Überall in der Stadt hangen große Plakate: Karshi, die 2700 Jahr alte Stadt. Hier gab es alles, von Arabern, Chinesen, Mongolen (Dzenghis Khan!), Amur Timur (Timerlane), Buddhisten, Feuerpriester (Zoroastroism oder so ähnlich). Die Altstadt gibt aber nicht viel her. Ich entdecke aber ausser den bereits erwähnten 4 Medressen durch Zufall ein altes Badhaus (Hammom). Die Medressen sind traurig, kommen heute doch kaum noch welche Touristen nach Karshi. Aus einer gerade 40 Quadratmeter großen Medresse, einer der beiden Museen in der „Altstadt“ (die aber keine mehr ist), komme ich nicht weg. Ich muss alles sehen. Von den Urlaubsbildern der Museumsfamilie bis hin zu 3 niederländischen Kinderbüchern, die es im Museum gibt. Wo aber finde ich die Altstadt? Wo sind die geheimnisvollen Gäßchen? Wo finde ich die 2700 Jahre Geschichte dieser einst oh so wichtigen Stadt (der zweit wichtigste Stadt im Khanat Bukhara). Vieles liegt im Museum im Tashkent, vieles einfach noch im Boden, und vieles findet man an archäologischen Stellen ausserhalb der Stadt.

Auch der Bazar hat mir leider nicht viel zu bieten, zwar sind die Leute neugierig, aber alles ist hier neu. Wie in der ganzen Stadt. Die Stadt lebt wortwörtlich nach einer Aussprache für diese Stadt (in einem Buch im Hotel gelesen): „More beauty every day“. Altes gibt es hier nichts, aber auch wirklicht nichts. Dafür viele Raffinerien und Armeebasen (es gibt hier anscheinend auch ein US Stutzpunkt). Am Bazar esse ich irgendwelche getrocknete Blumen, die ein alter Mann verkauft. Sie schmecken gar nicht schlecht. Er möchte die Bilder haben, die ich von ihm gemacht hatte und schenkt mir dazu eine Kopie seines Ausweises … Postleitzahl oder Hausnummer kennt er nicht.

In Karhsi ist also ein Plan B gefragt. Und der Plan ist schnell gefunden. Die Stadt hat immernoch einen sehr stark sozialistisch-russisch geprägten Still. Also nichts wie los und das alles im Bilde festhalten! Fröhlich fahre ich in der gleißenden Hitze per Marschrutka hin und her. Mittlerweile macht es spaß, die Fahrer zu fragen, ob ich bei Linie 17 oder 23 sein muss. Es gibt aber vorerst noch ein wirkliches Problem zu lösen. Ich brauche nämlich keinen Reiseführer, ich brauche bloß einen Stadtplan. Da Karshi 10 Touristen pro Jahr sieht, lohnt es sich nicht, Stadtpläne zu drucken. Auch nach intensivstem Suchen (ich war sogar bei einem Verleger) kam ich zum Schluß: es gibt keinen Stadtplan. Darum selber einen gebastelt und immer wieder Leute um ergänzende Infos gebeten (wo ist das Kriegsdenkmal, wo der Busbahnhof für Busse und Taxis nach Termez usw). Mit diesem meinem eigenen Stadtplan komme ich ganz gut zurecht.

Ich fotografiere ein großes, bronzernes Denkmal. Zuerst pfeift die Sicherheitstruppe mich weg, wenn ich aber klar mache, dass ich bloß das Denkmal fotografiere, ist alles in Ordnung. Man sieht als Ausländer nicht gut, welche Gebäude der Polizei oder Sicherheitsdienste gehören, was es hier etwas schwieriger macht, frei zu fotografieren. Mittlerweile störe ich mich daran nicht länger und fotografiere wo ich will. Es gibt aber keine Probleme. Nur bei Armeegebäuden bin ich sehr vorsichtig, diese sind aber eindeutig gekennzeichnet.

Nun galt es, das gigantische Kriegsdenkmal zu finden. Laut Reiseführer noch mit Rotem Stern. Leider hat sich in 4 Jahr viel geändert und den Roten Stern gibt es nicht mehr. Auch die kleinen Denkmäler (für die Schlachten bei Stalingrad, Wolgograd usw.) sind verschwunden, nur die Sockel stehen noch da. Sehr schön sind dafür die bunten Fenster, die ich ausgiebig fotografiere. Und ich gehe auf die Aussichtsplatform, die mir eine gute Aussicht über die Stadt bietet. Ich entdecke dort noch eine Moschee und lauf dort vorbei. Unterwegs kriege ich wieder die Himbeer ähnliche, weisse und honigsüßen Früchte angeboten.

Diesen Tag lasse ich etwas früher zu Ende gehen. Ich trinke am Nachmittag im Hotel ein Bierchen und lege mich schlafen. Um 18:00 werde ich geweckt, Rutger und Menno sind da. Sie waren bereits um 13:00 in Karshi angekommen und hatten eine sehr gute Fahrt von Samarkand gehabt. Wir essen in der Nähe vom Hotel für wenig Geld Hänchenkeule. Da Menno leider nicht ganz fitt ist, machen wir es nicht spät. Denn schließlich geht es am nächsten Tag in aller früh nach Denau!

Karshi war sicherlich nicht Höhepunkt dieser Reise, aber die Zugfahrt und die sozialistische Stadt mit ihren breiten Alleen, Denkmälern und großen Parks waren ganz OK.

Baumwolle

Freizeitpark im Zentrum von Karshi (mit Flugzeug):

Das bronzerne Denkmal

Im Kriegsdenkmal: schoene Fenster