Das Bild vom Fleischer im vorigen Beitrag habe ich nicht ohne Grund gezeigt. Denn am Dienstag, den 6. Mai hatte es nun auch mich erwischt: Magen-Darm Infekt. Kein Reisender in dieser Gegend bleibt verschont, so habe ich den Eindruck. Und nun war ich also dran. Nichtdestotrotz die Reise nach Dushanbe angefangen, auch wenn ich alles ausser fitt war. Mit den ersten Taxifahrer in Richtung Grenze bekamen wir noch in der Stadt Ärger, er wollte mehr Geld haben. Er hatte Pech, denn ich war relativ schlecht drauf und habe ihn zum Markt zurückgeflucht. Dort wurden wir sofort von mehreren Dutzenden von Taxifahrern umringt, die aber alle den gleichen Preis haben wollten. Da hatte ich in Tortkol mehr Glück, denn dort erzählte ein kleiner Junge, was die Marschrutkas kosten und somit konnten meine tschechischen Freunde für das Taxi Tortkol – Urgench den Preis einer Marschrutka-Fahrt bedingen.

Auch wir kamen von Denau im Marschrutka weg. Wie immer wurde der Preis von vornerein ausgehandelt und festgelegt. Aber wir waren nun doch endlich auf dem Wege zur Grenze. Unterwegs stieg der berühmte Bruder ein, der auch mit zur Grenze fuhr. Unterwegs fürchtetet Rutger schon, dass wir auch die anderen, leeren Sitzen bezahlen müssten. Und er sollte recht bekommen. Ihm bereitete ausserdem Sorgen, dass die Fahrt zur Grenze viel länger dauerte als angenommen. Sowohl er als ich dachten, es seien von Denau bis zur Grenze 20 Kilometer, es waren aber viel mehr. Deshalb haben wir unseren Marschrutka angehalten und nochmals gefragt, ob wir auf dem Wegen zur richtigen Grenzstelle sind. Gerade da zeigte sich, dass wir uns direkt an der Grenze befanden. Nachdem wir gezahlt hatten (und wir mussten also das doppelte Zahlen als ausgehandelt, da es 3 leere Plätze gab) ging es zu Fuß weiter zur Grenze.

Die Grenze war erstaunlich ruhig. Auch hier weit und breit keine Touristen, die kommen hier nur vereinzelt. Das hatte den Vorteil, das wir immer wieder schnell ins Auge gefasst wurden und somit schnell über die Grenze kamen. Auf der usbekischen Seite half ein zivil gekleideter taub-stummer Mann den Grenzbeamten. Der gab eine Show vom Feinsten zum Besten! Ausserdem konnten wir durch mime erstaunlich gut mit ihm kommunizieren. Bei hübschen Mädchen (er hatte uns bereits gefragt, ob wir verheiratet seien), war er einfach super frech! Er zeigte deutlich, ob sie hübsch waren oder ob nicht, und wenn sie hübsch waren … na, die Gebärden kann ein jeder sich wohl denken.

Mich viel, trotz fieber, auf, wie rau der Umgang mit den örtlichen Bewohnern war. Manch eine (es waren fast nur Frauen, die die Grenze überquerten) wurde barsch zurück geschickt. Uns gegenüber war man freundlich und neugierig. Das Ausreiseverfahren ging schnell und umkompliziert. Rutger war dabei immer positiv und optimistisch, er hat dafür auch genug Reiseerfahrung um sowas einschätzen zu können. Seine Einstellung machte es für mich viel erträglicher diese –wenn auch kurze- Reise zu machen. Alleine wäre ich bestimmt noch einen Tag in Denau geblieben.

Zu Fuß ging es weiter zur Einreise in Tajikistan. Auch hier ging alles schnell und wir wurden als ausländische Touristen an die wartenden vorbei geschickt. Wir wurden an einen Grenzbeamten verwiesen, der in aller Ruhe „America’s funniest home videos“ im Fernsehen guckte. Das die Atmosphere dementsprechend entspannt war, versteht sich. Nachdem der Einreisestemple im Pass stand, gab es noch eine weitere Kontrolle (Gepäck), der aber sehr locker war. Und dann waren wir in Tajikistan!

Für $ 20 fanden wir schnell ein Daewoo Nexia, der uns nach Dushanbe brachte. Da ich mich nicht wohl fühlte, wollte ich nicht im kleinen Lada die 66 Kilometer zurücklegen. Was sofort auffiel: das Land ist viel grüner als Usbekistan! Dazu ein strahlend blauer Himmel und im Hintergrund die ersten 3000’er Bergen (das eigentliche Hissargebirge). Der Anfang konnte nicht schöner sein. Schon an der Grenze hatten wir viele Hammer und Sichel gesehen. Unterwegs kamen dazu noch viele tajikische Fahnen. Das Land ist eine bunte Mischung aus alt (= sozialistisch) und neu. Es sieht wohl so aus, als können man sich nicht von der Sovjet Ära verabschieden. Die Polizeimützen sind hier auch noch nach Sovjetmuster (= groß!) gemacht.

In Dushanbe haben wir uns im gleichnahmigen Hotel eingecheckt. Das war etwas kompliziert, denn ich wollte unbedingt ein Zimmer für mich selber haben. Nach ein wenig hin und her bekamen wir es aber genau so, wie wir es gerne haben wollten. Die Frau an der Rezeption (über die ich im Internet gelesen hatte), ist aber wirklich fabelhaft hilfreich und bleibt immer freundlich! Die Jungs machten sich vom Acker, ich habe mich dann schlafen gelegt. Dieser Tag war für mich gelaufen, ich war leer und KO. Ich denke, dass mein Reisetempo (zu hoch) und die Temperaturen (auch hoch, heute waren es hier weit über 35 °C) auch einiges dazu beigetragen haben.

Nach 20 Stunden Schlaf fühlte ich mich heute, Mittwoch, den 7. Mai, schon deutlich besser als gestern. Der Darmtrakt ist zwar immer noch etwas unruhig, aber ich war wieder auf Achse, sei es mit halber Geschwindigkeit. Am Flughafen wollte ich mir das Ticket für Samstag (nach Khorog) besorgen, aber die werden erst am Vortag verkauft. Danach bin ich in aller Ruhe durch die Stadt geschlendert. Die ist herrlich grün, hat viele große Bäume (das sieht man in Usbekistan so gut wie nicht). Sie hat aber keine richtige Altstadt. Dushanbe (Betonung übrigens auf die letzte Silbe!) war bis vor 80 Jahren nur ein armes Dorf, wurde dann aber Dank Stalin plötzlich zur Hauptstadt. Somit ist sie nicht hübsch, brummt aber vor Aktivitäten. Die Menschen hier sind dazu kunterbunt. Mal fühlt man sich wie in Pakistan (Kopftücher) , dann wie in Moskau (Minirock), dann irgenwo auf dem Land (traditionelle Kleidung). Heute habe ich mit einem afghanischen Flüchtling gegessen (ich hatte wieder Hunger!). Davon gibt es hier viele. Langsam verstehe ich auch, warum man hier so viele UN und andere NGO Fahrzeuge sieht. A propos Autos. War Usbekistan deutlich Lada und Daewoo Land, hier sind man überraschend viele Opels und andere europäische Autos. Und dass, obwohl dieses Land das ärmste der GUS Staaten ist. Ich schätze, dass das durchschnittliche Monatseinkommen hier gerade mal $ 50 beträgt (Usbekistan: $ 100). Man spürt übrigens, dass die Stadt dem 9. Mai (Nationalfeiertag) entgegenfiebert. Überall hangen große Plakate, die auf 63 Jahr Freiheit hinweisen, dazu sieht man oft dekorierte Veteranen rumlaufen. Ich habe mich deshalb dafür entschieden, den 9. Mai wegen der Parade in Dushanbe zu verbringen. Am Samstag geht es dann (hoffentlich) per Flieger weiter nach Khorog.

Blick auf die Berge (vom Hotel aus fotografiert)

Was haben Reichstag und in China hergestellte Schuhe mit einander zu tun ???

Das Kriegsdenkmal (aber man fahrt sehr gerne Mercedes und Opel)

Auch einige Schulen werden fuer den 9. Mai geschmuckt

In Tajikistan noch all gegenwaertig: Hammer und Sichel

Neue Denkmaeler mit neuen Nationalhelden fuer ein armes Land