Die letzten Zeile dieser Reise werden in Berlin geschrieben. Am letzten Tag war ich in Tashkent zu beschäftigt um den abschließenden Beitrag schreiben zu können.

Am Donnerstagmorgen, den 22. Mai hatte ich mich in Kokand durch einen Taxifahrer beim Sammelpunkt für die Richtung Tashkent absetzen lassen. Ich hatte mich für die bevorstehende Fahrt auf intensives Preisverhandeln eingestellt. Denn im Lonely Planet hiess es irgendwo, dass diese Strecke verhältnismäßig teuer sei. Alsbald wenn ich am Sammelpunkt angekommen bin, wird mein großer Rucksack bereits zu einem bereitstehenden Auto gebracht. Die Preisverhandlungen finden im Gehen statt und es dauert nicht mal eine Minute bis der Verhandlungsführer und ich uns einig sind (12.000 Som, ca. € 6,- , genau so wie es im LP steht). Ich bin verwundert aber froh. Wir fahren gleich los. Die Strecke führt über einen Bergkamm, die Straßen sind wie fast überall im Fergana Tal gut bis sehr gut. Unterwegs werden sogar die Reisepässe kontroliert, das habe ich in Usbekistan nur wenig erlebt. Unterwegs ist nocht gut die alte Trasse zu sehen, die wesentlich spektakulärer als die neue Strasse war. Dafür kommen wir aber gut voran, sei es seeeeehr langsam. Der Fahrer hat es nicht eilig und plappert ohne Ende mit den anderen Reisenden. Ich fange an, mich darüber zu ärgern, schließlich habe ich in Tashkent noch ein volles Programm! Wenn wir in unserem Daewoo sogar durch ein vollbesetztes Lada überholt werden, gebe ich meinem Ärger Luft und der Fahrer erinnert sich zumindest vorübergehend an die Funktion vom Gaspedal. Nichtdestotrotz brauchen wir mehr als 3 Stunden für die Fahrt von Kokand nach Tashkent.

Rund 13:00 kommen wir endlich in Tashkent an und dort kriege ich Antwort auf 2 Fragen. Im Kofferraum waren unterm normalen Gepäck noch viele technische Geräte (frisch aus China importiert?) versteckt. Auch unter den Fussmatten im ganzen Auto lagern frische Waren aus China. Deshalb wurde so vorsichtig und behutsam gefahren! Und der Gütertransport erklärt auch, warum die Preisverhandlung so flott ging, schließlich hatte der Fahrer die Einkünfte von den üblichen 4 Reisenden und dazu hat er vermutlich noch ein „Beförderungsgeld“ für die Handelsware bekommen. Nachher werde ich vor meinem Hotel abgesetzt und quartiere mich dort ein. Ich übernachte nicht bei Ali, wie am Anfang meiner Reise. Gerne hätte ich mit ihm noch ein Wodka (das wären aber 5 geworden) getrunken, aber ich brauche einen wake up call und dazu mitten in der Nacht ein Taxi zum Flughafen. Beides ist in diesem Hotel schnell organisiert.

Tashkent zeigt sich mir an diesem letzten Tag meiner Reise von ihrer schönsten und wärmsten Seite. Es ist sonnig und heiss. Wegen der Hitze benutze ich die U-Bahn sehr intensiv, die ist nicht nur billig, sondern auch sehr schön. Und Ärger mit der Polizei gibt es keinen.

Als erstes besuche ich das „Crying Mother“ Denkmal. Das Denkmal erinnert an die Opfer, die im Zweiten Weltkrieg gebracht worden sind (400.000 tote Usbeken) und weinende Mütter zurückliessen.


Mein zweiter Programmpunkt befindet sich nicht weit davon entfernt. Um dort zu kommen, muss ich jedoch einen der vielen großen Boulevards überqueren. Und dafür macht man keinen Umweg, sondern überquert die Straße einfach da, wo man gerade ist (dass musste ich mich in Berlin zuerst wieder abgewöhnen!).


Tashkent wurde 1966 von einem schweren Erdbeben getroffen, dabei sind große Teile der Stadt zerstört worden und 300.000 Menschen wurde obdachlos. Die Stadt heutzutage denn auch deutlich in eine Neu- und Altstadt zu trennen, wobei Neustadt wortwörtlich zu nehmen ist. Hier wird noch ohne Ende neugebaut.


Auf dem Wege zur Altstadt suche ich drei Mausoleen, die auf meiner Karte eingezeichnet sind. Nach längerem suchen finde ich sie, sie befinden sich auf dem Gelände der muslemischen Universität. Es brauchte einige Überredungskunste, um auf dem Gelände zu kommen. Leider werden die Gebäude von großen Bäumen umsäumt und können somit kaum fotografiert werden. Das ist anders mit der Juma-Moschee (Freitagsmoschee), die sich am Rande der Altstadt und am Rande des Bazars befindet. Mit ihren silberfarbigen Kupeln mutet sie fremd an.

Nach einer kleinen Stärkung in Form von Kebabs und Softeis mache ich mich auf, in den letzten Stunden vor Sonnenuntergang die Altstadt zu erkunden. Da kleine Wolken nun ab und an die Sonne verdecken, frage ich einen Passanten, wo sich die große Medresse befindet. Er lächelt freundlich und führt mich durch den Wirrwarr von kleinen Gäßchen. Und dann stehe ich im letzten Abendlich vor einem der touristischen Highlights von Tashkent. Die Moschee, die Medresse und 2 oder 3 Mausoleen baden im goldenen Abendlicht. Ich bin glücklich und zufrieden, ich habe alles an diesem Nachmittag geschafft, was ich mir vorgenommen hatte.


Zu meiner Überraschung laufen mitten in der Stadt 2 Störche herum, die ausgiebig von den Einheimischen und von den hier zahlreichen Touristen bestaunt werden. Nicht weit davon entfernt, an einem Springbrunnen, sitzen nochmals 2 Störche. Eine Schafsherde läuft ohne umzuschauen an den beiden Vögeln vorbei. Am Bazar übt  ein kleiner Junge Formell Eins fahren mit seinem Esel. Ich geniesse, Tashkent verabschiedet sich von mir in einer Art, von der ich nur träumen kann. Herrlich, so habe ich dieses Land kennen und lieben gelernt!

Abends esse ich noch einmal Hünchen im Boburpark, trinke mein Bier dazu und blicke müde aber glücklich auf 5 unvergesslich schöne Wochen zurück.

–ENDE–