Der zentrale Ort in Badakhshan ist Murghab. Ursprünglich war es nicht mehr als ein klitzekleines kyrgyschisches Dorf (im östlichen Teil von Badakhshan sind über 70% der Bewohner kyrgysisch, die Grenzen wurden damals nicht nach etnischen sondern nach politischen Kriterien gezogen). Heute ist es das administrative Zentrum der Provinz. Ich bekam dort Ärger mit der Polizei, denn ich hatte mich in Khorog nicht offiziell angemeldet. Es war nur meinem hiesigen Reiseveranstalter zu verdanken, dass ich gut davon kam. Die Anmeldungen in Tajikistan sind überhaupt katastrophal und kosten ausserdem viel Geld. Aber ich hatte nun doch meine polizeiliche Anmeldung, sei es nur für Murghab und also nicht für Khorog (in Dushanbe konnte ich mich einfach im Hotel selber registrieren lassen).

Am Donnerstag, den 15. Mai ging meine Reise weiter nach Kyrgysien. Am Morgen hatte ich in Karakul noch herrlich fotografiert. Denn jeden Morgen verlassen die Yak-, Schaf- und Ziegenherden das Dorf und ziehen in die umliegenden Berge. Nach einem ausgiebigen Frühstück ging es Richtung Grenze. Am Vortag war ich bereits über einen 4.655 Meter hohen Bergpass gekommen und hatte sogar auf der Höhe keinen Altitude Sickness. Jener Pass war hoch, aber nicht spektakulär. Dass änderte sich an der Grenze. Die war ein richtiges Problem, denn nach der Polizei und Zollkontrolle musste ich noch durch die Militärkontrolle. Die dauerte nicht nur ewig, sonder wurde wegen meiner fehlenden Anmeldung aus Khorog zum Drama. Selten ein so irritanten Typen erlebt wie dort bei der Ausreise aus Tajikistan. Welch ein Unterschied zur Einreise, etwa eine Woche vorher! Nachdem endlich das ersehnte Ausreisestempel im Pass stand, gab es noch eine nerventötende Gepäckkontrolle. Da verschwand ab und an mein freundliches Lächeln (denn lächelen und den dummen Tourist spielen half auch hier). Nach gut 2 Stunden war ich aus Tajikistan entlassen, war aber noch nicht in Kyrgysien. Denn eine neutrale Zone von etwa 15 Kilometer trennt beide Grenzposten. Und der Weg zwischen diesen beiden Grenzposten … Weg? Nein, der war komplett weggespült worden, durch einen reissenden roten (!) Fluss. Manchmal war nicht klar, ob wir durch den Fluss fuhren (zum Glück in einem ex-armee Jeep), oder ob der Fluss sich einfach auf die Straße verlegt hatte. Es war auf jeden Fall: spannend. Und ein großes Lob für meinen neuen Fahrer (in Murghab hatte ich Auto und Fahrer gewechselt), wie der fahren konnte, alle Achtung!

Der kyrgysische Seite. Neue Gebäude im Gegensatz zu den maroden Container in Tajikistan. Freundlicher Empfang, ich rauche eine Zigarette mit dem Chef. Der ist als Doktor in der Chemie (warum arbeitet er dann an der Grenze, frage ich mich, aber nicht ihn) interessiert in meinen Tabak. So unterhalten wir uns und er gibt seinen Angestellten deutlich zu verstehen, diesen Tourist schnell einreisen zu lassen. Der Aufenthalt hier, auch wenn es keine anderen Autos gibt, dauert nicht mal eine Halbe Stunde. Das Pamirgebirge verabschiedet sich auf der kyrgysischen Seite leider im Nebel, aber immer noch äußert imposant!

Über die weitere Strecke nach Osh mache ich mich keine Sorgen. Es sind nur noch 180 Kilometer und die Berge sind hier kleiner. Es sollte anders kommen als erwartet. Der erste Pass in Kyrgysien ist zwar nur 3700 Meter hoch, aber mit Abstand der atemberaubendste, den ich je gefahren bin … Viele LKWs aus China (seit einigen Jahren gibt es in dieser Ecke von Kyrgysien einen neuen Grenzposten mit China, der für viel LKW Verkehr sorgt) habe die Sandstraße komplett kaputt gefahren, und bis Osh werde ich bis auf einige „Teststellen“ kein Asfalt mehr sehen. Dafür Schlaglöcher ohne Ende. Auch hier galt ein großes Lob für meinen Fahrer und sein Auto, denn wer hier im –vom Drogenhandel finanzierten- Mercedes oder BMW rumfährt kommt nur schleppend voran. Wir jagten zum Teil mit ganzen 70 km/h über die Piste.

Nach dem steilsten Bergpass meines Lebens fiel mir etwas auf: es gab plötzlich wieder Sträucher, dann sogar Bäume! Nun wusste ich, was mir im östlichen Pamir nicht gefallen hatte: im Hochgebirge gibt es wirklich nur Berge und Benteker (Mini-Sträucher, die man neben Yakscheiß zum heizen benutzt). Und jene baumfreie Umwelt, wie schön sie auch ist, wurde langweilig. Die Berglandschaft im südlichen Kyrgysien (ich werde nur einen Bruchteil vom Land sehen) ist meiner Meinung nach viel schöner als im östlichen Pamirgebirge. Dazu unmengen an wilden Pferden, Yurten, komische Mützen und natürlich Bergmarmotten. Herrlich.

Nach insgesamt 10 Stunden Fahrt für eine Strecke von etwa 220 Kilometer erreichen wir am späten Abend endlich Osh. Zwar werden die letzten 100 Kilomter von Chinesen ausgebaut, Asfalt gibt es trotzdem nicht. Ich fühle mich schmutzig, denn ich habe schon seit Tagen keine Douche mehr gesehen. Nach einem Abendessen (das heute wiederum zu Durchfall führt) und einer warmen Douche schlafe ich in wenigen Minuten ein.

Karakul (4.000 Meter hoch gelegen): morgensfrueh um 7, die yaks werden “aufs Feld” geschickt:

Am Karakulsee. Der ist zugefroren, obwohl es ein Salzsee ist! Der Berg links vom Maedchen ist Pik Lenin (ca 7.100 Meter hoch):

Tschuess Tajikistan, Tschuess Badakhshan! Ein Bild von der tajikischen Grenze. Oh ja, der Sand links im Bild ist der so genannte “Pamir Highway” …

Der Taldyk Pass in Krgysien, nahe Sary Tash. Nicht der hoechste (nur 3.615 Meter), aber mit Abstand der spektakulaerste Pass …

Irgendwo zwischen Sary Tash und Osh. Ja, das links ist wiederum unser Weg!