einfach nur Reisen, Fotografieren und Schreiben …
Anmerkung: Bilder folgen spaeter, die Internetverbindung hier in Kokand ist katastrophal …
Die Kokons werden gekocht und daraus wird die rauhe Seide gewonnen (links ein wenig zu sehen)
Die Seide wird gefaerbt
In der Seideweberei
Ein Teil der Produktion erfolgt per Hand (dies sind die teuersten Werke)
Und auf diesen uralten Maschinen wird Seide maschinell hergestellt (sehr laut!!!)
Teepause, voruebergehend wird der Maschinenlaerm durch lautes Lachen ersetzt
Zwei der Seidenweberinnen (hier wegen Foto ganz kurz ruhig … )
Als ich am Morgen aufwache, spüre ich, dass ich müde bin. Dass kann nur eins bedeuten und ein Toiletbesuch bestätigt meine Vermutung: schon wieder Durchfall. War es doch das Essen beim Kasgar von gestern? Ich komme deshalb nur langsam in Schwung und möchte an diesem Morgen zuerst meine OVIR Registrierung organisieren. OVIR steht für Office for Visa and Immigration Regulation und ist das gleiche, was es früher auch in der DDR gab (polizeiliche Anmeldung). Zum Glück wohne ich laut Lonely Planet direkt in der Nähe des OVIR Büros und so mache ich mich auf dem Wege. Bei der riesigen Leninstatue angekommen, sehe ich eine ganze Menge Militärs auf der Straße. Das macht mich neugierig und ich mache vorsichtig ein paar Bilder. Als ich erfahre, dass die Parade gleich losgeht, bleibe ich beim Kriegsdenkmal, denn dort wird irgendetwas passieren. Es sind verschiedene Militärs da, welche in blauen Uniformen und welche in grünen. Und natürlich gibt es viele große Mützen und viele Ehrenzeichen. Dann erfahre ich von einem Militär, der ein wenig englisch spricht, dass es sich um ein besonderes Treffen handelt. Wegen meiner großen Kamera werde ich für einen Fotoreporter aus dem fernen Westen gehalten und ich darf überall mit der Nase vorne fotografieren! Die Chance lasse ich nicht ungenützt und so stehe ich mit russichen, tajikischen, kyrgysischen und usbekisischen Kamerateams wortwörtlich mitten im Geschehen. Ich verstehe nur das Wort „Druschba“ (Freundschaft) in den Speeches. Es sind auch einige Kriegsveteranen da, wenn ich es richtig verstehe auch einige aus dem Afghanistankrieg! Dann werden sozialistisch rote Kränze beim Denkmal gelegt und es werden Ehrenschüsse mit AK-47 gefeuert. Machen die aber ein Lärm! Ich erschrecke dermassen (ich sitze 4 Meter vor den Schützen!!!), dass ich von den Ehrenschüssen kein gutes Bild machen konnte. Dann kommt der fotografische Höhepunkt, die Militärs marschieren an der großen Leninstatue vorbei, drehen dort um und stampfen am Kriegsdenkmal vorbei. Es liefert mir in 30 Minuten über 300 Bilder, die unwiederbringlich sind! Am Ende wird nach altem Brauch Brot gegessen, das von einer Frau in traditioneller Kleidung serviert wird. Dann ist die Parade vorbei und ich mache mich auf der Suche nach dem OVIR Büro.
Die OVIR Registrierung kostet mir viel Zeit, denn ich werde immer wieder in eine andere Richtung geschickt. Am Ende setzt jemand mich in ein Taxi, das mir zur richtigen Polizeistelle führt. Dort wird mir gesagt, dass ich zuerst bei der Bank zahlen muss. Also auf der Suche nach der richtigen Bank, die in 30 Minuten Feierabend hat. In der Bank muss ich lange warten, alle drängeln und da ich nicht fitt bin, dauert es, bevor ich mich selber nach vorne drängele und meine Bestätigung kriege. Zurück bei der Polizei geht alles ruckzuck und in wenigen Minuten habe ich für insgesamt EUR 2 das begehrte Stempel im Reisepass. So spare ich mich im Gegensatz zu Tajikistan hoffentlich eine Menge Ärger.
Nun sind die Formalitäten erledigt und ich mache in aller Ruhe einen Stadtbummel. Beim großen Bazar (den ich am Sonntag länger besuchen werde, da dann der größte Markt von ganz Zentral Asien hier statt findet) esse ich einen Happen, denn ich habe doch wieder Hunger bekommen. Ein Obdachloser ißt die Reste von Gästen und trinkt deren Tee aus. Ich fahre mit einem Taxi für wenig Geld nach Hause, lasse mich aber an der Hauptstraße absetzen.
In meiner Straße angekommen, sehe ich, wie ein gerade geschlachtetes Schaf an einem Baum hängt und von den Schlächtern „auseinander genommen“ wird. Das macht mich neugierig und nach einer kurzen Vorstellungsrunde darf ich das Geschehen fotografieren. Daraufhin werde ich in den Innenhof geführt, wo ich Tee trinken muss. Und ich soll doch bitte alles fotografieren. So kann ich wieder drei Babuschkas meiner Fotosammlung hinzufügen. Auch die Essenszubereitung muss ich fotografieren. Der Anlass fuer diese Aktivitaeten ist der einjaehrige Todestag vom Vater des Hauses. Wenn ich gehen will, wird mir gesagt, dass ich, wenn ich möchte, auch das Schlachten der Kuh fotografieren darf. Zuerst zweifele ich, stimme dann aber zu. Die Kuh wird in den Vorgarten geführt, die Beine werden zusammengebunden und dann wird Allah gedankt. Dann geht es schnell, die haarscharfen Messer haben in Sekunden den Hals durchschnitten. Das Blut fließt in einer Grube, die man zuvor gegraben hat. Es ist merkwürdig zuzuschauen, wie ein Tier geschlachtet wird. Was mich dabei am meisten erstaunt, ist dass das Tier noch lange weiter lebt und wild mit den Beinen zappelt. Nach etwa 5 Minuten ist das Tier aber wirklich tot, dass Fell ist dann aber schon längst vom Körper getrennt. Hunde laufen vorbei und trinken das noch warme Blut aus einer große Schale. Die Kinder stehen ganz vorne und helfen beim aussschlachten fleißig mit. Für sie ist es eine große Ehre, eine der vier Beine festhalten zu dürfen. Wenn ich mich verabschiede läuft eine Hirtin mit 4 Schafen an der Szene vorbei. Unvorstellbar, dass ich mich hier im Zentrum (!!) der zweitgrößten Stadt des Landes befinde …
Ein General
Beim Kriegsdenkmal werden Kraenze gelegt
Die Parade faengt an, und ich stehe ganz vorne!
Am Ende der Veranstaltung wird traditionell Brot gegessen
Kaum 20 Minuten nach dem Gebet sieht die Kuh bereits so aus. Achte auf die Jungs!
Der zentrale Ort in Badakhshan ist Murghab. Ursprünglich war es nicht mehr als ein klitzekleines kyrgyschisches Dorf (im östlichen Teil von Badakhshan sind über 70% der Bewohner kyrgysisch, die Grenzen wurden damals nicht nach etnischen sondern nach politischen Kriterien gezogen). Heute ist es das administrative Zentrum der Provinz. Ich bekam dort Ärger mit der Polizei, denn ich hatte mich in Khorog nicht offiziell angemeldet. Es war nur meinem hiesigen Reiseveranstalter zu verdanken, dass ich gut davon kam. Die Anmeldungen in Tajikistan sind überhaupt katastrophal und kosten ausserdem viel Geld. Aber ich hatte nun doch meine polizeiliche Anmeldung, sei es nur für Murghab und also nicht für Khorog (in Dushanbe konnte ich mich einfach im Hotel selber registrieren lassen).
Am Donnerstag, den 15. Mai ging meine Reise weiter nach Kyrgysien. Am Morgen hatte ich in Karakul noch herrlich fotografiert. Denn jeden Morgen verlassen die Yak-, Schaf- und Ziegenherden das Dorf und ziehen in die umliegenden Berge. Nach einem ausgiebigen Frühstück ging es Richtung Grenze. Am Vortag war ich bereits über einen 4.655 Meter hohen Bergpass gekommen und hatte sogar auf der Höhe keinen Altitude Sickness. Jener Pass war hoch, aber nicht spektakulär. Dass änderte sich an der Grenze. Die war ein richtiges Problem, denn nach der Polizei und Zollkontrolle musste ich noch durch die Militärkontrolle. Die dauerte nicht nur ewig, sonder wurde wegen meiner fehlenden Anmeldung aus Khorog zum Drama. Selten ein so irritanten Typen erlebt wie dort bei der Ausreise aus Tajikistan. Welch ein Unterschied zur Einreise, etwa eine Woche vorher! Nachdem endlich das ersehnte Ausreisestempel im Pass stand, gab es noch eine nerventötende Gepäckkontrolle. Da verschwand ab und an mein freundliches Lächeln (denn lächelen und den dummen Tourist spielen half auch hier). Nach gut 2 Stunden war ich aus Tajikistan entlassen, war aber noch nicht in Kyrgysien. Denn eine neutrale Zone von etwa 15 Kilometer trennt beide Grenzposten. Und der Weg zwischen diesen beiden Grenzposten … Weg? Nein, der war komplett weggespült worden, durch einen reissenden roten (!) Fluss. Manchmal war nicht klar, ob wir durch den Fluss fuhren (zum Glück in einem ex-armee Jeep), oder ob der Fluss sich einfach auf die Straße verlegt hatte. Es war auf jeden Fall: spannend. Und ein großes Lob für meinen neuen Fahrer (in Murghab hatte ich Auto und Fahrer gewechselt), wie der fahren konnte, alle Achtung!
Der kyrgysische Seite. Neue Gebäude im Gegensatz zu den maroden Container in Tajikistan. Freundlicher Empfang, ich rauche eine Zigarette mit dem Chef. Der ist als Doktor in der Chemie (warum arbeitet er dann an der Grenze, frage ich mich, aber nicht ihn) interessiert in meinen Tabak. So unterhalten wir uns und er gibt seinen Angestellten deutlich zu verstehen, diesen Tourist schnell einreisen zu lassen. Der Aufenthalt hier, auch wenn es keine anderen Autos gibt, dauert nicht mal eine Halbe Stunde. Das Pamirgebirge verabschiedet sich auf der kyrgysischen Seite leider im Nebel, aber immer noch äußert imposant!
Über die weitere Strecke nach Osh mache ich mich keine Sorgen. Es sind nur noch 180 Kilometer und die Berge sind hier kleiner. Es sollte anders kommen als erwartet. Der erste Pass in Kyrgysien ist zwar nur 3700 Meter hoch, aber mit Abstand der atemberaubendste, den ich je gefahren bin … Viele LKWs aus China (seit einigen Jahren gibt es in dieser Ecke von Kyrgysien einen neuen Grenzposten mit China, der für viel LKW Verkehr sorgt) habe die Sandstraße komplett kaputt gefahren, und bis Osh werde ich bis auf einige „Teststellen“ kein Asfalt mehr sehen. Dafür Schlaglöcher ohne Ende. Auch hier galt ein großes Lob für meinen Fahrer und sein Auto, denn wer hier im –vom Drogenhandel finanzierten- Mercedes oder BMW rumfährt kommt nur schleppend voran. Wir jagten zum Teil mit ganzen 70 km/h über die Piste.
Nach dem steilsten Bergpass meines Lebens fiel mir etwas auf: es gab plötzlich wieder Sträucher, dann sogar Bäume! Nun wusste ich, was mir im östlichen Pamir nicht gefallen hatte: im Hochgebirge gibt es wirklich nur Berge und Benteker (Mini-Sträucher, die man neben Yakscheiß zum heizen benutzt). Und jene baumfreie Umwelt, wie schön sie auch ist, wurde langweilig. Die Berglandschaft im südlichen Kyrgysien (ich werde nur einen Bruchteil vom Land sehen) ist meiner Meinung nach viel schöner als im östlichen Pamirgebirge. Dazu unmengen an wilden Pferden, Yurten, komische Mützen und natürlich Bergmarmotten. Herrlich.
Nach insgesamt 10 Stunden Fahrt für eine Strecke von etwa 220 Kilometer erreichen wir am späten Abend endlich Osh. Zwar werden die letzten 100 Kilomter von Chinesen ausgebaut, Asfalt gibt es trotzdem nicht. Ich fühle mich schmutzig, denn ich habe schon seit Tagen keine Douche mehr gesehen. Nach einem Abendessen (das heute wiederum zu Durchfall führt) und einer warmen Douche schlafe ich in wenigen Minuten ein.
Karakul (4.000 Meter hoch gelegen): morgensfrueh um 7, die yaks werden „aufs Feld“ geschickt:
Am Karakulsee. Der ist zugefroren, obwohl es ein Salzsee ist! Der Berg links vom Maedchen ist Pik Lenin (ca 7.100 Meter hoch):
Tschuess Tajikistan, Tschuess Badakhshan! Ein Bild von der tajikischen Grenze. Oh ja, der Sand links im Bild ist der so genannte „Pamir Highway“ …
Der Taldyk Pass in Krgysien, nahe Sary Tash. Nicht der hoechste (nur 3.615 Meter), aber mit Abstand der spektakulaerste Pass …
Irgendwo zwischen Sary Tash und Osh. Ja, das links ist wiederum unser Weg!
In den letzten Tagen war ich im Pamirgebirge in der tajikischen autonomen Provinz Badakhshan unterwegs. Nach dem Adrenalinkick vom Flug (Dushanbe – Khorog) habe ich mit einer netten Dolmetscherin den Nachmittag in Khorog verbracht. Am nächsten Tag ging es in einem chinesischen Minibus (das sind die $ 1000 Wägelchen, die in Europa nicht durch die TÜV-Tests kommen) ins Wakhan Tal. Man fährt die ganze Zeit an der tajikisch-afghanischen Grenze entlang. Die Landschaft ist wirklich atemberaubend schön! Dazu hat die Gegend auch das nötige zu bieten. Ich nenne nur mal die auf englisch „Hot springs“ genannte Warmwasserquellen, die es im südlichen Teil der Provinz reichlich gibt. Männer und Frauen baden getrennt. Manche dieser hot springs sind wunderschön und sind mehr als angenehm. Mann kennt hier keine Douches, deshalb benutzen die Bewohner die hot springs als öffentliche Bäder.
Badakshan hat unter dem Bürgerkrieg der 90’er Jahre des letzten Jahrhunderts stark gelitten. Die Gegend hat ausser Bergen nichts zu bieten und war vollkommen auf Regierungshilfe angewiesen. Alles ausser Wasser musste aus Dushanbe und vorher Moskau eingeflogen werden. Nun müssen die Pamiri, wie die Bevölkerung hier genannt wird, sich selber irgendwie retten. Die Folge: man wahnt sich in Afrika, dann allerdings im Schnee und auf 4.000 Meter Höhe. Die kleinen Felder werden wieder mit Ochsen bestellt und alles andere wird per Hand gemacht. Geld für Sprit hat man hier nicht, deshalb sieht man hier auch keine Traktors mehr. Afghanistan liegt zwar auf der anderen Seite des Flusses, aber es wird da nicht viel anders aussehen als auf der tajikischen Seite.
Die Gastfreundschaft der hiesigen Menschen kennt wortwörtlich keine Grenzen. Wie oft wir hier zum Essen und Tee Trinken eingeladen werden, kann ich schon gar nicht mehr zählen. Es hat auf jeden Fall viele schöne Bilder der Menschen aus dieser Region geführt.
Mit meinem Fahrer hatte ich am Anfang ein Problem. Er arbeitet nicht für die Firma, wo ich meine Tour gebucht hatte und somit war ich für ihn nur ein Taxifahrer, der selber schon wissen sollte, was er sehen möchte. Ich wiederum ging davon aus, dass der Fahrer genau alle wichtigen Orte und Plätze kennen würde. Tat er aber nicht. Zum Glück war sein Neffe mitgekommen, der gut englisch sprach. Da ich eine sehr detaillierte Liste aus dem Internet (mit allen Sehenswürdigkeiten) bei hatte, konnten wir durch Improvisation doch vieles machen. Ich sagte, was ich wo sehen wollte, und der Neffe fragte dann im jeweiligen Dorf nach, wo zum Beispiel die Tempel, Ruinen usw. waren. Ich konnte zwar nicht alles sehen, was auf meiner Liste stand, dafür führte die improvisierte Tour zu Ereignissen, die normale Touristen nie in ihrem Leben erleben würden.
Nach zwei Tagen im Wakhan Tal (immer mit atemberaubenden Blich auf den Hindukush!!!!) kam ich am dritten Tag endlich auf den bekannten Pamir Highway. Der ist wirklich gottverlassen, am „verkehrsdichtesten Tag“ sind uns gerade ganze 4 Autos begegnet. Die Landschaft scheint hier nicht so spektakulär. Man befindet sich aufm Highway durchschnittlich über 3.500 Meter und dann erscheinen die 6.000’er Berge eher klein! Mit der Höhe hatte ich keine Probleme, auch nicht, als ich auf 4.000 Meter übernachtet habe. Das war in Karakul, kurz vor der Grenze mit Kyrgystan. Da konnte ich China vor der Haustür sehen (nur aus 100 Meter Entfernung). Und wenn man sich in Karakul umdreht und über den gleichnamigen See schaut, sieht man in 60 Kilometer Entferung den Pik Lenin, eins der höchsten Berge der Provinz (etwa 7.100 Meter). In Karakul gab es Nachtfrost, hier habe ich meine Winterklamotten dankbar benutzt.
Kurz noch ein Paar Worte zur Tierwelt. Ich war überrascht, dass es auf 4.000 Meter Höhe noch so viele Tiere zu sehen gibt. Ausser den Yaks (leckerer Butter!) und den ewigen Eseln gibt es sogar noch Vögel, wenn auch nur wenige. Im Wakhan Tal habe ich sogar aus nächster Nähe einen Adler fotografieren können, welch ein imposantes Tier! Und am niedlichsten fand ich die Bergmarmotten, die hier etwa einen halben Meter groß werden. Diese Tiere sieht man überall und werden auch (wegen Fell und Öl) gejagt, aber nicht gegessen. Das verbietet der Koran nämlich.
Badakhshan, welch eine bitterarme und zugleich durch die Warmhärzigkeit der Menschen reiche Gegend!
Die Bergen, hier in der Naehe von Khorog. Hier gibt es noch Baeume
Frauen bereiten das Essen in einem typischen Pamiri-Haus vor:
Ein so genannter „hot spring“ (Heisswasserquelle) – SUPER um darin zu baden:
Ein Mazar, davon gibt es ganz viele. Die Hoerner stammen von den Marco Polo Schafen. Es ist ein kleiner heiliger Ort:
Da habe ich doch glatt vergessen, meine neuesten Beitraege auf den USB Stick zu kopiieren … deshalb versuche ich mal, ein paar Bilder hoch zu laden. Die Kurzfassung der letzten Tage: eine wunderschoene Zeit in den Bergen gehabt, danach nach Kyrgysien gefahren, wo ich seit gestern bin. Heutemorgen durch Zufall eine internationale Armeeparade vor dem riesigen Lenindenkmal fotografiert. Wegen meiner grossen Kamera dachte der Sicherheitsdienst, ich sei ein Auslandskorrespondent. So stand der kleine, dumme Hollaender mit den internationalen Kamerateams GAAANZ vorne und konnte so in 30 Minuten fast 300 echt spektakulaere Bilder machen! Die folgen in Kuerze. Euch allen liebe Gruesse aus Osh, Kyrgysien!
Leider habe ich nur wenig Zeit und schreibe diesen Beitrag im Internetcafe in Khorog. Bin froh, aus Dushanbe weg zu sein, die Stadt ist langweilig und heiss.
Im ersten oder zweiten Beitrag (siehe unter April) hatte ich bereits einen Film ueber den Flug von Dushanbe nach Khorog gezeigt. Ich hatte das Glueck, den gleichen Flug machen zu koennen. In den letzten Tagen wurde der Flug staendig wegen schlechten Wetters in den Bergen gecancelled. Dieser Flug ist UN-VOR-STEL-BAR!!!!!!!!!!!! Es ist ein kleiner Yak-40, in dem gerade 18 Reisende Platz haben. Nach einer halben Stunde Flug scheint es, ob der Flieger immer niedriger fliegt. Aber nein! Die Berge werden einfach immer hoeher und hoeher, bis sie schliesslich sogar weit oben dem Flieger zu sehen sind. Es gibt viel turbulenz und sogar der Autofocus meiner Kamera hat damit Schwierigkeiten. Ich nicht, ich bin so was von BAFF ueber diesen Flug, dass ich mich selber darauf ertappe, mit offenem Mund aus dem Fenster zu schauen.
Die Geschichten, die ich gelesen hatte, stimmen wirklich. Man hat das Gefuehl, dass die Fluegel vom FLieger die Berge beruehren, so WAHNSINNIG nah kommt man an den Bergen heran. Es ist das erste Mal im Leben, wo ich eingestehen muss, dass Video das ganze besser zeigt als meine 150 Bilder. Ich habe keine Zeit gehabt, die Bilder auszusuchen. Ich koennte noch Stunden lang ueber diesen Flug schwaermen, dass mache ich aber in einem spaeteren Beitrag (und dann mit ein paar Bildern!).
Bin in den naechsten Tagen in der Wildniss unterwegs und melde mich wieder, wenn ich in Osh (Kyrgyzien) bin. Nun gehe ich wieder 5.000′er Berge fotografieren!
Auch wenn ich kein Morgenmensch bin (das bin ich nämlich überhaupt nicht), werde ich vor allem in Dushanbe immer sehr früh wach. Nachts habe ich die Fenster offen, damit etwas frische Luft in meine russische Bude eintreten kann. Und da es um jene Uhrzeit schon reichlich Straßenverkehr und vor allem viel Vögelgeschwätzer gibt, war ich auch am Donnerstag um 6 Uhr wach, aber noch nicht putz munter. Das war ich allerdings schon um 7, und nach dem Duschen war es höchste Zeit für einen Ausflug. Tagsüber erreichen die Temperaturen hier schon fast die 40°C Marke und dann ist es hier einfach HEIß!
Die Fahrt nach Hissor war völlig unkompliziert. Mittlerweile kostet es keine Mühe mehr, herauszufinden, wo man genau sein muss. In diesem Falle hatte auch der Lonely Planet eine relativ akkurate Beschreibung. Die Fahrt war schön. Unterwegs sah ich zum ersten Male eine Leninstatue. Leider konnte ich nicht fotografieren, dass ist der Nachteil, wenn man im Bus unterwegs ist.
In Hissor umgestiegen auf Sammeltaxi und so war ich bereits um 9 Uhr morgens bei der Kala (Festung). Vor der Burcht stehen zwei Medressen, eine davon wie fast überall in ein Museum umgewandelt. Die Zutrittskarte war genial und ist das Toppstück dieser Reise, denn sie stammt noch aus SSR Zeiten! Die Festung wurde Anfang des 20. Jahrhunderts vernichtet (es hatten sich die Vorfahren der heutigen Muhaddin da drinne verschanzt und die Russen kannten keine Gnade, auch nicht mit der Festung). Im inneren der einst gigantischen Festung werden heute Kühe geweidet. Die Kinder sammeln mit blossen Händen den Kuhscheiß, die von den Muttern zu runden „Keksen“ geformt werden und in der Sonne trocknen. Sie dienen dann als Brennstoff. Nach einer Runde durch das Dorf (die Festung liegt etwa 7 Kilometer ausserhalb von Hissor) ging es im Sammeltaxi nach Hissor und per Marschrutka nach Dushanbe (Betonung auf der letzten Silbe, was merkwürdig klingt). Um die Mittagszeit war ich in der Hauptstadt zurückgekehrt. Ruinen sind nicht so interessant, die sehen alle gleich aus, egal wo man ist.
Nachmittags in aller Ruhe durch die Stadt geschlendert und den russischen sowie den jüdischen Friedhof besucht. Beide sind sehr schön (liegen in einem kleinen Tal und sind wie ein schöner Park), grün und vor allem: extrem groß. Das hatte ich nicht erwartet. Im Jüdischen Friedhof, wo ich wegen der Hitze völlig durchgeschwitzt rumlief, wurde ich vom tajikischen Friedhofsarbeiter auf einen Tee eingeladen. Er sprach sehr langsam russisch, dadurch konnte ich seine Geschichten relativ gut verstehen.
Heuteabend in einem viel zu teurem Restaurant gegessen, wo viele ausländische Geschäftsleute waren. Die Diskrepanz zwischen Gesprächen über die billigsten Nutten, das coolste Bier, meine Tochter ist mit Obama befreundet und den Bettlern in der Stadt war auf dieser Reise noch nie so extrem wie hier. Ich habe das Gefühl, dass mit westlichen Steuergeldern ein paar Geschäftsleute extrem viel Geld verdienen … Mir gefällt dieses Millieu nicht, ich streife lieber durch Altstadtgäßchen, wo die Leute zumindest aufrichtig sind.
Die Festung von Hissar
Im Inneren der Festung laufen Kuehe herum, im Hintergrund das Hissargebirge
Die „Festungskinder“
Das Bild vom Fleischer im vorigen Beitrag habe ich nicht ohne Grund gezeigt. Denn am Dienstag, den 6. Mai hatte es nun auch mich erwischt: Magen-Darm Infekt. Kein Reisender in dieser Gegend bleibt verschont, so habe ich den Eindruck. Und nun war ich also dran. Nichtdestotrotz die Reise nach Dushanbe angefangen, auch wenn ich alles ausser fitt war. Mit den ersten Taxifahrer in Richtung Grenze bekamen wir noch in der Stadt Ärger, er wollte mehr Geld haben. Er hatte Pech, denn ich war relativ schlecht drauf und habe ihn zum Markt zurückgeflucht. Dort wurden wir sofort von mehreren Dutzenden von Taxifahrern umringt, die aber alle den gleichen Preis haben wollten. Da hatte ich in Tortkol mehr Glück, denn dort erzählte ein kleiner Junge, was die Marschrutkas kosten und somit konnten meine tschechischen Freunde für das Taxi Tortkol – Urgench den Preis einer Marschrutka-Fahrt bedingen.
Auch wir kamen von Denau im Marschrutka weg. Wie immer wurde der Preis von vornerein ausgehandelt und festgelegt. Aber wir waren nun doch endlich auf dem Wege zur Grenze. Unterwegs stieg der berühmte Bruder ein, der auch mit zur Grenze fuhr. Unterwegs fürchtetet Rutger schon, dass wir auch die anderen, leeren Sitzen bezahlen müssten. Und er sollte recht bekommen. Ihm bereitete ausserdem Sorgen, dass die Fahrt zur Grenze viel länger dauerte als angenommen. Sowohl er als ich dachten, es seien von Denau bis zur Grenze 20 Kilometer, es waren aber viel mehr. Deshalb haben wir unseren Marschrutka angehalten und nochmals gefragt, ob wir auf dem Wegen zur richtigen Grenzstelle sind. Gerade da zeigte sich, dass wir uns direkt an der Grenze befanden. Nachdem wir gezahlt hatten (und wir mussten also das doppelte Zahlen als ausgehandelt, da es 3 leere Plätze gab) ging es zu Fuß weiter zur Grenze.
Die Grenze war erstaunlich ruhig. Auch hier weit und breit keine Touristen, die kommen hier nur vereinzelt. Das hatte den Vorteil, das wir immer wieder schnell ins Auge gefasst wurden und somit schnell über die Grenze kamen. Auf der usbekischen Seite half ein zivil gekleideter taub-stummer Mann den Grenzbeamten. Der gab eine Show vom Feinsten zum Besten! Ausserdem konnten wir durch mime erstaunlich gut mit ihm kommunizieren. Bei hübschen Mädchen (er hatte uns bereits gefragt, ob wir verheiratet seien), war er einfach super frech! Er zeigte deutlich, ob sie hübsch waren oder ob nicht, und wenn sie hübsch waren … na, die Gebärden kann ein jeder sich wohl denken.
Mich viel, trotz fieber, auf, wie rau der Umgang mit den örtlichen Bewohnern war. Manch eine (es waren fast nur Frauen, die die Grenze überquerten) wurde barsch zurück geschickt. Uns gegenüber war man freundlich und neugierig. Das Ausreiseverfahren ging schnell und umkompliziert. Rutger war dabei immer positiv und optimistisch, er hat dafür auch genug Reiseerfahrung um sowas einschätzen zu können. Seine Einstellung machte es für mich viel erträglicher diese –wenn auch kurze- Reise zu machen. Alleine wäre ich bestimmt noch einen Tag in Denau geblieben.
Zu Fuß ging es weiter zur Einreise in Tajikistan. Auch hier ging alles schnell und wir wurden als ausländische Touristen an die wartenden vorbei geschickt. Wir wurden an einen Grenzbeamten verwiesen, der in aller Ruhe „America’s funniest home videos“ im Fernsehen guckte. Das die Atmosphere dementsprechend entspannt war, versteht sich. Nachdem der Einreisestemple im Pass stand, gab es noch eine weitere Kontrolle (Gepäck), der aber sehr locker war. Und dann waren wir in Tajikistan!
Für $ 20 fanden wir schnell ein Daewoo Nexia, der uns nach Dushanbe brachte. Da ich mich nicht wohl fühlte, wollte ich nicht im kleinen Lada die 66 Kilometer zurücklegen. Was sofort auffiel: das Land ist viel grüner als Usbekistan! Dazu ein strahlend blauer Himmel und im Hintergrund die ersten 3000’er Bergen (das eigentliche Hissargebirge). Der Anfang konnte nicht schöner sein. Schon an der Grenze hatten wir viele Hammer und Sichel gesehen. Unterwegs kamen dazu noch viele tajikische Fahnen. Das Land ist eine bunte Mischung aus alt (= sozialistisch) und neu. Es sieht wohl so aus, als können man sich nicht von der Sovjet Ära verabschieden. Die Polizeimützen sind hier auch noch nach Sovjetmuster (= groß!) gemacht.
In Dushanbe haben wir uns im gleichnahmigen Hotel eingecheckt. Das war etwas kompliziert, denn ich wollte unbedingt ein Zimmer für mich selber haben. Nach ein wenig hin und her bekamen wir es aber genau so, wie wir es gerne haben wollten. Die Frau an der Rezeption (über die ich im Internet gelesen hatte), ist aber wirklich fabelhaft hilfreich und bleibt immer freundlich! Die Jungs machten sich vom Acker, ich habe mich dann schlafen gelegt. Dieser Tag war für mich gelaufen, ich war leer und KO. Ich denke, dass mein Reisetempo (zu hoch) und die Temperaturen (auch hoch, heute waren es hier weit über 35 °C) auch einiges dazu beigetragen haben.
Nach 20 Stunden Schlaf fühlte ich mich heute, Mittwoch, den 7. Mai, schon deutlich besser als gestern. Der Darmtrakt ist zwar immer noch etwas unruhig, aber ich war wieder auf Achse, sei es mit halber Geschwindigkeit. Am Flughafen wollte ich mir das Ticket für Samstag (nach Khorog) besorgen, aber die werden erst am Vortag verkauft. Danach bin ich in aller Ruhe durch die Stadt geschlendert. Die ist herrlich grün, hat viele große Bäume (das sieht man in Usbekistan so gut wie nicht). Sie hat aber keine richtige Altstadt. Dushanbe (Betonung übrigens auf die letzte Silbe!) war bis vor 80 Jahren nur ein armes Dorf, wurde dann aber Dank Stalin plötzlich zur Hauptstadt. Somit ist sie nicht hübsch, brummt aber vor Aktivitäten. Die Menschen hier sind dazu kunterbunt. Mal fühlt man sich wie in Pakistan (Kopftücher) , dann wie in Moskau (Minirock), dann irgenwo auf dem Land (traditionelle Kleidung). Heute habe ich mit einem afghanischen Flüchtling gegessen (ich hatte wieder Hunger!). Davon gibt es hier viele. Langsam verstehe ich auch, warum man hier so viele UN und andere NGO Fahrzeuge sieht. A propos Autos. War Usbekistan deutlich Lada und Daewoo Land, hier sind man überraschend viele Opels und andere europäische Autos. Und dass, obwohl dieses Land das ärmste der GUS Staaten ist. Ich schätze, dass das durchschnittliche Monatseinkommen hier gerade mal $ 50 beträgt (Usbekistan: $ 100). Man spürt übrigens, dass die Stadt dem 9. Mai (Nationalfeiertag) entgegenfiebert. Überall hangen große Plakate, die auf 63 Jahr Freiheit hinweisen, dazu sieht man oft dekorierte Veteranen rumlaufen. Ich habe mich deshalb dafür entschieden, den 9. Mai wegen der Parade in Dushanbe zu verbringen. Am Samstag geht es dann (hoffentlich) per Flieger weiter nach Khorog.
Blick auf die Berge (vom Hotel aus fotografiert)
Was haben Reichstag und in China hergestellte Schuhe mit einander zu tun ???
Das Kriegsdenkmal (aber man fahrt sehr gerne Mercedes und Opel)
Auch einige Schulen werden fuer den 9. Mai geschmuckt
In Tajikistan noch all gegenwaertig: Hammer und Sichel
Neue Denkmaeler mit neuen Nationalhelden fuer ein armes Land








































