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Es gibt endlich wieder eine gute Internetverbindung! Ein kurzes Update was in den letzten Tagen passiert ist. In Khiva war ich bis zum Dienstagmorgen. Ueber Khiva werde ich noch ausfuehrlich berichten, denn das war eine interessante Stadt. Am Dienstag bin ich nach dem Fruehstueck durch die Khorazm Wueste nach Bukhara gefahren. Auch darueber folgt noch ein Bericht (ich sage nur, HOT HOT HOT HOT, nicht der Artikel, sondern die Wueste). Nun bin ich also in Bukhara, und die Stadt will mir irgendwie nicht gefallen. Es gibt hier mehr Touristen als in Berlin und irgendwie finde ich keinen Draht zu dieser Stadt. Ich untersuche schon Moeglichkeiten entweder schneller von hier weg zu gehen, oder Ausfluege ausserhalb der Stadt zu machen. Ich bleibe voraussichtlich bis Sonntagmorgen in Bukhara und fahre dann, wenn alles klapt, mit einer art Regionalbahn weiter nach Osten und zwar nach Karshi / Qarshi. Am Montag fahre ich weiter nach Denau, eine kleine Stadt kurz vor der Usbekisch – Tadschikischen Grenze. Am Dienstag will ich dann weiter nach Dushanbe, aber so weit ist es noch nicht.

Schliesslich habe ich endlich Niederlaender getroffen (die sind hier aeusserst selten). Sie kommen sogar aus meiner Heimatstadt, Groningen! Die Welt ist ein Dorf (ich weiss, wer jetzt ueber diese Bemerkung lacht ;-) ) ). Vielleicht sollten wir heute ein Bierchen auf Koenigin Beatrix trinken, denn heute ist Koeniginnentag, ein offizieller niederlaendischer Nationalfeiertag. So, nun geht es zurueck in die Stadt!

PS: Larry, Oranjebitter habe ich hier nicht gefunden, dafuer unmengen an Wodka (und es gibt hier leckeres Bier, Sarbast). Heute fuer mich also kein Oranjebitter und keine Heringe :-) )

Der Bahnhof von Samarqand ist tagsüber relativ ruhig. Da viele Züge jedoch als Nachtzug fahren, ist der Bahnhof kurz vor Mitternacht sehr belebt. Vor allem, wenn hunderte von Soldaten (ältere, wie auch ganz neue Soldaten (Kadetten?)) gleichzeitig verreisen. Am Bahnsteig werden die Soldaten alle schön im Karree aufgestellt. Das verläuft alles sehr ruhig und diszipliniert. Es dauert nicht lange, bevor ich wieder mit Leuten ins Gespräch komme. Einige junge Burschen (schätze Anfang 20), darunter auch ein sehr junger Polizist, warten auf einen Freund, der mit meinem Zug aus Tashkent zurückkehrt. Sie wollen wie immer das Übliche wissen (Herkunft, Alter, verheiratet, Beruf, Einkommen). Diesmal kamen zwei völlig überraschende Fragen. Ob ich Muselmann (Moslem) werde möchte, und wenn nein, warum nicht. Und was ich tue, wenn ich unterwegs Angst haben (habe politisch korrekt „beten“ geantwortet, was zum Teil auch stimmt – man hat dafür in Krisensituationen nicht immer die Möglichkeit).

Dann trifft kurz nach 23:25 leicht verspätet mein Zug ein, der wirklich ganz lang ist (15 Personenwagen und noch 3 Gepäckwagen). Wenn ich einsteigen will, gibt es irgenwie Schwierigkeiten mit meiner Fahrkarte. Ich steige nichtdestotrotz ein, die Probleme können unterwegs auch gelöst werden. Dann verstehe ich plötzlich, was das Problem ist, denn ich habe Sitzplatznummer 38 und der existiert gar nicht. Darauf werde ich von einem Offizier in seinem Abteil eingeladen. Da beginnt das ganze Spiel (Alter, Verheiratet usw usf) wieder von vorne. Der Offizier will meinen Reisepass sehen, sowie mein Handy. Ich bin froh, ein sau altes Nokia bei zu haben, dadurch sind viele gar nicht an mein Handy interessiert. Diesmal interessiert die Truppe im Abteil sich allerdings dafür, ob ich sie und umgekehrt sie mich anrufen können. Ausgehende Telefongespräche (d.h. von Usbekistan ins Ausland) sind (Zensur??) abgeblockt. Wir sitzen nun zu 8 in einem Abteil mit nur 4 Betten. Oben liegen jeweils 2 Leute (die haben es gut!), während unten sich jeweils 3 Leute einen Liegeplatz teilen müssen. Nicht aber der Offizier, er beordert eine Reisetasche von einem seiner Männer, vom einer anderen Person dessen Pulli und macht es sich bequem. Seine Jacke, Offiziersmütze und Epauletten gibt er ab und werde untertanig von einem Soldaten irgendwo abgelegt.

Ich stelle mich gerade auf eine unkomfortabele Nacht ein, als einer der Schaffner mich mitnimmt. Er deutet auf ein anderes Abteil hin und macht klar, dass ich dort schlafen soll. Ich bekommen nun ein Bett für mich selbst! Und ich muss nichts draufzahlen, ich zahle also 3. Klasse und reise 2. Klasse. Sofort sind die Männer in meinem neuen Abteil neugierig und die Standardfragen könnte ich nun fast zum Teil auf Russich antworten. Die Männer kommen aus Tashkent und machen Urlaub (so weit ich verstehe) in Nukus (da gibt es 1 Hotel, 1 Museum und sonst gaaaaaaanz viel Sand). Einer arbeitet für die Bahn, der zweite ist LKW Fahrer und was der 3. macht, finde ich nicht heraus. Ich schlafe erstaunlich gut und wache erst nach 6 Stunden wieder auf. Die Männer sind bereits wach und ich werde zum Frühstück eingeladen. Draußen nichts wie Wüste, Wüste, Wüste. Eine sehr langweilige Landschaft. Das wissen die Männer auch und ich werde aufgefordert Karten zu spielen (ich lehne ab, um Geld zu spielen). Ab und an schauen die Schaffner vorbei, ob es mir gut geht. Draufzahlen muss ich immer noch nichts. Wenn ich noch mal in das Abteil der Schaffner geladen werde, halte ich mich dumm. Da ich mich noch ein wenig erholen will und ich mit den hunderten von armen Militairs nicht traue, meine Kamera rauszoholen, lege ich mich noch für ein Paar Stündchen schlafen. Gegen 12:20 sind wird dan nach etwa 13 Stunden Fahrt in T’ortq’ol (Turtkul). Ich verabschiede mich herzlich von meinen Freunden und den Schaffnern. Am Bahnsteig sehe ich zwei westlich aussehende Typen, die ich auf Englisch anspreche. Es sind zwei tschechische Austauschstudenten, die auch auf dem Wegen nach Urgench sind. Ich frage, ob ich mit denen gemeinsam weiterreisen kann, was kein Problem ist. Sie finden einen guten Taxi. So fahren wir zu dritt nach Urgench. Unterwegs überqueren wir den Amu Darya (auch als Oxus bekannt) über eine Pontonbrücke. Die sieht aus, als könnte sie jeden Augenblick einstürzen. Und mann muss für die Überquerung gar noch zahlen auch (die Fahrer, nich wir). Die Fahrt ist an und für sich ziemlich langweilig. Nach 55 Kilometer sind wir in Urgench. Roman und Janke wollen noch was essen und fragen ob ich auch was essen möchte. Ich habe nicht nur Hunger, sondern bin auch Neugierig nach ihren Erfahrungen als Austauschstudent. Sie wollten eigentlich nach Kyrgystan, wurden aber vom Austauschprogramm nach Urgench geschickt. Und Urgensch ist nicht schön, denn die Stadt wurde komplett neugebaut, als der Fluß seinen Lauf änderte. Die eigentliche Altstadt liegt etwa hundert Kilometer weiter westlich in Turkmenistan!

Nach dem Essen fahre ich mit Marschrutka und shared Taxi weiter nach Khiva. Das war eine etwas komplizierte Fahrt, aber ich war in der bekannten Wüstenstadt! Schnell Unterkunft gefunden (und wieder über den Preis verhandelt) und gedoucht (herrlich, vor allem wenn man weiss, wie Kostbar Wasser hier ist!!!). Was in der Altstadt zu sehen gibt und was man in Khiva alles so erleben kann im nächsten Beitrag.

Die Sonne in der Wüste ist erbarmungslos. Deshalb nutze ich die Zeit zwischen 14:00 und etwa 16:30 heute, Montag, den 28. April, für eine Siesta. Ich bin nun seit Sonntagnachmittag in Khiva (das liegt im westlichen Teil der Khorazm Wüste, zwischen dem Oxus (Armu Darya) und der Grenze mit Turkmenistan.

Aber zurück nach Samarqand! Am Samstagmorgen gab es zuerst ein gemeinsames Frühstück mit den anderen Hostelgästen. Dort traf ich Claus und Sabine wieder, dadurch wurde das Frühstück ganz nett und lustig (wir unterbrechen uns gegenseitig ständig, wenn jemand was erzählen möchte). Nach dem Frühstück ging jeder seinen eigenen Weg. Ich musste zuerst zum Bahnhof, rausfinden ob ich noch eine Fahrkarte für den Samstagabend kriegen konnte. Am Bahnhof stößt man hier an die Grenzen seiner Geduld. Die Leute drängeln, und Armee Offiziere haben immer das erste Recht … Aber am Ende hatte ich meine Fahrkarte, wenn auch 3. Klasse (81 Leute auf 36 Liegeplätzen). Das würde vermutlich wohl eine harte Nacht werden …

Ich wollte den nordöstlichen Stadtteil sehen, da war ich noch nicht. Eine kurze Runde über den großen Bazar war fotografisch lustig und erfolgreich. Auch hier wurde ich oft darum gebeten, Menschen zu fotografieren. Meine Wanderung führte mich zum islamischen Friedhof, denn wie ich wusste, sollte sich dort auch der jüdische Friedhof befinden. Zuvor noch schnell das bekannte Mausoleum besucht (da wieder Claus und Sabine getroffen). Den jüdischen Friedhof hatte ich danach schnell gefunden, ich hatte bloß vergessen, dass es Samstag war und am Shabbat soll man eben jüdische Friedhöfe nicht besuchen (wie in jedem Urlaub bin ich total durcheinander, was die Wochentage betrifft). Das Tor zum Friedhof war denn auch zu. Da ich mehrere Male versuchte, es zu offnen, hörte ich plötzlich leben hinterm Tor. Und siehe da! Eine ganz alte Babuschka ließ mich herein. Nach einer kurzen Führung, von der ich nichts verstand, wurde ich zum Tee trinken eingeladen. Die Babuschka wohnte mit ihrem Sohn in einem einzigen Zimmer, in dem sich 2 Betten, ein Sofa und ein Fernseher befanden. Da Babuschka ständig moslemische Dankeszeichen benutze, hatte ich stark den Eindruck, dass sie und ihr Sohn keine Juden waren (es gibt in Samarqand noch eine ganz kleine Gemeinde). Nach dem Tee bin ich über den Friedhof gegangen (was macht ein Esel dort? Armes Tier, kein Wasser, keine Schatten, ich hatte richtig Mitleid mit diesem Tier). Dabei habe ich mich (als Strafe?) sofort den rechten Arm in der glühenden Hitze verbrannt.

Den restlichen Nachmittag in der Altstadt verbracht, wo ich mehrere nette Porträts machen konnte. Einkaufen für die Zugfahrt erledigt und mich dann im Hostel ausgeruht und auf das Abendessen dort gewartet. Mit Claus, Sabine und Yann herrlich gegessen und viel gelacht! Nachdem wir uns verabschiedet hatten ging es für mich zum Bahnhof, wo ich kurz vor 23:00 eintraf.

Ich vermisse Samarqand, die Stadt ist einfach fabelhaft.

Alter Mann in Samarqand

Das grosse Mausoleum am moslemischen Friedhof

Singende Mutter mit Kind

Liebe Leser, ich befinde mich in Khiva. Das ist eine sehr bekannte Wuestenstadt. Leider ist das Internet hier so verfl#$%^#$%^%  langsam, dass ich keine Beitraege hochladen kann. Ich bereite die Nachrichten auf meinem Laptop vor, muss aber die Beitrage ueber Google Mail an mich selbst senden, um dann die Anhange in google docs zu oeffnen. Wenn die Verbindung mit Google schlecht ist, kann ich also nichts machen. Habt also Geduld, ich fahre morgen nach Bukhara und hoffe dort mehrere Berichte hochladen zu koennen.

Liebe Leser, vielen Dank fuer Eure Kommentare! Es ist gut zu wissen, dass es Euch gut geht. Und dass der Fruehling nun auch Berlin wachgekuesst hat. Hier ist schon Sommer, aber darueber mehr in den naechsten Beitraegen!

Der Donnerstag wurde fotografisch ein sehr interessanter Tag. Nachdem ich aus dem Dorf zurückgekommen war und mich gedoucht hatte, ging es wieder los. Ich war vor allem in die Altstadt interessiert. Da ich bereits einen detaillierten Stadtplan hatte, war ich davon überzeugt, einfach da zu kommen wo ich hin wollte. Aber es kam anders, denn meine Karte erzählte eine völlig andere Geschicht, als was ich vor Ort antraf. Nichtdestotrotz fand ich die Moschee, die ich gesucht hatte und konnte unterwegs schon ein paar nette Porträts machen (nachdem ich zuerst gefragt hatte). Bei der Moschee lernte ich den zweiten Imam kennen, einen jungen Burschen von gerade mal 22. Mit Händen und Füssen und viel gutem Willen konnten wir rudementär miteinander kommunizieren. Ich durfte sogar das Innere der Moschee sehen, musste allerdings an der Tür (ohne Schuhe natürlich) stehen bleiben.

Weiter ging es und ich hörte plötzlich aus einem kleinen Gäßchen fröhliche Musik. Das machte mich sofort neugierig! Aus irgendeinem festlichen Anlaß begleiteten 2 Trommler und ein Blaser (sah aus wie eine mittelalterliche Trompete) zwei Jungs von etwa 14 Jahren, die als Pferd verkleidet waren und tanzten. Viele kleinen Kinder liefen, wie überall auf der Welt, mit der Musik mit und fanden den westlichen Fotografen mindest so interessant. So musste ich natürlich die Kinder mehrmals fotografieren und die Bilder zeigen. Auch wenn ich hier weitab von den Touristenströmen war, ich fühlte mich kein Moment unsicher. Auch die elteren Passenten fanden eine Digitalkamera sehr interessant und ich musste sofort die Bilder der Musiker zeigen. Winkend wurde ich von den Kindern verabschiedet. Kinder sind hier sowieso sehr offen, und wenn man selber freundlich ist, wird man häufig von den kleinen angesprochen (what is your name, where do you come from usw). Erstaunlich oft kann ich mit den kleinen sogar kleine Gespräche führen!

Da das Licht nun wircklich interessant wurde, ging es zurück zu der Hauptattraktion von Samarqand, der Registan. Ich wusste, dass Polizisten gegen einen „kleinen Aufpreis“ Touristen Zugang zu einer der Minaretten gewähren. Das ist wie in einem schlechten James Bond Film, ich habe mich da (innerlich) schlapp gelacht! „You go in courtyard, look at building. I will come later pick you up“. Und nach einigen Minuten ist der Agent tatsächlich im Courtyard (in einer der Medressen). Kaum sichtbar nickt er mit dem Kopf: „folge mir!“. Ich werde in das Treppenhaus der Minarette eingeschleußt, die durch eine dicke Tür mit großem Schloß abgesperrt wird. Dann begint das Verhandeln über das „zusetzliche Eintrittsgeld“. Wir haben uns schnell geeinigt. Dann der Polizist, ganz verschwörerisch: „this is very, very, top secret, do not tell anybody about it!“ (er weiss glaube ich nicht, dass dies mittlerweile einfach im Lonely Planet steht …). „When my boss ask you, how much you pay, what do you say?“. Es gibt eindeutig Kartells, wer wie viel kriegt. Dann aber geht es hoch im inneren der Medresse. Noch nie habe ich so einen schweren Aufstieg gehabt, die Stufen sind auch für Menschen mit langen Beinen einfach gigantisch. Ich frage mich, wie die kleinen Menschen von annodazumals überhaupt hier hoch geklettert sind. Die Aussicht ist aber wirklich atemberaubend und schiesse mehrere Megabit an Bildern, denn das Licht wird gerade schön. Einfach wunderbar. Dann kommen auch 2 Briten hoch, es gibt aber wirklich nur Platz für eine Person. Die Zugabe war vielleicht noch schöner: der Agent fotografiert jeden Besucher, damit diese ein Bild von sich selber im Turm haben. Ich bin daran nicht interessiert, es scheint aber Teil vom „geheimen Eintrittspreis“ zu sein. Bevor er mich mit meiner Kamera fotografiert, mache ich zuerst ein Foto von ihm. Der Hammer, ein Polizist der sich fotografieren läßt! Und diese Miene von ihm – kommt alles später noch mal online!

Draussen höre ich wieder Musik und ich entdecke eine Tanzvorstellung in der rechten Medresse. Da mehrere bildhübsche Mädchen tanzen fotografiere ich sofort, werde dann aber darauf hingewiesen, dass ich dafür zahlen muss (eine israelische Reisegruppe hatte diese Tanzvorstellung bezahlt). Später höre ich vom Hotelmanager, dass ich wirklich spottbillig fotografiert habe (für gerade ein Euro, die meisten Touristen zahlen viel und viel mehr). Die Show is kitschig, aber wie gesagt sind einige der Tänzerinnen atemberaubend schön. Jetzt verstehe ich, warum Alexander der Große (der vor etwa 3000 Jahren aus Griechenland bis hierher gekommen ist) eine Frau aus dieser Gegend geheiratet hat (Roxanna).

Nach einem leckeren Abendessen mache ich noch ein paar Nachtaufnahmen und stelle fest, dass ich an einem Tag über 400 Bilder gemacht habe (viele davon werde ich zu Hause auch wieder löschen, da sie doppelt sind, oder nicht scharf).

Der Freitag war ein bißchen wie ein Ruhetag gedacht, da meine Beinmuskel wegen des vielen Laufens langsam richtig weh tun. Ausserdem wollte ich heute eine Fahrkarte für Sonntagabend kaufen. Also auf zum Vokzal (Bahnhof). Leider hatte ich überaltete Information und der von mir geplannte Zug existierte gar nicht mehr. Da mein Russisch leider grottenschlecht ist, brauchte ich Hilfe, die sofort in der Form der netten Medina da war, eine Englischlehrerin. Dank ihr weiss ich, welche Züge nun wirklich fahren. Am Samstagmorgen hoffe ich eine Fahrkarte für den Abendzug in Richtung Gurtkul (liegt im weiten Westen von Usbekistan) kaufen zu können.

Mit Medina den restlichen Freitagnachmittag in einer Gaststätte verbracht. Am Sonntag macht sie den TOEFL Test und sie wollte ihr Englisch gerne aufpolieren. Das braucht sie wohl kaum, sie hat von allen Menschen, die ich hier getroffen habe mit am Besten Englisch gesprochen. Es war ein sehr netter Nachmittag, da Medina viel über die heutige Situation in Usbekistan erzählte, und das sind vor allem Geschichten, die man gerade nicht in Reiseführern findet.

Zurück im Hotel, wo man auch Hilfe für Fahrkartenkauf bietet, wurde ich sofort zum Teetrinken eingeladen. Da saß ich zwischen 10 Frauen: „you have very good place, beautiful woman next to you, beautiful woman opposite of you“.

Und so rennt mir die Zeit davon. Ich habe in diesen Tagen ein Paar wichtige Sachen gelernt. Fünf Wochen sind viel zu kurz für 2 Länder, man hat es wirklich eilig, was nicht zum Land und nicht zum Wetter (mittlerweile heiss statt warm) passt. Das nächste Mal also wirlich nur 1 Land, damit man in aller Ruhe mehr machen kann. Und zweitens: Russisch auffrischen! Zwar kommen langsam wieder ein paar Brocken zum Vorschein, aber wenn man alleine reist, was an und für sich sehr gut möglich ist, sind russischkenntnisse wirklich unabdingbar (aktiv, nicht nur passiv). Wie dem auch sei, bislang ist die Reise wie ein schöner Traum, denn das Land und vor allem seine Leute sind einfach nur grandios!

Der Registan von oben fotografiert (ich stehe auf dem Turm, dessen Schatten man im Vordergrund sieht)

Eine der bildhuebschen Taenzerinnen:

Samarqand by night

PS: danke feur die Rueckmeldung, dass Ihr die Bilder sehen koennt! Ich versuche immer mal wieder, ein paar Bilderchen hochzuladen (was aber eine Geduldprobe ist).

Liebe Leser, nach der Abfahrt aus Toshkent, gerade mal 24 Stunden her, ist so viel passiert, das ich nur noch einige Highlights beschreiben kann. Ansonsten sehe ich mich dazu gezwungen, ein Buch über die ersten 72 Stunden in Usbekistan zu schreiben.

Die Zugfahrt war ein wunderschönes Erlebnis. Was ich schon wusste: jeder Wagen hat einen eigenen Schaffner, der sich um das Wohl (und seine Gesetze) im Wagen kümmert. Die dritte Klasse (ja, die dritte Klasse!) war komplett ausgebucht und bis auf 2 Japanische Touristen, die erstaunlicherweise Russisch sprachen, nur von Usbeken besetzt. Der Zug fährt non-stop von Toshkent nach Samarqand. Und das sogar mit fast (geschätzten) 80 km/h! Die Landschaft um Toshkent ist noch üppig grün, dann aber bekomme ich einen ersten Blick auf die Steppe. Aller paar Hundert Meter ein Hirte mit Schafen oder Ziegen. Nach gut 2 Stunden Fahrt (die insgesamt etwa 4 Stunden dauert für etwa 300 Km?) taucht plötzlich zu meiner Linken majestätisch das Tien Shan Gebirge auf, während ich rechts immer noch Steppe in Visir habe. Während der ganzen Fahrt sorgt ein Fernseher für Ablenkung. Die meisten Vorhänge sind zu, denn ist wird schon schnell sehr warm, das spürt man trotz Klimaanlage im Zug sehr wohl. Um die Mittagszeit waren wir Samarqand. Da vermisste ich plötzlich meine neuen deutschen Freunde, Sabine und Claus. Darum per Marschrutka in die Stadt gefahren (und nicht mal abgezockt worden, sondern ich musste nur die standard 300 Som zahlen).

Hirte (vom Zug aus fotografiert)

Und dann ist es so weit, ich sehe die ersten Türme und Kuppel der Stadt, ich bin schon begeistert. Unterkunft ist schnell gefunden, ich wohne wirklich im Herzen der Stadt. Dort kann ich gleich zum Essen anschieben, denn für die Arbeiter wurde Plvo, das usbekische Nationalgericht, gekocht. Schmeckt hervorragend (Reis mit Schaffleisch). Da es sonnig und vor allem sehr warm ist (ich schätze weit über 30°C), gehe ich sofort in die Stadt, denn ich will alles sehen, riechen, spüren, fühlen. Ich laufe mir die Füsse wund und bin in einem Wort: BEGEISTERT!

Plötzlich werde ich von einem Mädchen auf Deutsch angesprochen. Ich grüße zurück und will weiterlaufen, aber wir kommen ins Gespräch. Sie heißt Guli (usbekisch für „Blume“) und sie fragt mich, ob wir ein Stück gemeinsam spazieren gehen können. Ihr Deutsch (trot Hauptfach an der Uni) ist mühsam, aber wir schaffen es mit viel Geduld mit einander zu sprechen. Sie ist 21 und wird direkt nach Studienabschluß heiraten. Nicht weil sie will, sondern weil sie muss. Ausserdem wollen ihre Eltern, dass sie sofort danach in ihr Geburtsdorf zurückkehrt. Ich wage nicht zu fragen, warum sie denn trotzdem studiert. Wir trinken noch gemeinsam einen Tee und dann verabschieden wir uns (Sorry liebe Leser, da es noch viel mehr zu erzählen gibt hier nur die Kurzfassung!).

Nach einer Runde durch einen abgelegenen Teil der Stadt (viele Kinder schauen mich mit großen Augen an, manche fragen, wie ich heisse, und wieder andere sagen nur „hello, hello“) . Der Sonnenuntergang ist leider enttäuschend und bringt mir nicht das erhoffte schöne Licht. Darum besuche ich mehrere Intercafes, aber am Mittwoch war das Internet einfach „ploche“ (Russisch für „schlecht“).

Mittlerweile hatteich hunger bekommen und suche mir eine Gaststätte. Der Wirt spricht nur usbekisch, und parkt mich sicherheitshalber an einem Tisch, wo zumindest einer der Gäste „Samarqand beautiful, yes?“ sagen kann. Und als ich antworte, wo ich herkomme, klingt plötzlich eine weibliche Stimme hinter mir auf Niederländisch „hallo, spreek jij Nederlands?“. Ich komme nicht aus dem Staunen und werde sofort an ihrem Tisch eingeladen. Sie heißt Naila (wird aber mit Lily angesprochen) und hat eine lange und komplizierte Geschichte zu erzählen. An ihrem Tisch sitzen auch Ljana und Servar. Servar hat ein Jahr in Amerika studiert und arbeitet für ein Tabakunternehmen. Er spricht fließend Englisch. Ich werde nicht mal offiziell zum Essen eingeladen, nein, plötzlich ist da Salat und Hähnchenfleisch (das essen die hier liebend gerne, habe ich schon gemerkt). Als ich zahlen will, heißt es „nein, du bist unser Gast, wir zahlen“. Dann werde ich eingeladen mit aufs Land zu kommen, wo Naila in dem Haus ihrer Eltern wohnt (auch das eine lange Geschichte). Das Angebot macht mich neugierig und so fahren wir an alle Häuser vorbei um Klamotten abzuholen.

Als ich beim Hotel abgesetzt werde, komme ich nicht ins Zimmer herein, das Schloß ist defekt. Da das Hotel ausserdem ausgebucht ist, sind meine neuen usbekischen Freunde auch meine Retter, denn sie haben im Dorf ein Bett für mich. Wir fahren durch ein gigantisches Gewitter in Richtung tadschikischen Grenze. Nach einer halben Stunde sind wir da. Die Frauen ziehen sich um (keine Angst, in einem separaten Raum) und präsentieren sich in traditionellen Kleidern. Wunderschön. Servar erzählt während dessen eine ganze Menge über sein Leben und über Usbekistan. Wir trinken gemeinsam Tee und langsam verstehe ich, was Naila hier zu erledigen hat.

Vorm schlafengehen muss ich noch aufs Klo, das ein Plumpsklo draussen ist. Als ich im Bett liege, kann ich noch gar nicht fassen, dass ich erst seit 3 Tagen in Usbekistan bin. Es sind gefühlte drei Wochen.

Heutemorgen bin ich mit Naila und der Nachbarin zum lokalen Bazar (Markt) gegangen. Aus Höfflichkeitsgründe –und Höfflichkeit und Respekt sind hier unvorstellbar wichtig- verzichte ich aufs fotografieren, auch wenn es hier abertausende wunderschöne und spannende Motive gibt. Das gleiche gilt auch für die Nachbarn und Nailsa Freunde. „Die werden hier im Dorf noch eine ganze Menge zu reden haben“ sagt Naila mir. Dass verstehe ich sofort.

Mich zog es wieder nach Samaqand, ausserdem hatte Naila noch einiges in einem andere Dorf zu erledigen und so fahren wir gemeinsam ein Stück per Marschrutka. Sie steigt im Nachbardorf aus, ich fahre weiter nach Samarqand. Da ich mich im Dorft nicht duschen konnte gehe ich zurück ins Hotel. Und wenn treffe ich dort, während sie aus dem Taxi aussteigen? Claus und Sabine! Die hatten vorgestern Fahrkarten für heute statt gestern gekauft und mussten deshalb noch einen Tag in Tashkent verbrengen. Die Welt ist ein Dorf.

Zum Schluß: die Internetverbindungen sind hier auf dem Land katastrophal, deshalb wird es von nun an immer wieder (längere) Pausen geben, bevor ich mich zu Wort melde!

Auf einem der Maerkte:

Eine Moschee nahe dem Juedischen Vierte

Bunte Kleidung 1

Bunte Kleidung 2

Ein Mausoleum (mein Hotel befindet sich 50 Meter weiter links!)

Und schliesslich am Registon, hierfuer ist Samarqand bekannt:

Wenn man abens mit „King Ali“ Wodka trinkt, wird man müde. Und man braucht nicht mal „King Ali“ um hier von allen Eindrücken Müde zu werden.

Nachdem ich am Dienstagmorgen mit einem Franzosen (derjenige, mit dem ich gestern auch essen war) und einem Schweizer gefrühstuückt hatte, stand zuerst ein offizieller Akt bevor. Ich bekam von Irina die „OVIR Registration“. OVIR steht für Office for Visa and Immigration Regulation. Es ist vergleichbar mit der polizeilichen Anmeldung, die es früher in der DDR gab. Und diese Registrierung ist wichtig, wie ich später bemerken sollte.

Danach ging es in ein Internetcafe in der Nähe einer der Universitäten von Toshkent (nicht Tashkent, sondern Toshkent!). Der Internetzugang war spotbillig, kostetete nur EUR 0,25 für eine halbe Stunde. Zurück ins Hotel, denn Irina wollte mir zu einer Bank bringen, wo ich meine Traveler’s Cheques eintauschen konnte. Das war im Zentrum der Stadt. Die Bank war eine Tochter der deutschen Kommerzbank! Es waren 4 Mitarbeiter notwendig, um meine Traveler’s Cheques einzutauschen. Super freundlich, dass muss ich sofort dazu sagen. Als dankeschön bekam ich einen Kugelschreiber der Bank geschenkt. Dann kam er Höhepunkt, die Auszahlung (in einem anderen Raum). Ich konnte wunschgerecht die Dollar in kleinen Scheinen bekommen (große Scheine sind hier sehr unpraktisch). Ich wollte 50 Dollar in Som tauschen, dafür bekam ich über 70 Scheine (bei einer Kurs von 1:1300 sind das 66.750 Som, und der größte Schein ist gerade mal 1.000 Som, ich hatte also einen richtig großen Stapel Geld!). Die Schalter aber waren fabelhaft. Dort türmten (!!) sich die Geldstapel. Ich habe Geldstapel von 1 x 1 x 1 Meter Höhe gesehen, unvorstellbar. So muss es in deutschen und niederländischen Banken in den 20’ger Jahre des letzen Jahrhunderts ausgesehen haben … Haufen und Haufen von Geld, wirklich faszinierend!!!

Da ich nun ausreichend bar Geld hatte, ging es zum Bahnhof. Alles zu Fuß, damit ich auch was von der Stadt sehe. Die ist wirklich alles außer hübsch. Viele große, kitsch-moderne Bauten. Dazu extrem viel Polizei, was nicht dazu einlädt, eine Nikon D200 zum Vorschein zu holen …

Kurz vorm Bahnhof sah ich, daß es ein Eisenbahnmuseum gibt! Da gehe ich nachher noch hin! Am Bahnhof, der sehr modern war, traf ich schon wieder Sabine und Claus (die hatte ich am Montag bereits in Riga am Flughafen gesehen, und später bei der Zollkontrole am Flughafen in Tashkent). Die waren neugierig, wie man einen Fahrschein kauft, und ich war das Versuchskaninchen. Am Schalter für Inlandsfahrten (da kam ich nur, weil ich die OVIR Registration hatte), bekam ich für 8.400 Som (ca EUR 4,20) meine Fahrkarte 3. Klasse (!!!) nach Samarkand. Meine neuen Freunde mussten noch Geld wechseln und haben sich nachher die Fahrkarten besorgt. Anschließend wollte ich unbedingt noch am Bahnsteig vorbeischauen, ich hatte gesehen, dass ein langer Zug bereitgestellt wurde. Es waren 13 Wagons für Urgench (im Westen Usbekistans) und 3 Wagons für Novosibirsk. Am Bahnhsteig habe ich ein paar interessante Aufnahmen machen können.

Als ich eine große Gruppe von Militärs sah, habe ich meine Kamera lieber wieder im Rucksack versteckt. Dann ging es zum Eisenbahnmuseum. Da fotografierte ich eine Truppe Schulkinder, die sofort neugierig wurden. Sie rannten auf mich zu und wollten unbedingt fotografiert werden. Zwei Kids sprachen sogar ein paar Brocken Englisch. Bei einer Dampflok mit dem roten Stern entstand ein lustiges Gruppenbild.

Dann bettelten die Kids, ich sollte doch bitte die Schmalspurbahn fahren lassen, das kostet nur 3.000 Sum (für Coen: das war eine Ukrainische Schmalspurlok!). Es gab im Museum eine Strecke, wo eine Schmalspurbahn fuhr. Darauf hatte ich keinen Bock, denn wenn ich eine Schmalspurbahn zahle, was denn sonst noch? Es stellte sich heraus, dass die Kids gerade keinen Unterricht hatten und deshalb ihre freien Stunden im Museum verbrachten. Ich wurde sie aber nicht mehr los, sie kamen mit neuen Bitten (Limonade, dann sollte ich mit in die Schule kommen). Einer steckte mir sogar eine frisch geplückte Rose ein, damit ich mitkäme.

Als ich zurück in die Stadt ging, kam ein fast orkanartiger Sturm auf. So viel Wind und Sand in einer Stadt habe ich noch nie erlebt, es war die Hölle! Wegen des Sandes musste ich ständig niessen und prusten. Auch kam so viel Sand in den Augen, dass ich fast weinen musste (nicht aus Melancholie, sondern weil es einfach weh tat!). Unterwegs konnte ich mir endlich einen Stadtplan kaufen, erst dann fühle ich mich (wie einige seit langem wissen) wohl. Ich lief an einer Filiale der Westminster University vorbei. Sofort wurde ich angesprochen, die Leute hier sind extrem gastfreundlich („Problem, can I help you?“). Dieser Ali wollte nach seinem Studium nach Amsterdam, um dort für die ABN AMRO Bank oder die ING Bank zu arbeiten. Er hatte auf jeden Fall Ahnung. Der Sturm blieb superheftig, ich wurde zum teil fast umgeweht! Weitergelaufen bis zum Parlamentsgebäuder, dass eine perfekte Kopie vom ehemaligen Palast der Republik in Berlin ist (gleiche Spiegelfenster). Leider durfte ich nicht über das Gelände laufen, ich wurde freundlich (Händeschütteln), aber eindeutig von einem Polizisten weggeschickt. Da es nun auch noch dolle zu regnen angefangen hatte, wollte ich zuerst ins Hotel zurück, denn wegen der hohen Temperatur am Morgen (über 25°C), war ich ohne Jacke weggegangen.

Mit Jacke bewafnet ging es nun in Richtung Altstadt. Das war ein ordentlicher Spaziergang (mehrere Kilometer, im strömenden Regen). Unterwegs viel Polizei, die mich allerdings nicht kontrolierte. Und dann, Nahe der Musikhochschule: ein Mann wird äußerst brutal auf offener Straße zusammengeschlagen. Wenn Amnesty so was sehen würde … den Typen, die sich da austobten (vergiß Rambo, dass ist harmlos im Vergleich zu dem, was ich hier sah) möchte man nicht ohne Schwarzen Gurtel entgegentreten. Alle schauen weg, ich auch, als ich sehe, wie der Schädel mit schweren Schuhen zu Boden getreten wird … Hier schämt man sich, Zivilcourage ist in dieser Polizeistaat weit zu suchen.

Nach langem Suchen finde ich endlich die Altstadt sowie den Bazar. Da es mittlerweiel seit über 2 Stunden einen Wolkbruch gibt und ich sowas von durchnäßt bin, schenke ich mir die Alstadt. Die sieht auf jeden Fall nicht einladend aus. Stattdessen fahre ich mit einem Bus (ich habe jetzt einen Stadtplan mit ÖPNV Linien, hurra!!!) zum Bobur Park und möchte da etwas essen. Im Restaurant verständige ich mit einem anderen Gast an meinem Tisch auf Russisch und lerne von ihm die ersten 11 Wörter auf Usbekisch (hallo, dankeschön, auf wiedersehen usw.). Gegen 21:00, es ist schon dunkel, bin ich im Hotel zurück. Wieder treffe ich Sabine und Claus, und Ali, der Hotelinhaber, lädt uns wieder zum Wodka trinken ein. Daraus wir eine ganz lustige Runde. Ali behauptet, er stehe gleich zu Stalin und Hitler, und in seinem Hotel fühlt er sich wie der König von Luxembourg. Saufen kann er auf jeden Fall gut. Das einzige Wort, dass er auf Deutsch kann (er war angeblich mehrere Male in Deutschland), ist „Gruppensex“. Mit Claus, „dem Mädchen vom Dorf“ macht es auf jeden Fall richtig spaß! Claus ist seit 7 Jahren die beste Freundin von Sabine, aber ist trotzdem nicht vom „anderen Ufer“. Ich glaube, dass Sabine, Claus und ich unter uns mehr Spaß haben als Ali („King Ali“).

Ich bin jetzt seit anderthalb Tage in Samarqand. FABELHAFT! Mit ausnahme vom Internet. Deshalb folgen bis auf Weiteres nur Geschichten und LEIDER Bilder … schade, schade, schade, denn was hier alles vor der Kamera kommt!

Edit, es scheint nun doch zu funktionieren. Ich kann selber allerdings nur rote Kreuzchen sehen. Kann jemand bitte ueber ein Kommentar sagen, ob IHR die Bilder sehen koennt_

Heute keine Bilder, sondern nur Text. Der Übergang von europäischer Disziplin zum absoluten Chaos dauert mit Uzbek Airlines nur 5 Stunden. Auch heute gestern wieder früh aufgestanden, bereits um 6 Uhr stand ich an der Bushaltestelle. Ein wunderschöner Sonnenaufgang über der Altstadt, dies wäre das perfekte Motiv gewesen… Der Flughafen war relativ ruhig. Abflug um 07:45, zu Papier zumindest. Denn kaum saßen wir im Flieger (mein Fensterplatz wurde beim Einsteigen noch mal geändert, denn der usbekische Borat saß am Fenster, nicht ich), oder das Warten fing an. Fast eine Stunde später ging es los. Tschüß Riga, wir sehen uns in 5 Wochen wieder!

Der Flieger war amüsant. Die meisten Reisenden waren Usbeken, die gerade mit einem Flug aus New York gekommen waren. Viel Gold, wenn nicht an Armen oder Ohren, dann vor allem im Mund. Riesige Familien, wobei mir nicht klar war, wer Großmutter und wer Mutter war. Und von der Kleidung her alles zwischen Borat (low profile) und Anzug. Viele unterschiedliche Gesichter, von mongolisch, russisch-europäisch bis deutlich chinesisch. Ausserdem bildhübsche Frauen. Leider war es nahezu die ganze Strecke bewolkt, deshalb konnte ich nichts von Weissrusland, Rusland und Kasachstan sehen. Nur auf dem Bordmonitor wurde angezeigt, wo wir uns gerade befanden.

Dann, gegen 15.15 Ortszeit landen wir in Tashkent. Mittlerweile sind Borat und ich ins Gespräch gekommen. Er ist eine nützliche Hilfe am Flughafen. Am Flughafen wird deutlich überall geraucht, obwohl es deutlich „nicht Rauchen“ Schilder gibt. Dann die Passkontrole, wo ich zum Glück ganz vorne in der Reihe stehe. Erstaunliche viele ältere Frauen drängeln sich ungeniert nach vorne! Disziplin wie noch vor wenigen Stunden in Lettland ist hier vergeblich zu suchen. Nach nur wenigen Minuten habe ich das Einreisestempel im Pass.

Borat hatte mich für den zweiten Schritt (Gepäckabholen) bereits vorgewarnt. Die meisten Usbeken hatten pro Person im Schnitt drei GIGANTISCHE Koffer bei. Einige Familien besorgten sich Gepäckkarren, und sahen dann mit 5 oder 6 solchen Karren mit jeweils 3 – 4 riesen Packete wie Güterzüge aus. Viele Koffer waren vor Freude, wieder in der Heimat zu sein (oder einfach zu prall gefüllt waren) spontan aufgerissen … Rucksäcke kamen zu guter letzt, so konnte ich in mehr als einer halben Stunde das Treiben am Gepäckband beobachten. Hier rennt man übrigens einfach selber über die Gepäckbänder, wenn man seinen Koffer sieht.

Und dann die Fahrt in die Stadt. Ich wollte am Flughafen Geld wechseln und dann mit Bus fahren. PECH! Denn die einzige Wechselstube am Flughafen (wo bin ich denn hier?) hatte bereits feierabend. Und das kurz nach 16:00. Oder, spielen die mit den Taxifahrern unter einem Hut? Denn kaum hatte ich einen 20 Euro schein in der Hand, so hatte ich gleich einen illegalen Taxifahrer neben mir. „Change no problem Sir, I know good hotel, you change there“. Ja, alles schön und gut, aber was kostet mich die Fahrt? „Ah Sir, no problem, we drive you to hotel, you change and then pay“. Immer noch keine Antwort. Nach mehreren Minuten verhandeln einigen wir uns auf 5 EUR für die Fahrt. Gleich zeigen sie (sie sind zu zweit, einer fährt, der andere übersetzt) einen großen Stapel Geld. Bei einer Wechselrate von etwa 2000 Som für einen Euro komme ich deshalb auf 30.000 Som, die ich zurück als Wechselgeld zurück kriegen soll. Dann fahren sie mich plötzlich doch zu dem von mir erwünschten Hotel. Unterwegs extrem viel Polizei, die fleißig kontroliert. Ausserdem ein megalomanes Polizeihauptquartier (viel Spiegelglas, ich dachte zuerst, dass sei eine Bank). Beim Hotel angekommen muss ich gleich an zwei Fronten verhandeln. Erstens natürlich die Wechselrate beim Fahrer und gleichzeitig die Hotelübernachtung. Die muss ich von USD 25 pro Nacht auf USD 20 runterreden, was immer noch 5 Doller mehr sind als im Reiseführer.

Dann aber ist alles gleich in Orndung, ich habe ein schönes Zimmer mit eigener Dusche auf der ruhigen Seite vom Hotel. Während ich im Garten (zwischen Weinranken, herrlich, ausserdem sind es geschätzt 25°C hier!) eine Zigarette rauche, lerne ich Shkhrat kennen, der fließend English spricht. Er ist der Ehemann von einem Hotelangestellten und organisiert für mich das Abendessen (ich gehe mit seiner Frau irgendwo hin).

Ich muss allerdings dringendst mein Russisch auffrischen, denn ohne Russisch kommt man hier nicht weit. Aber das wird alles schon!

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Nachtrag aus dem Internetcafe, Tag 1 in Tashkent. Gestern gemeinsam mit einem Franzosen und einer Frau, die in dem Hostel arbeitet, im Barbur Park gegessen. Ihre Schwester arbeitet dort als Kellnerin. Gut gegessen, man isst hier meist mit der Hand. Das Publikum war faszinierend! Ein bunter Mix aus vielen unterschiedlichen Kulturen. Viele Frauen sind in ihren seidenen oder samtenen Kleidern wunderschoen gekleidet. Und es wird nicht nur gegessen, sondern auch ausgiebig getantzt. Aber ganz anders als bei uns, man spuert und sieht hier die arabischen Einfluesse. Stelle dich dazu vor, dass wir noch bei 26C abends draussen sitzen, dass es ganz anders riecht als bei uns – dass ist Tashkent, wunderbar!

Zurueck im Hotel wurde ich vom Inhaber sofort zum Wodkatrinken eingeladen. „Don’t worry, be happy“ ist sein Motto. Erst wenige Stunden hier und gleich so viel erlebt, dass ist ein guter Start!

Heutemorgen mit einem Schweizer und dem aelteren Franzosen von gestern gefruehstueckt und die ersten Erfahrungen ausgetauscht. Wer alleine reist, lernt schnell andere Reisende kennen. Gleich gehe ich mit Irina, die hervorragend Englisch spricht, zu einer Bank, um meine Travelers Cheques einzutauschen, denn ausserhalb der Hauptstadt sind TC nahezu nicht einzuwechseln. Dann geht es zum Bahnhof, morgen will ich nach Samarkand. Wenn das geklapt hat, werde ich heutenachmittag Tashkent naeher kennenlernen.

Ich melde mich in einigen Tagen wieder, dann hoffentlich aus Samarkand!

PS Ist gewoehnungsbeduerftig, Deutsch zu schreiben auf einer Russisch/Englischen Tastatur!