Es ist heiss, nicht einfach so heiss, sondern siedend heiss. Auch die hiesige Bevölkerung schwitzt ohne Ende. Es ist Mittwoch, der 21. Mai und ich habe noch eine Exkursion aufm Programm. Trotz einer langen Nacht bin ich am Morgen müde, es sind in diesem Fall aber die Kollateralschäden der Hitze. Ich will aber relativ früh raus, denn in der Stadt wo ich für $ 5 per Nacht übernachte (Kokand), will ich im Morgenlicht den Palast des Khans fotografieren. Den Palast hatte ich bereits am Vortag besucht. Dieser Khan, hat der lustig gelebt! Der Islam genehmigt einem Mann „nur“ vier Frauen. Der Khan aber fand 4 zu wenig und hatte mit dem Imam der Stadt einen Deal geschlossen: seine insgesamt 44 Frauen wurden ab der fünften Frau (Mädchen, müsste man sagen) nicht mehr verheiratet, sondern jeweils einfach als one-night-stand vom Imam abgesegnet. So konnte der Khan je nach Lust einen Apfel zu seinem Augenapfel werfen – und er hatte dabei also reichlich auswahl. Vom Palast ist nicht mehr viel übrig, denn die Russen hatten in dieser Gegend Anfang des 20. Jahrhunderts viel moslemische Wiederstandskämpfer, sogeannte Bachmachi, zu bekämpfen und hatten kein Problem damit, den einen oder anderen Palast komplett oder teils zu vernichten. Die Räume die aber geschont wurden, sind sehr schön und sind heute ein Museum.
Nach einem Frühstück am Busbahnhof (mein $ 5 Hotel hat sogar fließendes warmes Wasser, aber kein Frühstück) geht es im Sammeltaxi über Bagdad und Boston (keine Lüge!) nach Rishton. Rishton ist eine Stadt südlich von Kokand und liegt an der Grenze zu Kyrgystan. Sie ist bekannt für ihre uralte Keramiktradition. Gewappnet mit dem Lonely Planet und einem zweiten, besseren Reiseführer mache ich mich auf der Suche nach zwei kleinen Werstätten. Ich werde aber sofort zur Keramikfabrik geschickt, die etwa einen Kilometer östlich vom Zentrum liegt. Die Fabrik ist herrlich, denn sie ist alt, schmutzig und „kaputt“, wie ein geschätzter Kollege von mir sagen würde. Für mich also gefundenes Fressen!
Ich werde zuerst zum Portier geführt und kriege einen Begleiter, der mich sofort zu einer kleinen Halle ganz hinten auf dem Gelände bringt. Erst ist aber bald verschwunden. In der Halle kann ich die ersten schönen Porträts machen. In einer dunklen Ecke der Halle machen zwei Frauen und deren Aufsicht Pause und ich werde sofort zum Tee eingeladen. Es ist zum ersticken so heiß in der Halle, die nicht nur von der Sonne, sondern auch von mehrerern Öfen geheizt wird. Der Tee ist also sehr willkommen. Und so fühlt man sich hier auch als Besucher: willkommen! Mir fällt auf, das man häufig mit dem muslemischen Zeichen für Dankbarkeit empfangen wird: man macht mit den Händen eine Bewegung von oben nach unten am Gesicht entlang. Dieses Gebärde sieht man auch, wenn man an einem Friedhof, oder an einer heiligen Stelle vorbei fährt. Nach dem Essen, oder am Ende eines Gebets oder einer Koranlesung macht man dieses Gebärde auch, dann werden zusetzlich nach dem „Streicheln“ des Gesichts die Hände mit den Handpalmen nach oben gehalten, während man „Allah-u-akhbar“ sagt. Vor allem, wenn ich bei Leuten privat zum Essen eingeladen war, oder wenn ich beim Gebet eines Khalifs oder Imams anwesend war, habe ich das aus Respekt auch gemacht. Ich hatte dabei das Gefühl, dass das sehr geschätzt wurde (aber vielleicht kann ein Islamexperte mich da eines Besseres belehren, falls ich daneben liege – Rob?).
Auch wenn die Keramikfabrik eine Fabrik ist, so ist der Herstellungsprozess für 90% Handarbeit. Die Fabrik beschäftigt denn auch eine Menge Arbeiter, darunter viele Kinder! Der Rohstoff wird hier direkt in der Gegend gewonnen und liegt nur einen Meter tief im Boden (ich komme nicht auf das deutsche Wort für „clay“ / „klei“ (EN, NL). Die Keramikproduktion ist hier denn auch tausende von Jahren alt, dabei hat sich nur die Technik der Glasur geändert. Der Rohstoff aus dieser Gegend ist so pur, dass sie nur grob gereinigt werden muss und dann sofort verarbeitet werden kann.
Draussen in der Sonne werden die Rohlinge zum ersten Male getrocknet, bekommen dann eine weisse Lackierung, danach werden sie per Hand gemalt (manchmal aber mit Hilfe von Schablonen) und werden dann zum ersten Male im Ofen (12 Stunden lang) getrocknet (und müssen dann nochmals 12 Stunden kühlen). Dann bekommen sie die endgültige Glasierung und werden dann nochmals 12 Stunden gebacken. Die Fabrik stellt am Tag über 1.000 Stück Keramik her, von kleinen Tellern bis großen Blumentöpfen. In einer Halle entdecke ich einige Sonderstücke für das Hotel der Frau des Presidenten (Hotel Asia in Bukhara).
Dann treffe ich durch Zufall einen „Master“, der im Lonely Planet erwähnt wird. Er lädt mich zu seiner Werkstatt ein. Im Auto fahren wir von ost nach west durch die Stadt. Die Werkstatt ist klein und bietet mir im Gegensatz zur Fabrik keine Fotomotive. Dafür hat die Werkstatt ein kleines aber feines Museum, und eins seiner Schüler spricht gut englisch und zeigt mir den ganzen Prozess nochmals, ohne das es für mich langweilig wird. Ich finde seine Werkstatt aber sehr kommerziell, man ist hier –im Gegensatz zur Keramikfabrik- Touristen mehr als gewohnt. Und genau so wie in der Seidefabrik gilt für mich: je weniger Touristen, um so interessanter wird es. Sollte ich noch mal in dieser Gegend kommen, dann werde ich auch die staatlichen Seidefabriken besuchen. Man kommt ohne Problem herein und ist meist sichtlich erfreut über den ausländischen Besuch.
Den Nachmittag verbringe ich mit Lesen und Kebabs in einer Chaikhana. Die Hitze ist unerträglich und es sieht aus, als würde Regen kommen. Der kommt am Abend, bringt aber keine Abkühlung.
Der Palast vom Khan und seinen Frauen
Auch in der Fabrik wird vieles per Hand gemalt
Blick in einen der Oefen, alles wird per Hand gestapelt
Draussen trocken die Rohlinge in der Sonne (und auch die werden per Hand bemalt)
Auch in dieser Fabrik: viel Spass bei der Arbeit
In der kleinen Werkstatt: Beispiele fuer Keramik aus Rishton







1 comment
Comments feed for this article
27 Mai , 2008 um 9:11
petra
Moi Ger,
Bist al weer thoes???? Mooie vakaansie had zo heb’n we lez’n doan.
We bin’n arg naisgierig noar dien verhoalen.
N knoffel vanuit Hoogezaand
Moiiiiiiii