Auch wenn ich kein Morgenmensch bin (das bin ich nämlich überhaupt nicht), werde ich vor allem in Dushanbe immer sehr früh wach. Nachts habe ich die Fenster offen, damit etwas frische Luft in meine russische Bude eintreten kann. Und da es um jene Uhrzeit schon reichlich Straßenverkehr und vor allem viel Vögelgeschwätzer gibt, war ich auch am Donnerstag um 6 Uhr wach, aber noch nicht putz munter. Das war ich allerdings schon um 7, und nach dem Duschen war es höchste Zeit für einen Ausflug. Tagsüber erreichen die Temperaturen hier schon fast die 40°C Marke und dann ist es hier einfach HEIß!

Die Fahrt nach Hissor war völlig unkompliziert. Mittlerweile kostet es keine Mühe mehr, herauszufinden, wo man genau sein muss. In diesem Falle hatte auch der Lonely Planet eine relativ akkurate Beschreibung. Die Fahrt war schön. Unterwegs sah ich zum ersten Male eine Leninstatue. Leider konnte ich nicht fotografieren, dass ist der Nachteil, wenn man im Bus unterwegs ist.

In Hissor umgestiegen auf Sammeltaxi und so war ich bereits um 9 Uhr morgens bei der Kala (Festung). Vor der Burcht stehen zwei Medressen, eine davon wie fast überall in ein Museum umgewandelt. Die Zutrittskarte war genial und ist das Toppstück dieser Reise, denn sie stammt noch aus SSR Zeiten! Die Festung wurde Anfang des 20. Jahrhunderts vernichtet (es hatten sich die Vorfahren der heutigen Muhaddin da drinne verschanzt und die Russen kannten keine Gnade, auch nicht mit der Festung). Im inneren der einst gigantischen Festung werden heute Kühe geweidet. Die Kinder sammeln mit blossen Händen den Kuhscheiß, die von den Muttern zu runden „Keksen“ geformt werden und in der Sonne trocknen. Sie dienen dann als Brennstoff. Nach einer Runde durch das Dorf (die Festung liegt etwa 7 Kilometer ausserhalb von Hissor) ging es im Sammeltaxi nach Hissor und per Marschrutka nach Dushanbe (Betonung auf der letzten Silbe, was merkwürdig klingt). Um die Mittagszeit war ich in der Hauptstadt zurückgekehrt. Ruinen sind nicht so interessant, die sehen alle gleich aus, egal wo man ist.

Nachmittags in aller Ruhe durch die Stadt geschlendert und den russischen sowie den jüdischen Friedhof besucht. Beide sind sehr schön (liegen in einem kleinen Tal und sind wie ein schöner Park), grün und vor allem: extrem groß. Das hatte ich nicht erwartet. Im Jüdischen Friedhof, wo ich wegen der Hitze völlig durchgeschwitzt rumlief, wurde ich vom tajikischen Friedhofsarbeiter auf einen Tee eingeladen. Er sprach sehr langsam russisch, dadurch konnte ich seine Geschichten relativ gut verstehen.

Heuteabend in einem viel zu teurem Restaurant gegessen, wo viele ausländische Geschäftsleute waren. Die Diskrepanz zwischen Gesprächen über die billigsten Nutten, das coolste Bier, meine Tochter ist mit Obama befreundet und den Bettlern in der Stadt war auf dieser Reise noch nie so extrem wie hier. Ich habe das Gefühl, dass mit westlichen Steuergeldern ein paar Geschäftsleute extrem viel Geld verdienen … Mir gefällt dieses Millieu nicht, ich streife lieber durch Altstadtgäßchen, wo die Leute zumindest aufrichtig sind.

Die Festung von Hissar

Im Inneren der Festung laufen Kuehe herum, im Hintergrund das Hissargebirge

Die „Festungskinder“