Mein Research und mein selbstgebastelter Stadtplan zeigten am Morgen unserer Abfahrt aus Karshi ihre Nutzen. Schnell wurde wir vom Taxifahrer beim richtigen Busbahnhof abgeliefert und in wenigen Minuten hatten wir ein shared taxi nach Denau gefunden. Das Taxi kostete insgesamt $ 60, dies wird normalerweise von 4 Reisenden bezahlt. Damit wir allerdings das Taxi für uns dreien hatten, bezahlten wir auch den vierten Platz. Ausserdem konnten wir in Som zahlen, was noch etwas günstiger war.
Kaum hat man Karshi verlassen und man erreicht den Ausläufer vom Hissar-Gebirge. Herrlich, um nach 2 Wochen flaches, dürres Land endlich entlang grünen Bergwiesen zu fahren. Die Landschaft wurde immer schöner und wilder. Zum Glück war die Straße wirklich im topp Zustand, dadurch kamen wir gut voran. Leider hatten wir unterwegs ein wenig Regen, dadurch haben wir die „Iron Gates“ verpasst (altes Denkmal). Dafür bekam ich allerdings eine große Überraschung. Es wurde eine neue Bahnstrecke von Karshi nach Termez gebaut (gerade erst fertig gestellt). Mitten im Gebirge steht auf dem Zipfel eines Berges eine kleine Dampflok als Denkmal. Keine Angst, ich schreiben nach Rückkehr einen Sondernbeitrag in einem Eisenbahnforum über die Bahnstrecke (die übrigens genau so spektakulär ist als manche Bahnstrecke in der Schweiz!!).
In gut drei Stunden hatten wir Denau erreicht, ich hatte nicht damit gerechnet so schnell da zu sein. Die Stadt fand ich auf Anhieb interessant. Am westlichen Stadtrand wurden wir aus dem Taxi rausgesetzt. Mit einem anderen Taxi ging es weiter auf der Suche nach einem Hotel. Der wurde, trotz Kommunkationsschwierigkeiten schnell gefunden. Was für ein Hotel! Wie aus einem Kustorica Film! Das Hotel war ausserdem spott billig, wir zahlten 10.000 Som pro Nase, dass sind etwa 5 euro. Dazu hatten wir das Glück, ein eigens Badezimmer zu haben. Nicht, dass alles da funktionierte, es war aber gerade ein gaaaanz klein wenig besser als die „shard bathrooms“. Na gut, für 5 euro sollte man seine Ansprüche vielleicht nach unten korrigieren …
Dann ging es ab in die Stadt, denn Denau hat einen schönen und sehr großen Bazar. Und da wollte ich in aller Ruhe mal umherlaufen und fotografieren. Da Denau eine Grenzstadt ist, kommen hier auch viele Tajiken von „drüben“. Die Usbeken die hier wohnen sind bis auf wenige Ausnahmen etnisch auber auch Tajiken. Das ist hier in dieser Gegend sehr kompliziert, was wir Stalin zu verdanken haben. Der wollte keine etnisch homogene Länder und hat die Grenzen deshalb mit absicht so gezogen, dass es überall Minderkeiten gibt. Etnisch gesehen leben die Tajiken, ausser in Tajikistan, auch in Usbekistan (ganz viele, Samarkand und Bukhara sind historisch tajikische Städte), Afghanistan, Kyrgystan und sogar in China. Das gleiche gilt natürlich auch für Usbeken und Kyrgysen, die man auch in Tajikistan findet.
Der Bazar war ein Traum. Hier gibt es wirklich kaum oder vielleicht gar keine Touristen. Somit waren wir drei Weißhäute die große Attraktion. Menno und Rutger hatte ich bereits gesagt, nicht auf mich zu warten, da ich mir Zeit zum fotografieren nehme. Und Kinders, war dieser Markt fotogen! Plötzlich wurde ich in ein Hinterhof geführt. Zuerst sah ich im dunklen Schuppen nichts, dann entdeckte ich einen Töpfer. Es zeigte sich, dass dies ein kleines Museum war, wo nach alter traditioneller Art Keramik hergestellt wird. Das Museum wird von der schweizerischen Botschaft in Tashkent finanziert. Nach einer Führung durch das mini Museum wurde ich zum Essen eingeladen. Im zweiten Innenhof wurden Salate, frittierte Kartoffel, frische Erdberen und natürlich Tee serviert. Ein örtlicher Polizist kam zufälligerweise vorbei und so wurde das Essen ein fröhliches interkulturelles Ereignis. Da der Polizist im Dienst war, durfte ich ihn leider nicht fotografieren. Schade, denn es sah so schön aus, wie er es sich auf dem Teppich mit dem leckeren Essen bequem gemacht hatte! Nach dem Essen bekam ich noch einen Kerzenuntersatz geschenkt und dann ging es zurück zum Markt. Dort wurde ich ständig zum Tee trinken eingeladen, was ich –auch wenn man damit gegen die hiesigen Richtlinien der Höflichkeit und Gastfreundlichkeit verstößt- abgelehnt habe. Sonst wäre ich nie vom Markt weggekommen, ausserdem hatte ich schon reichlich Tee gehabt.
Den Nachmittag habe ich für einen ausführlichen Spaziergang durch das Städtchen benutzt. Nach 17:00 wurden alle Ziegen, Schafe und Kühe zu den Häusern zurück geführt, was zu einem interessanten Straßenbild führte. Auch hier wurde ich unterwegs zum Tee trinken eingeladen und lernte dabei zufälligerweise den Bruder vom Hotelinhaber kennen.
Abends mit Menno und Rutger noch mal Shashlik gegessen. In dieser Gaststätte war ich wegen meines Namens (man dachte, ich hiesse „Cha“, was auf usbekisch „ja“ bedeutet) der Mittelpunkt aller Aufmerksamkeit. Im Hotel noch ein „Kehlsänger“ kennengelernt, der sich selber auf seiner zwei saitigen Gitarre begleitete und singend die bizarren Obertöne zum klingen brachte. Nicht schön, dafür faszinierend. So ging ein wunderschöner Tag zu Ende!
Die kleine Denkmallok in den Bergen
Fotostop in den Bergen, die Strasse ist wenig befahren
Auf dem Bazar von Denau (Денов)
Der Toepfer
Die Familie, wo ich zum Essen eingeladen wurde (der Chef der Toepferwerkstatt)
Lecker Fleisch!







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